kita-leitung mit gruppenraum und board im hintergrund

Welchen Notbetreuungsplan hat Ihre Einrichtung?

© KI generiert mit Midjourney
Inhaltsverzeichnis

Wenn Fachkräfte erkranken, müssen Eltern schnell informiert und eine verbindliche Kinderbetreuung zumindest für die nächsten 24 Stunden gewährleistet werden. Eine beständige Planungsunsicherheit und mangelnde Transparenz, wer eine Notgruppe besuchen darf und wer nicht, haben negativen Einfluss auf das Klima zwischen Eltern und Fachkräften. Sie begegnen dieser Situation am besten mit langfristig geplanten Maßnahmen. Wir stellen Ihnen hier einen Notbetreuungsplan bei Personalmangel vor, der in 4 Schritten abläuft und für ein Maximum an Informationen sorgt.

Schritt 1: Holen Sie den Elternrat mit ins Boot

Sowohl die Personalampel als auch das Notbetreuungskonzept müssen im Vorfeld mit dem Elternrat intensiv beraten werden. Sobald dieser zugestimmt hat, werden die Eltern informiert und erfahren durch ausgehängte Listen, welche Nummer ihrem Nachnamen zugewiesen wurde. Es ist wichtig, dass Sie diese Maßnahmen verschriftlichen und der Einrichtungskonzeption beifügen.

Schritt 2: Die Personalampel informiert und warnt

Es handelt sich um ein Plakat, auf dem eine Ampel mit 3 runden freien Feldern gemalt ist. In diese werden die Ampellichter Grün, Gelb und Rot nach Bedarf eingefügt. Sie sollte DIN-A4- Größe haben und an prominenter Stelle im Eingangsbereich der Einrichtung hängen. Ideal ist die Innenseite der Eingangstür. Je nach Personalstand „leuchten“ die verschiedenen Farben auf. Im Idealfall wird die Personalampel ergänzt durch eine Gruppenübersicht. Das heißt, es gibt im Eingangsbereich zusätzlich einen Plan mit den im Haus vorhandenen Gruppen und den darin beschäftigten KollegInnen. Er sollte auf einer Magnettafel hängen, und auch die wechselnden Punkte, die genutzt werden, sind magnetisch. Neben den Gruppennamen sind für jede/n MitarbeiterIn kleine Felder vorgesehen. Sind alle im Haus, ist das an den grünen Punkten in allen Gruppen erkennbar. Fehlt jemand, wird das grüne Feld durch ein gelbes ersetzt usw. Die Eltern sind dadurch nicht nur informiert, dass jemand fehlt, sondern sehen sofort, in welcher Gruppe der Engpass herrscht, und sind somit vorgewarnt.

Übersicht: Bedeutung der Personalampel
GRÜNDas Personal ist vollzählig. Alle Angebote und geplanten Entwicklungsgespräche o. Ä. können stattfinden.
GELBEs gibt Krankmeldungen. Die Gruppen können aber regulär besucht werden, allerdings können nicht mehr alle Projekte und Angebote, Ausflüge und Spaziergänge stattfinden. Eltern, die Kapazitäten haben, wie betreuende Großeltern oder früheren Dienstschluss, reagieren häufig in diesem Stadium unterstützend und lassen das Kind bei den Großeltern bzw. holen es früher ab. Die Einrichtung hat aber keinen Anspruch auf ein solches Entgegenkommen und kann es auch nicht einfordern!  
ROTEs herrscht Personalnotstand. Durch das Fehlen von Fachkräften kann die Aufsichtspflicht nicht mehr gewährleistet werden. Es werden Notgruppen mit einer reduzierten Kinderanzahl eingerichtet.

Schritt 3: Der Notbetreuungsplan tritt unter Anwendung des ABC-Modells in Kraft

Wenn die rote Ampelleuchte zu sehen ist, tritt die Notbetreuung in Kraft. An der Anzahl der noch verbliebene Kräfte und der Fachkraftstunden bemisst sich die Anzahl der zu betreuenden Kinder. Deren Namen werden durchnummeriert, beginnend beim ersten Nachnamen mit A und dann so weiter – bis zum letzten Nachnamen. Wenn der Personalschlüssel also eine Kinderanzahl von 51 Kindern (in einer 4-gruppigen Einrichtung) erlaubt, werden die Eltern benachrichtigt, dass die Kinder mit der Nummer 1–51 die Kita besuchen können. Ist es auch am Folgetag nicht möglich, einen regulären Betrieb aufzunehmen, kommen die Kinder in der alphabetischen Reihenfolge ab Nummer 52. Geschwisterkinder haben, da sie in aller Regel denselben Nachnamen tragen, nur eine Nummer. Hätten sie jeweils eine eigene Nummer, könnte der Fall eintreten, dass genau zwischen diesen beiden Nummern die Trennungslinie verläuft, und ein gemeinsamer Kita-Besuch wäre nicht möglich. Dieses ABC-Modell legt nicht den Fokus auf den Wunsch der Eltern nach Betreuung. Es betont vielmehr das Recht eines jeden Kindes auf Bildung und Erziehung.

Schritt 4: Lassen Sie sich von den Eltern eine Einverständniserklärung geben

Leider kommt es immer wieder zu zeitraubenden Diskussionen, ob es nicht bessere Möglichkeiten der Notbetreuung gäbe, ob man nicht mit denjenigen tauschen könnte, die ihren Platz nicht in Anspruch nehmen, usw. Schieben Sie diesen fruchtlosen Gesprächen möglichst schnell einen Riegel vor mit einer unterschriebenen Einverständniserklärung, die die Kenntnisnahme und die Teilnahme an dem in Ihrer Einrichtung praktizierten Notfallkonzept bestätigt.

Reflektieren Sie Ihr Verständnis der Kinderbetreuung

In vielen Fällen ist die Betreuungsnot der Eltern so massiv, dass die Kita nicht mehr nur familienergänzend, sondern schon längst familienersetzend geworden ist. Wenn aber auch die Einrichtungen eine notwendige Betreuung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr gewährleisten können, müssen neue Wege gesucht werden:

  • Träger, Fachkräfte und Elternvertreter sollten sich daher zusammen engagieren und weitere Betreuungspools anbieten.
  • In Verbindung mit Familienzentren und Gemeinden könnte ein Betreuungsdienst ins Leben gerufen werden. Die dort tätigen Personen erwerben einen Betreuungsführerschein, der von amtlicher Seite bestätigt wird.
  • Oder es wird eine Liste erstellt mit Fachkräften, die bereits in Rente sind, sich aber reaktivieren lassen.

Es werden bereits einige solcher Modelle angewandt, machen Sie sich bei KollegInnen in anderen Einrichtungen schlau!  

Muster: Einverständniserklärung zur Notbetreuungsmaßnahme
Wir, die Erziehungsberechtigten                                   _________________________________________                                                                                            _________________________________________  

des/der Kindes/er                                                          _________________________________________                                                                                      _________________________________________

 

erklären hiermit, über den Inhalt und den Ablauf der Notbetreuungsmaßnahmen nach dem numerischen ABC-Modell informiert worden zu sein. Wir erklären unsere Einwilligung, dass unser/e Kind/er in diesem Sinn betreut werden.  

Wir nehmen zur Kenntnis, dass Zwischenabsprachen mit Eltern zwecks Platztausch oder Überlassen eines nicht genutzten Platzes nicht zulässig sind.  

_____________________                     ________________________________

Ort/ Datum                                  Unterschrift