Verletzte Kita-Kinder – So gehen Sie mit Beulen & Co. um


30.09.2016
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Lotte dreht sich freudig lachend und ausgelassen jubelnd ganz schnell um die eigene Achse – und stürzt dabei zu Boden. Samuel ist so wütend darüber, dass er aufräumen soll. Er schmeißt seine Bausteine durch den Raum und trifft dabei die kleine Myriell. Lilli wirft sich aufgebracht auf den Boden, nachdem Mama sich verabschiedet hat. Dabei stößt sie mit dem Kopf an ein Regal. Solche kleinen Unfälle passieren im Überschwang der Gefühle bei Kleinstkindern sehr häufig und lassen sich nicht immer vermeiden.

 

Gefahren aus dem Weg räumen um verletzten Kinder zu vermeiden

Damit Sie solchen Verletzungen nach Möglichkeit vorbeugen, sollten Sie besondere Gefahrenquellen von vornherein aus dem Weg räumen. Dazu hat der Gesetzgeber Unfallverhütungsvorschriften für Kitas und eine entsprechende Ergänzung für U3-Kinder herausgegeben (GUV-V S2 und Ergänzung). Achten Sie hier insbesondere auf Folgendes:

  • Sorgen Sie dafür, dass alle Möbel fest und sicher stehen und ggf. an der Wand befestigt sind.
  • Ecken und Kanten an Möbeln können Sie nachträglich von einem Schreiner abrunden lassen.
  • An Türen und Schubladen müssen Sie einen Klemmschutz anbringen.

 

Reagieren Sie richtig wenn ein Kind sich verletzt hat

Kommt es – bedingt durch große Gefühle – bei den Kita-Kindern dennoch zu kleinen Unfällen, ist es Ihre Pflicht, das Kind mit seiner Verletzung zu versorgen. Dabei ist es wichtig, zu entscheiden, welche Versorgungsmaßnahmen Sie selbst durchführen können und bei welchen Sie einen Arzt hinzuziehen müssen. Sofortmaßnahmen, die Sie leisten müssen, sind:

  • sich einen Überblick über die Situation verschaffen
  • die Versorgung von Wunden z. B. durch Desinfektion und Pflaster
  • das Kind beruhigen und trösten
  • das Kühlen von Beulen und Schwellungen

 

Wichtiger Hinweis: Stellen Sie fest, dass es sich um eine größere Verletzung handelt oder dass Vitalfunktionen des Kindes, z. B. Bewusstsein, Herzschlag
oder Atmung, eingeschränkt sind, müssen Sie sich zuerst um die Versorgung durch Beatmung, Herzmassage oder Lagerung des Kindes kümmern. Dann rufen Sie den Notarzt!

 

Verständigen Sie im Notfall sofort die Eltern

Handelt es sich um eine kleinere Verletzung, z. B. eine Beule, die von Ihnen gut versorgt werden konnte, reicht es
aus, die Eltern beim Abholen über die Situation zu informieren. Ist das Kind schwerer verletzt oder ziehen Sie einen Arzt hinzu, müssen Sie die Eltern sofort nach der Notversorgung verständigen. Beachten Sie im Gespräch mit den Eltern, dass Sie

  • ruhig und mit fester Stimme mit ihnen sprechen.
  • versuchen, den Eltern sachlich, aber einfühlsam die Situation zu schildern.
  • die Eltern freundlich, aber bestimmt auffordern, ihr Kind abzuholen und ggf. einen Arzt aufzusuchen.

 

Wichtiger Hinweis: Überprüfen Sie regelmäßig, dass Sie eine aktuelle Liste mit den Telefonnummern der Elternn griffbereit in Ihrem Büro haben. Zudem ist es wichtig, dass Sie auch Ihre Erste-Hilfe-Ausrüstung regelmäßig auf Vollständigkeit prüfen. In jeder Etage von Kita oder Krippe muss ein Verbandkasten C nach DIN 13157 vorhanden sein.

 

Dokumentieren Sie den Unfall im Verbandbuch

Nach der Versorgung des Kindes und ggf. der Verständigung von Arzt und/ oder Eltern müssen Sie den Unfall und die Verletzung des Kindes im Verbandbuch Ihrer Kita dokumentieren. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Verletzung klein war und nur mit einem Pflaster versorgt wurde oder ob Sie den Notarzt verständigt haben. Denn für ärztliche Versorgung und auch für evtl. auftretende Folgen bei Unfällen während des Kita-Aufenthalts der Kinder kommt die gesetzliche Unfallversicherung auf. Und dafür ist ein Nachweis, dass der Vorfall während der Zeit in der Einrichtung passiert ist, wichtig. Die folgende  Checkliste unterstützt Sie dabei, an alle notwendigen Eintragungen zu denken.

 

Checkliste: Das müssen Sie im Verbandbuch eintragen

  • Ort und Zeit des Unfalls
  • Name des verletzten Kindes oder Erwachsenen
  • Art der Verletzung
  • Zeitpunkt der Behandlung der Verletzung
  • durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen
  • Name des Ersthelfers (Erzieherin oder andere Person)
  • Name von Zeugen

 

 

 

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