Wenn Kinder nicht spielen: Spielbegleitung in 5 Stufen
Es gibt jedoch immer mehr Kinder, die ohne Impulssetzung nicht selbstständig spielen können. Mit unserem 5-Stufen-Plan können Sie diese Kinder wirkungsvoll unterstützen.
Sie beeinflussen das kindliche Spiel – immer
Als Fachkraft beeinflussen Sie unweigerlich das kindliche Spiel, unabhängig davon, ob Sie mitspielen, nur zuschauen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen. Es ist also eine Illusion zu glauben, Kinder würden ohne jegliche Einwirkung durch einen Erwachsenen spielen. Ob und wie Sie aktiv auf das Spielgeschehen einwirken, hängt davon ab, was für ein Spieltyp Sie sind:
- Sie sehen im Spiel eine willkommene Chance, Kinder individuell zu fördern, und machen mit Begeisterung mit. Oder:
- Sie gehen davon aus, dass Kinder mit Ihnen nie so frei spielen wie mit anderen Kindern und „erwachsenenfreie“ Zonen brauchen. Sie stehen daher eher am Rand, beobachten interessiert, stellen notwendige Materialien zur Verfügung und zeigen gestisch und mimisch Ihre Anteilnahme.
Wenn Sie zum letzten Spieltyp gehören, sind Sie froh, wenn die Kinder ohne Konflikte spielen. Sie nutzen diese Zeit, um endlich dringend notwendige Dinge zu erledigen.
Wann ist eine Spielbegleitung erforderlich?
Wie gut und abwechslungsreich ein Kind spielt, hängt stark davon ab, welche Spielvorbilder es hat. Es braucht Vorbilder, die interessanten Tätigkeiten nachgehen, die vom Kind nachgeahmt werden. Nicht umsonst sind Kinder von Baustellen, der Müllabfuhr und Feuerwehr so fasziniert! Vielen Kindern fehlen jedoch diese abwechslungsreichen Tätigkeiten im unmittelbaren Umfeld. In folgenden Situationen benötigen die Kinder daher Ihre aktive Unterstützung:
- Wenn Sie direkt zum Spiel eingeladen werden
- Wenn das Kind wenig kreative Spielideen entwickelt bzw. der Spielverlauf sich immer wiederholt, ohne dass es dem Kind einen Mehrwert bringt
- Wenn ein Kind keinen Spielanschluss zu anderen Kindern findet
- Wenn ein Kind keine Ideen für verschiedene Spielformen entwickelt
- Wenn ein Kind wenig Ausdauer zeigt
- Wenn ein Kind zunächst Einzelförderung braucht
Ideal ist es, wenn Sie sich generell zum Spielverhalten der Kinder innerlich Notizen machen. Sie können dann in der jeweiligen Situation passgenau reagieren: Ein Kind sitzt am Tisch und schaut immer wieder zum Bauteppich hinüber. Dort sind andere Kinder intensiv beschäftigt. Sie können sich dazusetzen und das Kind fragen, womit das Spiel auf dem Bauteppich noch interessanter werden könnte. Ermuntern Sie das Kind, mit diesen Ideen und vielleicht zusätzlichem Material zur Gruppe zu gehen. Je nach Notwendigkeit haben Sie verschiedene Möglichkeiten, aktiv oder von außen Impulse zu setzen.
Eine gute Spielbegleitung verläuft in 5 Stufen
Stufe 1: Sie sorgen für vielseitiges Material
Der Raum ist Bestandteil einer möglichen Spielidee. Stühle und Tische dürfen integriert werden, Materialien, die vielseitig nutzbar sind, stehen zur Verfügung. Wenn Dinge zu fehlen scheinen, ermuntern Sie die Kinder, nach Lösungen zu suchen:
- Kann man sich etwas aus der Nachbargruppe ausleihen?
- Kann etwas umfunktioniert werden?
- Kann es selbst hergestellt werden?
- Kann der Spielverlauf geändert werden, damit das Spiel weitergeht?
Stufe 2: Sie machen anregende Tätigkeiten vor
Ob Sie ein Regal auswischen, Dinge neu sortieren, backen oder eine Magnetleiste an der Wand anbringen: Viele interessierte Kinder werden Ihnen begeistert zuschauen. Sie sollten daher täglich etwas in Ihrer Gruppe tun, das zur Nachahmung anregt. Sorgen Sie auch für die passenden Utensilien. Kinder können mit „richtigen“ Schrauben, Muttern und Nägeln spielen, und sie können auch richtiges (ungiftiges) Putzzeug oder Backformen in kindgerechter Größe benutzen. Da kindliches Spiel und kindliches Lernen untrennbar zusammengehören, können die Kinder einmal die Woche etwas backen und mit Mixer und Waage hantieren.
Stufe 3: Sie lassen den Kindern freie Hand
Ob und wie die Kinder das in ihr Spiel integrieren, was sie von Ihnen abgeschaut haben, bleibt ihnen überlassen. Aus der Nachahmung entstehen neue Impulse, wenn die Handgriffe und Abläufe von den Kindern sicher durchgeführt werden können. Sie werden allerdings bemerken, dass die Kinder weniger Dinge nachspielen, die sie im Fernsehen gesehen haben, wenn sie genügend „Echtes“ zum Vorbild haben. Sie sollten allerdings flexibel genug sein und auch zulassen, wenn die Kinder beschließen, die Arbeit der Fensterputzer zu übernehmen.
Stufe 4: Sie unterstützen aktiv
Wenn Sie bemerken, dass Kinder keinen Anschluss finden, sollten Sie sich Rollen überlegen, mit denen diese Kinder integriert werden können.
Ebenso kann es vorkommen, dass Kinder mitten im Spiel entmutigt abbrechen und nicht weiterkommen. Sie können dann mit bestimmten Fragen den Kindern eine Hilfestellung bieten:
- „Hast du schon …?“
- „Kennst du …?“
- „Wie hattest du dir das gedacht?“
- „Hast du herausgefunden, warum …?“
- „Möchtest du … probieren?“
Die Kinder werden ermuntert nachzudenken und kommen meistens selbstständig auf neue Ideen.
Stufe 5: Sie ziehen sich zurück
Wenn das Spiel wieder seinen Lauf nimmt, können Sie Ihre aktive Unterstützung einstellen. Sie können fragen, ob die Kinder noch etwas brauchen. Wird dies verneint und werden Sie auch nicht zum Mitspielen aufgefordert, können Sie sich etwas zurücknehmen. Ihre generelle Aufmerksamkeit und Verfügbarkeit für die Kinder bleibt natürlich bestehen.