Unfallversicherungsschutz auf dem Kita-Weg


23.03.2016
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Die bei Ihnen betreuten Kinder, Sie selbst und Ihre Mitarbeiterinnen sind in der Kita und bei Kita-Veranstaltungen und -Ausflügen gesetzlich unfallversichert.
Dieser Versicherungsschutz ist aber nicht auf Unfälle in oder im Zusammenhang mit der Kita beschränkt. Er besteht auch dann, wenn der Unfall sich auf dem Weg zur Kita oder auf dem Heimweg ereignet.

Praxisbeispiel: Leon besucht die Kita „Max & Moritz“. Er wird morgens von seiner Mutter mit dem Auto in die Kita gebracht. Leons und Pauls Mütter wechseln sich mit dem „Mami-Taxidienst“ ab. Eines Morgens verunglückt Leons Mutter auf dem Weg zu Paul. Sie und Leon werden bei diesem Unfall schwer verletzt. Es stellt sich die Frage nach dem Versicherungsschutz.

Rechtlicher Hintergrund zum Unfallversicherungsschutz auf dem Kita-Weg

Bei Wegeunfällen, also bei Unfällen auf dem Weg zur Kita und auf dem Heimweg, besteht für die Kinder, die Ihre Kita besuchen, und auch für Ihre Mitarbeiterinnen und Sie als Leitung Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung. Versicherungsträger ist bei den Kindern die Unfallkasse, bei Ihrem Team die Berufsgenossenschaft.

 

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Das sollten Sie zum Unfallversicherungsschutz auf Kita-Wegen wissen

Das klingt zunächst einmal einfach. Der Teufel steckt aber, wie so häufig, im Detail. Informieren Sie sich daher anhand der folgenden Fragen und Antworten, was Sie zum Thema „Wegeunfall“ wissen sollten.

Frage: Ist nur der kürzeste Weg zur Kita bzw. der kürzeste Heimweg versichert?
Antwort: Nicht unbedingt. Versicherungsschutz besteht für den „güns tigsten“ Weg. Das kann auch ein kilometermäßiger Umweg sein, wenn dieser verkehrsgünstiger oder – gerade bei Kindern – sicherer ist.

Frage:Was passiert, wenn der Weg zur Kita oder der Heimweg unterbrochen wird?
Antwort: Wird der versicherte Weg verlassen, z. B. weil die Mitarbeiterin ein Brötchen kaufen oder das Kind noch auf einem öffentlichen Spielplatz spielen möchte, endet der Versicherungsschutz mit Verlassen des versicherten Wegs zunächst einmal.

Er lebt allerdings wieder auf, wenn diese innerhalb von 2 Stunden wieder auf den versicherten Weg zurückkehren. Geht ein Kind z. B. allein nach Hause und verlässt es den direkten Heimweg, um auf einem Spielplatz zu spielen, besteht auf diesem kein Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallkasse. Kehrt das Kind dann auf den „normalen“ Heimweg zurück, ist es dann bei einem Unfall wieder versichert, wenn sich dieser innerhalb von 2 Stunden nach Verlassen der
Kita ereignet.

Frage: Wie sieht es mit dem Unfallversicherungsschutz aus, wenn Mitarbeiterinnen erst noch das eigene Kind zur Schule oder in die Kita bringen und sich dann
erst auf den Weg zur Arbeit machen?
Antwort: Muss eine Mitarbeiterin vor Dienstbeginn erst einmal das eigene Kind versorgen, besteht auch auf dem Weg zur Kita, Schule oder Tagesmutter des eigenen Kindes Versicherungsschutz über die Berufsgenossenschaft. Solche Wege, die zur Betreuung des eigenen Kindes notwendig sind, sind von dem Versicherungsschutz ausdrücklich mit umfasst.

