7 Maßnahmen gegen Personalmangel in der Kita

7 Maßnahmen gegen Personalmangel in der Kita

© KI generiert mit Midjourney
Inhaltsverzeichnis

Die Personalsituation in den Kindertagesstätten ist mehr als angespannt. Diese Erkenntnis ist nicht neu und Fachleute gehen davon aus, dass sich dieser Zustand auch in den nächsten 10 Jahren nicht ändern wird. Was also brauchen Sie, um sich trotz vieler negativer Erfahrungen dennoch auf die Arbeit zu freuen und bereit zu sein, Ihr Bestes zu geben? Erfahren Sie hier, mit welchen Maßnahmen Sie Stressoren im Alltag minimieren können.

Maßnahme 1: Wenden Sie das Reframing an

Ob Sie ein Erlebnis als gut oder schlecht bewerten, ist Ihre Entscheidung, es ist der „Rahmen = frame“, den Sie dem Ganzen verleihen. Sie können z. B. das Warten an der Einkaufskasse als pure Zeitverschwendung und Ärgernis auffassen oder tief Luft holen und dankbar sein für die nächsten 5 Minuten Ruhe. Auf diese Art gewinnt man einen neuen Blickwinkel, eine neue Sicht der Dinge, und kann unter Umständen auch zu einer anderen Wertung des Bisherigen kommen. Möchten Sie die aktuelle Personalsituation als Desaster und nicht endende Katastrophe sehen? Oder als ein Signal, dass sich Dinge ändern können und sollen, um die Kindertageseinrichtungen zukunftsfähig zu gestalten? Sie werden merken, dass so positive und vor allem kreative Ideen freigesetzt werden, um die jetzige angespannte Situation nicht einfach zu ertragen, sondern aktiv zu gestalten und zu verändern.

Maßnahme 2: Werden Sie nicht schneller, sondern langsamer

Erinnern Sie sich noch an die ersten Monate der Coronazeit? Man musste sich erst daran gewöhnen, an diese erzwungene Untätigkeit im Lockdown, aber dann war von vielen Menschen zu hören, wie sehr sie diese Zeit genossen haben. „Entschleunigung“ war in aller Munde. In Zeiten des Personalnotstandes sind viele Fachkräfte geneigt, alles noch eiliger und gehetzter zu erledigen als sonst, statt zu erkennen, dass nur noch wirklich wesentliche Arbeit geleistet werden kann. Wir sollten uns darauf besinnen, was wirklich wichtig ist: Ein gutes Zusammensein mit den Kindern – nicht mehr und nicht weniger. Wenn etliche Angebote ausfallen müssen, rücken die verbliebenen Erwachsenen und die Kinder automatisch enger zusammen. Sehen Sie das als eine wertvolle Entwicklung für sich und die Kinder, andere besser kennenzulernen. Genießen Sie diese neue Hinwendung, und suchen Sie gezielt Beschäftigungen, die im Alltag liegen bleiben: Neue Spiele ausprobieren und sich Zeit nehmen, die Spielanleitung gründlich zu lesen, Gelegenheiten zu Gesprächen nutzen, Dinge reparieren, den Bücherbestand mit den Kindern durchforsten, ob er noch aktuell und ansprechend ist oder nicht.

Maßnahme 3: Lassen Sie den Kindern Zeit für das Freispiel

Blicken Sie doch einmal kritisch auf Ihren normalen Tagesablauf in Ihrer Einrichtung. Vermutlich sind alle Aktivitäten eng getaktet, und einer Ihrer ersten Sätze morgens lautet: „Kinder, haltet euch bitte etwas ran mit dem Frühstück, wir müssen noch …“ Auf der einen Seite hagelt es Beschwerden, dass die Kinder immer weniger in der Lage sind, fantasievoll zu spielen, auf der anderen Seite werden sie – nicht zuletzt durch die Fachkräfte – von morgens bis nachmittags bespaßt. Dabei sollten Kinder am Tag 2–3 Stunden völlig zweckfrei spielen dürfen. Nutzen Sie die Zeit des Personalnotstandes, wenn der Druck, zum nächsten Angebot zu hetzen, wegfällt, und gönnen Sie den Kindern unbegrenzte Freispielphasen. Bieten Sie dazu Verkleidungsmaterial, Tiere, Naturmaterialien, Kartons und anderes Material an, um großflächig konstruieren und spielen zu können.

Maßnahme 4: Machen Sie sich frei von fremden Erwartungen

Legen Sie im Team einen 10-Punkte-Katalog fest, der beschreibt, was NICHT zu Ihren Aufgaben gehört. Es ist z. B. nicht in Ihrer Verantwortung, dass Max sein Spielzeugauto nicht eingepackt oder Herr Müller seit 3 Tagen die Brotdose vom Emilia nicht mitgenommen hat. Sammeln und verschriftlichen Sie diese Punkte und hängen Sie diese gut sichtbar in Ihrer Einrichtung auf. Gern können Sie einen weiteren, positiven Katalog formulieren, der klarmacht, was die Schwerpunkte Ihrer Arbeit sind – die Ihnen anvertrauten Kinder. Darauf und wie Sie den Tag mit ihnen verbracht haben, sind Sie natürlich gern ansprechbar.

