Leichter Überzeugen mit der Technik der steigernden Argumentation


16.10.2017

Eltern kommen mit ihren eigenen Sorgen, Ansprüchen und Vorstellungen in die Kita. Sie als Fachkraft nehmen diese wahr, teilen sie jedoch nicht unbedingt. Ihre Argumente haben Sie parat, schließlich wissen Sie genau, was Sie tun. Doch wie setzen Sie diese guten Argumente in Elterngesprächen überzeugend ein?

Die Methode der steigernden Argumentation ist dabei leicht umsetzbar und zielgerichtet.

Praxisbeispiel

Einmal die Woche gibt es in der Kita ein gemeinsames Frühstück. Sie planen es gemeinsam mit den Kindern und achten auf frische und hochwertige Lebensmittel. Im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen hat Ihr Träger Ihnen das Budget für das Frühstück gekürzt. Nach intensiver Überlegung entscheiden Sie, die Verpflegungskosten für das Mittagessen um einen Frühstücksbeitrag zu erhöhen. Als Sie dieses im Elternbeirat vorstellen, treffen Sie auf Widerstand.

Sammeln und staffeln Sie Ihre Argumente

Es wird deutlich, dass Sie sich mit dem Elternbeirat zusammensetzen und dieses Thema gründlicher besprechen müssen. Sammeln Sie für die Vorbereitung dieses Gespräches Ihre Argumente in einem Brainstorming. Nun überprüfen Sie Ihre Begründungen auf ihre Überzeugungskraft und ordnen sie aufsteigend an:

 

Staffelung der Argumente und Anwendung auf die Praxisarbeit

1. das schwächste Argument: „Wir haben in unserer Konzeption das Thema „Gesunde Ernährung“ ausführlich aufgegriffen und möchten diesen Qualitätsanspruch Kindern und Eltern auch weiterhin anbieten.“

2. das tragfähigere Argument: „Wir möchten ein gesundes Frühstück anbieten. Unser Träger sieht keine Möglichkeit, uns Gelder dafür zur Verfügung zu stellen.“

3. das stärkste Argument: „Es ist uns wichtig, den Kindern frische und hochwertige Lebensmittel anzubieten. So haben wir Gewissheit, dass sie bei uns gesundes Essen bekommen und lernen, was gesunde Ernährung ausmacht. Dafür möchten wir Bioprodukte einkaufen, die entsprechend teurer sind.“

So können Sie Ihr Gespräch auf einer Argumentationskette aufbauen. Da Sie noch eine bessere Begründung parat haben, sind Sie auf der sicheren Seite, ohne dass sich Ihr Gegenüber überrumpelt fühlt. Er kann sich nach und nach in Ihren Standpunkt einfinden, ihn hinterfragen und letztendlich nachvollziehen.

So nutzen Sie die steigernde Argumentation

Beginnen Sie Ihr Gespräch mit dem Elternbeirat wie immer mit der Begrüßung und der Einleitung. Auf das Praxisbeispiel bezogen, stellen Sie dar, dass die Kita ein Frühstücksgeld einführen möchte, der Elternbeirat damit jedoch nicht einverstanden ist. Dieser bekommt im Anschluss die Gelegenheit, seinen Standpunkt zu erklären. Setzen Sie nun aufeinander aufbauend Ihre 3 Argumente ein, beginnend mit dem schwächsten.

1. Argument: Konzeption 

Effekt: Hier kann der Elternrat argumentieren, dass er kein Geld für die Kita-Konzeption ausgeben muss. Sicher ist dies ein positiver Nebeneffekt, dieser liegt jedoch nicht in der Zuständigkeit der Eltern.

2. Argument: Träger


Effekt: Die Eltern sehen das Bemühen des Teams, ihren Kindern gesunde Nahrungsmittel anzubieten. Da der reguläre Etat dafür nicht ausreicht, muss ein Ausgleich geschaffen werden. Sie als Fachkraft wissen, wie schwierig es mitunter ist, vom Träger Finanzen über die geplanten Budgets hinaus zu erhalten. Der ist schon nicht gerade großzügig, wenn es z.B. um wichtige bauliche Veränderungen geht. Vermutlich wird der Träger Ihnen sogar vorschlagen, einen entsprechenden Beitrag von den Eltern zu erheben. Mit diesem Argument greifen Sie dem somit nur vor.

3. Argument: Gesundes Essen 

Effekt: Mit diesem starken Argument zum Schluss wird der Elternbeirat überzeugt, dass die Kinder direkt und persönlich einen Vorteil aus dem erhobenen Frühstücksgeld ziehen: Es werden davon hochwertige Lebensmittel in Form von Bioprodukten gekauft. So können Sie die angebotenen Mahlzeiten für die Kinder sehr abwechslungsreich gestalten. Sie haben die Möglichkeit, sie neue Lebensmittel kennenlernen zu lassen und auch einmal zu besonderen Anlässen etwas Besonderes anzubieten.

Fazit

Trauen Sie sich, diese Methode auszuprobieren. Es braucht ein bisschen Übung und klappt nicht immer sofort perfekt. Machen Sie sich Ihre Argumente im Vorfeld bewusst und staffeln sie nach ihrer Überzeugungskraft, gibt Ihnen dies Sicherheit und Schlagfertigkeit für das Gespräch.


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