Ein Unfall auf dem Weg zur Arbeitsstelle – Das sollten Sie wissen


25.02.2014
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Versicherungsrechtliche Aspekte bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeitsstelle

Sie sollten die Rechtslage bei Unfällen zur oder von der Arbeitsstelle kennen und auch Ihre Kolleginnen darüber informieren, für den Fall, dass auf dem Weg von oder zur Arbeitsstelle ein Unfall passiert. Das Bundessozialgericht legte in seinem Urteil vom 05.05.1998, Az.: B 2 U 40/97 3, relevante versicherungsrechtliche Voraussetzungen zu Grunde, die bei einem Wegeunfall sowohl für Sie und Ihren Träger als Arbeitgeber als auch für Ihr Personal als Arbeitnehmer von großer Bedeutung sind.

3 Voraussetzungen für einen Wegeunfall

In der gesetzlichen Unfallversicherung ist grundsätzlich nur versichert, was Ihrer Kindertageseinrichtung als Arbeitsstelle eindeutig zuzuordnen ist. Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts gilt hier eine schlüssige Abgrenzung für einen Wegeunfall:

 

    1. Entscheidend ist der Ort Ihrer Kindertageseinrichtung.
    2. Ihre Kindertageseinrichtung muss Ziel oder Ausgangspunkt des Weges sein.
    3. Eine Arbeitnehmerin muss tatsächlich auf dem Weg zur oder von der Arbeitsstelle sein.

 

Das sollten Sie im Falle eines Wegeunfalls wissen

Verunglückt eine Erzieherin Ihrer Kindertageseinrichtung auf dem Weg zur Arbeitsstelle oder auf ihrem Nachhauseweg, ist sie durch die Berufsgenossenschaft abgesichert. Resultieren Beeinträchtigungen aus dem Wegeunfall der Erzieherin, hat sie Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Wenn Ihr Personal Ihnen einen Wegeunfall meldet, sollten Sie sich über die rechtliche Sachlage informieren.

Stellen Sie anhand der folgenden Kriterien zunächst fest, ob es sich tatsächlich um einen solchen Wegeunfall handelt.

  • Nur auf dem direkten Hin- und Rückweg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle ist Ihr Personal bei einem Unfall versichert. Unerheblich ist dabei, wie der Unfall geschieht – ob Ihre Mitarbeiterin mit dem Pkw, dem Fahrrad oder als Fußgängerin verunglückt, ist rechtlich unerheblich.
  • Umwege sind grundsätzlich nicht mitversichert. Wenn Ihre Mitarbeiterin auf dem Heimweg einen Umweg macht, um einer Freundin einen Besuch abzustatten, ist sie bei einem Wegeunfall nicht über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.
  • Bei Unterbrechungen des direkten Weges, die privaten Zwecken dienen, besteht kein gesetzlicher Versicherungsschutz. Zu Wegunterbrechungen zählen nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts beispielsweise private Einkäufe oder routinemäßige Arztbesuche.
  • Bei einem Wegeunfall gilt die 2-Stunden-Regelung. Diese bedeutet: Wenn eine Erzieherin ihren Arbeitsweg länger als 2 Stunden unterbricht, beispielsweise um nach ihrem Dienst einen Arzt wegen einer akuten Erkältung zu konsultieren, damit sie am nächsten Tag wieder arbeitsfähig ist, zählt ein Wegeunfall nur von der Kindertagesstätte bis zum Arzt. Ein eventueller Unfall danach gilt nicht als Wegeunfall.

Praxisbeispiel 1
Eine Erzieherin erklärt sich auf die Bitte der Leiterin hin bereit, nach Dienstschluss auf dem Nachhauseweg einen kleinen Umweg zu fahren und für die Einrichtung Servietten und Tischdekoration für das bevorstehende Elternfest zu kaufen. Auf dem Parkplatz des Dekorationsgeschäftes wird die Erzieherin von einem Auto erfasst und erheblich verletzt.

 

 

Versicherungsrechtliche Sicht:
Die Erzieherin handelte im Auftrag der Leiterin, deshalb ist der Einkauf keine private Unterbrechung des Arbeitsweges. In diesem Fall greift die gesetzliche Unfallversicherung.

Praxisbeispiel 2
Die teilzeitbeschäftigte Erzieherin, deren Arbeit erst um 11:30 Uhr beginnt, nimmt vor der Arbeit einen Friseurtermin wahr. Sie stürzt auf der Treppe des Friseurgeschäftes und verletzt sich schwer.

Versicherungsrechtliche Sicht:
Der Friseurtermin stellt eine private Unterbrechung des Arbeitsweges dar. Es handelt sich nicht um einen Wegeunfall, deshalb steht diese Erzieherin nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Informieren Sie sich bei einem Wegeunfall Ihrer Mitarbeiterinnen über die näheren Umstände. Setzen Sie Ihr Personal über die Kriterien in Kenntnis, bei denen die gesetzliche Unfallversicherung bei einem Wegeunfall greift. Damit vermeiden Sie bei Ihrem Personal Enttäuschungen und Missmut für den Fall, dass die gesetzliche Unfallversicherung nicht eintritt.

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