Das gilt übrigens auch in unserem Praxisbeispiel. Da sich die Mutter von Leon auf dem Weg zur Kita ihres Sohnes befand und anschließend zur Arbeit fahren wollte, handelt es sich hier für sie um einen über die Berufsgenossenschaft versicherten Arbeitsunfall. Die Abwicklung des Unfalls übernimmt aber die Berufsgenossenschaft, bei der die Mutter versichert ist. Damit haben Sie als Kita nichts zu tun. Sie müssen sich lediglich um die Unfallmeldung für das betroffene Kind kümmern.

Frage: Was passiert, wenn der Unfall im Rahmen einer Fahrgemeinschaft passiert und sich das Kind bzw. die Mitarbeiterin streng genommen nicht auf dem direkten Weg zur Kita oder auf dem Heimweg befand?
Antwort: Wenn Mitarbeiter oder Eltern Fahrgemeinschaften bilden, besteht auch für die „Umwege“, die hierbei notwendig werden, z. B. um, wie im Praxisbeispiel, ein weiteres Kind abzuholen, Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung.

Frage: Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz für Eltern aus, wenn diese auf dem Weg zur Kita oder beim Abholen einen Unfall erleiden?
Antwort: Eltern genießen nur dann Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung, wenn sie sich selbst auf dem Weg zur Arbeit befanden und die Kita praktisch auf dem Weg lag.

Ansonsten besteht kein Versicherungsschutz, allenfalls über die Kranken- und ggf. private Unfallversicherung der Eltern.

Frage: Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus, wenn Kinder allein in die Kita kommen oder nach Hause gehen?
Antwort: Auch Kinder, die allein in die Kita kommen bzw. allein nach Hause gehen, sind über die Unfallkasse versichert. Diese ersetzt allerdings nur Personenschäden, die das Kind erleidet, so z. B. die Behandlungskosten. Nicht zuständig ist sie für den Ersatz von Schäden, die das Kind auf dem unbegleiteten Weg verursacht, z. B. indem es Autos zerkratzt.Hierfür müssen die Eltern aufkommen, wenn ihnen nachgewiesen werden kann, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Frage: Wann beginnt und endet der Versicherungsschutz?
Antwort: Der Versicherungsschutz beginnt bei Mehrfamilienhäusern mit Durchschreiten der Haustür, bei Einfamilienhäusern mit Verlassen des Grundstücks. An gleicher Stelle endet der Versicherungsschutz auch wieder.

Frage: Besteht auch Versicherungsschutz über die Berufsgenossenschaft, wenn sich Mitarbeiterinnen während ihrer Mittagspause z. B. ein Brötchen
beim Bäcker kaufen und auf diesem Weg einen Unfall haben?
Antwort: Ja, auf dem Weg in die Mittagspause, z.B. ins Restaurant oder zum Bäcker, sind die Mitarbeiterinnen versichert. Nicht versichert sind aber das Essen an sich oder das Kaufen des Brötchens. Der Versicherungsschutz endet immer, wenn die Mitarbeiterin die Straße verlässt und ein Geschäft betritt. Nicht versichert sind außerdem der Weg in die Raucherpause und der Rückweg aus einer solchen. Versicherungsschutz besteht auch nicht für private Besorgungen
während der Pause, z. B. Einkäufe für das Abendessen oder das Abholen von Kleidung aus der Reinigung.

Frage: Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus, wenn ich eine Mitarbeiterin bitte, auf dem Heimweg noch eine Besorgung für die Kita zu machen und sie deshalb den eigentlich versicherten Weg verlässt?
Antwort: In einem solchen Fall ist auch der „Umweg“ versichert. Denn bei diesem befand sich die Mitarbeiterin auf einer dienstlichen Besorgung. Bei einem solchen Fall besteht in jedem Fall Versicherungsschutz über die Berufsgenossenschaft, auch wenn sie vom eigentlich versicherten Heimweg abweichen muss. Wichtig ist aber, dass Sie und Ihre Mitarbeiterinnen solche dienstlichen Besorgungen vorher absprechen.

 

 

 

 

 

 

 

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