Wie Sie mit starken Gefühlen von Eltern professionell umgehen


22.04.2019

Frau Ritter bat um ein Gespräch. Jetzt sitzt sie weinend vor Ihnen, ihr Mann hat sich von ihr getrennt. Seitdem ist ihre Tochter Jana überaus verschlossen und traurig. Sie weiß nicht, wie sie dem Kind helfen kann. Diese Erzählungen nehmen Sie sehr mit.

Später am Tag geht die Tür geräuschvoll auf, und Toms Vater platzt mitten in Ihre Projektgruppe. „Jetzt ist schon wieder Toms Trinkflasche verschwunden. Seit wann hat er denn nichts mehr zu trinken? Wozu bringe ich denn Getränke mit, wenn sich niemand darum kümmert!“ Dieses massive Auftreten verärgert und schockiert Sie sehr.

Kennen Sie solche Situationen, in denen Sie von den Gefühlen der Eltern vollkommen überrumpelt werden? Auf solch eine Situation waren Sie überhaupt nicht vorbereitet. Zumal Sie vermutlich auch vollauf mit den Kindern beschäftigt waren.

Daher ist ein „Notfallplan“ wichtig, um die Gesprächssituation zu entspannen, die Eltern professionell zu beruhigen und ihnen zu helfen. Mit den folgenden 3 Tipps leisten Sie Erste Hilfe und gehen sensibel mit den hoch emotionalen Momenten in Elterngesprächen um.

1. Tipp: Bieten Sie zeitnah ein Gespräch an

Wütende Eltern – wie Toms Vater – sind kaum zu bremsen. Deshalb beachten Sie Folgendes:

  • Bieten Sie den Eltern zeitnah eine Gelegenheit an, mit Ihnen über das Problem zu sprechen. Vereinbaren Sie am selben oder spätestens am nächsten Tag einen Termin.
  • Treten Sie innerlich zurück, bleiben Sie ruhig und sachlich. Denn jede Äußerung von Ärger oder Wut ist subjektiv richtig. Für eine offene und lösungsorientierte Gesprächshaltung ist es wichtig, die Meinung der Eltern anzuerkennen und ernst zu nehmen.
  • Können Sie für den Ärger und die Wut der Eltern kein Verständnis aufbringen? Dann sprechen Sie den Teilbereich an, den Sie gut nachvollziehen können: „Ich verstehe, dass Sie sich um Ihr Kind sorgen.“

Wichtiger Hinweis:

Lassen Sie sich auf keinen Fall sofort in ein Gespräch verwickeln, wenn Sie sich dem nicht gewachsen oder sich überrumpelt fühlen. Oder wenn Ihr Gesprächspartner die Grenzen überschreitet! Bitten Sie wütende Elternteile freundlich, aber mit Nachdruck, zu gehen, nachdem Sie einen Termin vereinbart haben. Überlegen Sie sich, ob Sie Ihre Kollegin oder die Kita-Leitung zu dem Gespräch hinzubitten.

2. Tipp: Bleiben Sie sachlich

Wenn Sie wütenden Eltern gegenüberstehen, ist es sehr wichtig, möglichst sachlich zu bleiben. Auf keinen Fall dürfen Sie sich jetzt auf die gleiche emotionale Gesprächsebene begeben. Atmen Sie tief durch und versuchen Sie, die Ihnen entgegengebrachte Wut an sich abprallen zu lassen.

„Lassen Sie uns wieder sachlich werden!“ – Solche Sätze signalisieren den Eltern, dass sie sich im Ton vergriffen haben. Wenn die Situation zu eskalieren droht, ziehen Sie die Notbremse. Vertagen Sie das Gespräch: „Ich möchte das Problem mit Ihnen klären, aber so kommen wir nicht weiter. Lassen Sie uns bitte einen neuen Termin vereinbaren, um gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Legen Sie gemeinsam einen zeitnahen Anschlusstermin fest, zu dem Sie eventuell die Leiterin Ihrer Einrichtung hinzubitten.

So schließen Sie das Konfliktgespräch ab: Um eine dauerhafte Lösung des Problems sicherzustellen, treffen Sie eine von beiden Seiten überprüfbare Vereinbarung. Haben Sie das Problem tatsächlich verursacht, z. B. weil Sie einfach etwas vergessen haben, entschuldigen Sie sich offen, statt sich zu rechtfertigen.

3. Tipp: Halten Sie Tränen und Trauer gemeinsam aus

Trauer oder Angst um die Zukunft der Familie – manche Menschen erleben auch diese Emotionen. Und sie machen vor Ihrer Tür nicht halt. Was tun, wenn eine Mutter weinend vor Ihnen sitzt? Versuchen Sie nicht, die Situation durch schnelle Lösungen oder Beschwichtigungen zu überspielen. Menschliche Größe zeigen Sie, wenn Sie die Gefühle gemeinsam mit der Mutter aushalten.

Vielleicht schweigen Sie, hören einfach nur zu und warten ab. Manchmal tröstet Körperkontakt (z. B. Ihre Hand auf den Arm der Mutter legen). Vertrauen Sie dabei auf Ihre Intuition und bleiben Sie authentisch. Achten Sie auch hier auf eine innere Distanz. Denn Sie können nicht helfen, wenn auch Sie sich von Gefühlen überwältigen lassen.

Zudem ist es Ihnen in den seltensten Fällen möglich, das Problem zu lösen oder die Verantwortung dafür zu übernehmen. Machen Sie das den Eltern sensibel deutlich, indem Sie z. B. fragen: „Was könnte Ihr nächster Schritt sein?“ Gerade wenn große Gefühle im Spiel sind, ist es unabdingbar, den Eltern Perspektiven aufzuzeigen.

Diese bereiten den Weg, um erste Schritte zur Problemlösung einzuleiten. Die vorgestellten Tipps unterstützen Sie, in derartigen Situationen professionell und lösungsorientiert zu handeln.

Mein Fazit

Emotionale Reaktionen, egal welcher Art,
kommen in der Zusammenarbeit mit
Eltern immer wieder vor. Wichtig ist es,
dass Sie selbst ruhig, gelassen und professionell reagieren. Nur so können Sie die
Situation optimal meistern und zu einer
guten Zusammenarbeit beitragen.


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