Werden Sie aktiv gegen Mobbing – mit Spaß und Spiel!


22.02.2018

Mobbing unter Kindern ist ein echtes Problem. Und wenn Sie es bemerken, ist es meist schon zu spät. Gehen Sie es deshalb vorher an! Nämlich dann, wenn Sie noch keine Beobachtungen gemacht haben, die auf Mobbing hinweisen. Nutzen Sie dafür folgende Impulse und Ideen, mit denen Sie präventiv arbeiten, sodass es in Ihrer Einrichtung erst gar nicht so weit kommt.

Dieser 6-Punkte-Plan funktioniert unkompliziert, aber garantiert!

1. Kleine Stärkung für zwischendurch

Alle Kinder, die mitmachen wollen, setzen sich gemütlich hin. Sie können ruhige Musik spielen, die die Kinder vielleicht abwechselnd mitbringen dürfen. Die Kinder schließen die Augen und atmen tief in ihren Bauch. Sie sprechen dazu:

„Stell dir vor, in deinem Bauch gibt es einen wunderschönen Raum, der dir Ruhe und Kraft gibt. Weil du ihn sehr magst, machst du ihn beim Einatmen größer und größer. Und beim Ausatmen willst du gar nicht, dass er wieder kleiner wird. Deshalb spitzt du deine Lippen und lässt die Luft dadurch nur langsam heraus.“ Das sollten die Kinder 3- bis 5-mal durchführen. Dann beenden Sie die Übung: „Jetzt hast du in deinem Raum viel Kraft getankt und den Stress zurückgelassen. Wenn du jetzt wieder zurückkommst, fühlst du dich stark und ruhig.“

2. Verbale Gewalt verletzt – so werden Sie aktiv

Gegen verbale Gewalt positionieren Sie sich mit den Kindern spielerisch, indem sich alle um einen Tisch versammeln. Darauf stehen eine wertvolle Schüssel und ein Abfalleimer. Bitten Sie die Kinder zunächst, auf Papierstreifen jeweils ein Kompliment und eine Beleidigung zu schreiben, die sie vielleicht selbst schon gehört haben.

Ein Kind fängt an und liest einen Satz vor. Alle überlegen, ob es nette oder beleidigende Worte sind und was diese auslösen. Dann werden die Komplimente in der wertvollen Schale gesammelt und die Beleidigungen zerrissen und in den Abfalleimer geworfen. Zum Zeichen, dass diese Worte nun bei Ihnen „ausgelöscht“ sind, wird dieser gleich ausgelehrt. Die schönen Worte können in einer Collage aufgehängt und natürlich noch mit der Frage erweitert werden: „Was hörst du gerne von anderen?“

3. Jedes Kind bekommt einen Beschützer

In dieser Konferenz stehen die Kinder hinter ihrem Stuhl und sprechen von sich selbst in der 3. Person, z. B.: „Ich bin der Beschützer von Markus. Ihm geht es heute …“ So sprechen die Beschützer die Befindlichkeit, Wünsche, Bedürfnisse und vielleicht sogar Ängste ihres „Schützlings“ an. Als Gesprächsleiterin können Sie dabei gezielt nachfragen: „Was meinst du, wie du Markus helfen könntest?“ Auch die anderen Beschützer können Vorschläge machen oder Ratschläge geben – wie auf einer Konferenz eben. Diese Methode können Sie z. B. während Ihrer Gruppenkonferenz ausprobieren oder Sie führen sie neu ein. Dann eignet sich ein wöchentlicher Turnus.

4. Erste Hilfe für jeden Streit

Für die „Erste Hilfe“ gibt es einige wichtige Vorgehensweisen. Solche können Sie mit den Kindern auch als „Erste Hilfe“ in Konflikten festlegen. Dazu stellen Sie einen erdachten Konflikt unter Kindern vor. Dann betrachten und analysieren Sie diesen zusammen anhand folgender Fragen, die zugleich die verschiedenen Stufen des Konflikts beleuchten:

  • Was war der Auslöser für den Streit?
  • Wie verhielten sich die Streitenden verhalten?
  • Was hat den Konflikt verstärkt?
  • Wie könnte er ausgegangen sein?

Schreiben Sie diese einzelnen Stufen des Konflikts auf Plakate. Jetzt überlegen Sie mit den Kindern: Wie hätten die Streitenden auf der jeweiligen Stufe aus dem Konflikt aussteigen können? Daraus können Sie mit den Kindern die Erste Hilfe in Konflikten festlegen, z. B.:

  • „Was kann ich selbst machen?“
  • „Was kann der andere machen?“
  • „Was können wir sofort unternehmen?“
  • „Was können wir später noch machen?“

Drucken Sie diese „Erste Hilfe“ auf kleine Zettel, z. B. für die Hosentasche, und teilen Sie jedem Kind einen aus.

5. Streiten auf Papier bannen

Um einen Konflikt gut und fair zu lösen, braucht es meist etwas Abstand. Diesen können Sie für die Streitenden schaffen, indem Sie sie einladen, ihren Streit und alles, was ihnen dabei wichtig ist, aufzumalen. Anschließend stellt jedes Kind sein Bild vor und der andere hört zu. Jetzt kann gemeinsam über das Bild und den Streit diskutiert und gesprochen werden. Sie selbst übernehmen währenddessen die Moderatorenrolle.

6. Als Ballon-Boxer Über- und Unterlegenheit spüren

2 Kinder liefern sich bei dieser Übung einen Boxkampf, indem sie jeweils mit einem Luftballon auf den anderen „einschlagen“. Alle anderen Kinder sind Fans, die eine Hälfte für das eine, die andere Hälfte für das andere Kind. Nun vereinbaren Sie mit den Kindern folgende Kommandos:

  • Wenn Sie eine Faust heben, feuert jeder „seinen“ Helden an.
  • Wenn Sie einen Finger zeigen, feuern alle Kinder das eine Kind an.
  • Wenn Sie 2 Finger heben, feuern alle Kinder das andere Kind an.
  • Wenn Sie beide Hände hinter den Rücken nehmen, wenden sich alle Fans ab und gehen weg.

Anschließend sprechen Sie mit den Kindern über ihre Gefühle und Erfahrungen. Wechseln Sie die Rollen nach und nach durch.

Mit den vorgestellten Übungen gelingt es Ihnen unkompliziert, Mobbing vorzubeugen, bevor es zu spät ist. Und spielerisch und mit Spaß erreichen Sie alle Kinder. So arbeiten Sie nachhaltig an einer förderlichen und geschützten Atmosphäre unter den Kindern.


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