Maßnahme 5: Nehmen Sie Ihre Umgebung in die Pflicht

Fachkräften fällt es ungeheuer schwer, ihre Umgebung darauf hinzuweisen, dass sie Verantwortung für das Wohlbefinden des Personals trägt. Gibt es in Ihrer Einrichtung einen Mitarbeiterraum, der diesen Namen verdient? Der nur für die Mitarbeiter- Innen da ist, sauber und gepflegt ist, Sitzgelegenheiten bietet, um in der Pause auch mal die Füße hochzulegen? Sorgt Ihr Träger dafür, dass Sie regelmäßig frisches Obst und jederzeit Zugang zu Wasser haben? Schützt Ihre Leitung Sie vor lästigen und überzogenen Elternansprüchen? Welches Gesundheitsmanagement, das langfristig dafür sorgt, dass Sie Stress abbauen können, gibt es in Ihrer Einrichtung? Wird Ihre Befindlichkeit abgefragt oder wird stillschweigend erwartet, dass Sie funktionieren? Das alles sind Rahmenbedingungen, die Ihre jetzige Arbeitssituation beeinflussen und im schlimmsten Fall zusätzliche Stressoren darstellen. Machen Sie mit Ihren TeamkollegInnen eine Bestandsaufnahme, was Sie schon erreicht haben und wo noch Nachholbedarf besteht – und melden Sie diesen mit Nachdruck an.

Maßnahme 6: Entschlacken Sie Ihren organisatorischen Überbau

Fangen Sie mit der Dienstbesprechung an. Muss sie wöchentlich nach Dienstschluss stattfinden und muss sie immer 1,5 Stunden dauern? Reicht es nicht, am Anfang eines Monats einen Plan für die nächsten 4 Wochen zu erstellen, der kurz besprochen wird? Für kurzfristige Änderungen oder Probleme dient das morgendliche Blitzlicht. Alternativ dazu können Sie im Team überlegen, ob es immer Dienstbesprechungen für das ganze Team geben muss. Reicht es nicht, wenn die Leitung zu Kleinteam-Sitzungen in die Gruppen kommt? Sind größere Dienstbesprechungen vielleicht als Zoom-Konferenz denkbar? Ebenso wenig ertragreich ist es, alle MitarbeiterInnen ganzjährig mit dem Schreiben von Entwicklungsberichten zu beanspruchen – zusätzlich zu dem Ausfüllen von Sprachstandserhebungen und dem Erstellen eines Portfolios. Dringen Sie darauf, dass nur das gesetzlich Notwendige gemacht wird. Schlagen Sie 2 Beobachtungswochen im Jahr vor, in denen in der gesamten Einrichtung der Fokus auf die Berichte und Elterngespräche gelegt wird, ähnlich wie die Elternsprechstunden in der Schule. Hilfreich ist es dann, wenn z. B. Textbausteine als Vorlage zur Verfügung stehen, die in allen Gruppen genutzt werden. Während z. B. die Gruppenleitungen mit den Berichten und Elterngesprächen beschäftigt sind, organisieren die anderen KollegInnen gruppenübergreifende Projekte. Statt persönlicher Portfolios können Sie am Ende der Woche eine Kurzbeschreibung der vergangenen Aktivitäten verfassen und dazu 3–4 Fotos zur Illustration beitragen. In einem „Unsere Aktivitäten“-Ordner können Eltern dies nachlesen und sich ggf. Kopien machen – achten Sie dabei darauf, dass entsprechende Einverständniserklärungen bzgl. der Bildrechte vorliegen.

Maßnahme 7: Klären Sie, welche Aufgaben die Kita wirklich hat

Der gesetzliche Auftrag der Kindertageseinrichtungen umfasst die Aufgabengebiete „Bilden – Erziehen – Betreuen“. Langsam, aber sicher hat sich allerdings das Gewicht von „Bilden“ zum „Betreuen“ verlagert, und damit wird jede Gruppenschließung wegen Personalnot zur Quelle heftiger Auseinandersetzungen zwischen Fachkräften und Eltern. Tatsächlich gibt es aber nirgendwo ein gesetzlich verankertes Recht auf 100 % Betreuung durch die Kindertageseinrichtung. Es wird daher höchste Zeit, Eltern ehrlich zu sagen, dass sie sich nach einer weiteren zuverlässigen Betreuungsmöglichkeit neben der Kita umsehen müssen. Am besten wäre es, wenn ein solcher Passus schon im Betreuungsvertrag zu finden wäre. Weitere Informationen und ein Muster für einen entsprechenden Zusatz in Ihrem Betreuungsvertrag finden Sie auf Seite 11. Um allen Kindern Bildung zuteilwerden zu lassen, ist es ebenfalls dringend nötig, rechtliche – praxisnahe – Voraussetzungen zu schaffen, um verstärkt Ehrenamtliche oder Elterndienste in Anspruch nehmen zu dürfen. Da zu diesem Thema viele verschiedene Vorstellungen vorherrschen, ist es dringend notwendig, mit allen Beteiligten die Prioritäten zu klären. Es wird dabei zu Kompromissen kommen müssen. Aber nicht erfüllte unausgesprochene Erwartungshaltungen führen nur zu noch mehr Frustration und vergiften das Miteinander.