Wenn Eltern ratlos sind: In 4 Schritten zum konstruktiven Beratungsgespräch


25.08.2017
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Die 2-­jährige Leonie befindet sich gerade in der Autonomiephase. Mehrfach kommen Mutter und Tochter morgens zu spät in die Kita, weil Leonie schon mehre­re Wutanfälle durchlebt hat. Diese setzen sich an der Eingangstür der Kita fort. An manchen Tagen ist es dem Mädchen extrem wichtig, die Tür allein zu öffnen. Wenn die Mutter diese Tätigkeit schon übernommen hat, bricht das Kind in ein lautes Geschrei aus. Beim Umziehen droht die nächste Hürde. Das Mädchen will seine rosa glitzernden Straßenschuhe nicht ausziehen.

 

 

Sie sitzen schon mit den anderen Kleinkindern im Morgenkreis, als Leonie den Gruppenraum betritt. Wieder droht ein Wutanfall, weil Leonie ein bestimmtes Morgenritual verpasst hat. Zudem sehen Sie, dass die Mutter vollkommen er­schöpft ist. Sie gehen daraufhin zur Mut­ter und bitten um ein Gespräch.

Damit solche Gespräche erfolgreich verlaufen, ist es wichtig, einen offenen Dia­log zu führen. Wie Sie Eltern konstruktiv beraten, wenn sie ein Problem mit ihrem Kind haben, erfahren Sie nachfolgend.

1. Schritt: Klären Sie mit der Einladung den Rahmen ab

Bitten Sie Eltern um ein Gespräch, klären Sie gleich den Rahmen ab. Informieren Sie die Eltern am besten persönlich. Formulieren Sie den Gesprächsanlass positiv, indem Sie beispielsweise sagen: „Leonie durchlebt gerade einen wichtigen Entwicklungsschritt. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir sie gemeinsam in dieser Phase bestmöglich unterstützen. Ich würde mich gern in einem Gespräch mit Ihnen darüber austauschen.“ So sehen die Eltern, dass Sie der Situation positiv gegenüber eingestellt sind. Machen Sie den Eltern einen Terminvorschlag und legen Sie den Zeitrahmen fest. Veranschlagen Sie 45 Minuten. Länger als eine Stunde sollte solch ein Gespräch nicht dauern. Beispielsweise: „Würde Ihnen nächste Woche Montag von 16–17 Uhr passen?“

2. Schritt: Sorgen Sie für einen guten Gesprächsverlauf

Oftmals machen sich Eltern bei solchen Gesprächen Sorgen um ihr Kind. Es be­steht auch die Gefahr, dass sie ihre Erziehungskompetenzen infrage gestellt sehen. Gerade wenn es mit Kleinkindern Probleme gibt, leidet die ganze Familie unter der Belastung. Nicht selten machen sich die Eltern auch gegenseitig Vorwürfe. Gehen Sie unbedingt behutsam und sensibel vor. Dies geht, indem Sie Ihre Beobachtungen schildern, viele Fragen stellen und so Interesse zeigen. In der Übersicht finden Sie wichtige Tipps, wie Sie Ihre Beratungsgespräche erfolgreich gestalten.

Hierauf müssen Sie bei Beratungsgesprächen unbedingt achten

  • Gehen Sie im Tempo der Eltern vor.
  • Tasten Sie sich an das Problem heran, anstatt die Eltern zu überrumpeln.
  • Passen Sie Ihre Sprache an die Sprache der Eltern an.
  • Lassen Sie sich bei Fragen von Ihrer Intuition leiten.
  • Berücksichtigen Sie immer, welche Wirkung eine Frage auf die Eltern haben kann.
  • Sie stellen Fragen, um Informationen zu sammeln, nicht, um sich angenehm zu unter­halten.

Beginnen Sie das Gespräch, indem Sie Ihre Beobachtungen zu Leonies aktuellem Entwicklungsstand schildern. Bitten Sie auch die Eltern um ihre Sichtweise. Dabei stellen Sie den Eltern Rückfragen, wenn Ihnen etwas unklar ist. Anschließend überlegen Sie gemeinsam, wie Sie Leonie in dieser Entwicklungsphase optimal unterstützen können.

3. Schritt: Suchen Sie mit den Eltern nach Lösungen

In einem Beratungsgespräch haben Eltern oftmals den Wunsch, eine einfache und perfekte Lösung von Ihnen zu be­kommen. Halten Sie Ihre Lösungsideen zunächst einmal zurück. Denn nur gemeinsam können Sie mit den Eltern nach einer Lösung suchen, die zu der Familie passt. Treten Sie mit den Eltern in einen Dialog. Leiten Sie diesen wieder durch Fragen.

Auf Leonie bezogen, kann Ihre Frage lauten: „Was möchte das Mädchen mit seinen Wutanfällen mitteilen?“ Die Eltern erzählen daraufhin, dass Leonie meist selbstständig handeln möchte. Ist das nicht möglich, bekommt sie einen Wutanfall.

Danach überlegen Sie, wie die Eltern dieses Bedürfnis nach Selbstständigkeit unterstützen können. Die Eltern be­schließen:

  • Die Eltern wecken Leonie morgens grundsätzlich 30 Minuten früher. Dann hat sie ausreichend Zeit, um sich allein anzuziehen.
  • Die Mutter denkt daran, Leonie allein die Kita­-Tür öffnen zu lassen.
  • Falls das Mädchen morgens seine Glitzerschuhe anbehalten möchte, akzeptieren die Erzieherinnen das.
  • Die Eltern lassen sich nicht auf Macht­spiele ein. Wenn Leonie einen Wutanfall bekommt, versuchen sie, ruhig und gelassen zu bleiben.
  • Die Eltern akzeptieren die Gefühle des Kindes und spenden ihm Trost.

4. Schritt: Achten Sie auf Vorbehalte

Wenn Eltern der Lösungsvorschlag nicht zusagt, äußern das viele von ihnen nicht direkt. Typische Aussagen sind in solch einem Fall:

  • „Das klappt bei uns nicht.“
  • „Das haben wir schon versucht.“
  • „Das ist mit unserem Kind nicht mög­lich.
  • „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“
  • „Ich weiß nicht, wie ich das im Alltag umsetzen soll.
  • „Mir fehlt dazu die Zeit/Energie.“
  • „So konsequent wäre ich auch gern.“

Wenn Sie solche oder ähnliche Aussagen hören, haben die Eltern Vorbehalte oder das Gefühl, die Lösung passe nicht zur Familie. Fragen Sie direkt, warum sie Bedenken gegen diese Lösung haben. Fragen Sie: „Was müssen wir ändern, damit die Lösung funktionieren kann?“

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