Was tun, wenn Eltern Ihre Kita abwerten?


21.04.2017
Share Button

Wenn Eltern schlecht über Ihre Kita sprechen, stehen Sie als Erzieher vor einer schwierigen Situation: Sie erfahren es meist zeitverzögert, weil es Ihnen von Dritten zugetragen wird. Und dann wissen Sie nicht so recht, wie Sie darauf reagieren sollen. Lesen Sie hier, wie Sie professionell reagieren, wenn Eltern geringschätzend über Sie selbst oder über Ihre Kita sprechen. Mit unseren Tipps gelingt es Ihnen, die Fronten zu glätten und wieder ein spannungsfreies Miteinander zu ermöglichen.

Praxisbeispiel: Frau Schneider, die Mutter des 5-jährigen Jens, kommt auf seine Erzieherin zu und berichtet Folgendes: „Frau Deppich spricht häufig schlecht über die Kita. Sie behauptet, dass ihr 6-jähriger Sohn Gregor in seiner letzten Kita viel mehr gelernt hat, weil er dort besser gefördert wurde. Hier in dieser Kita würden sich alle Erzieher nur eine schöne Zeit machen. Ich bin nicht dieser Meinung, deshalb informiere ich Sie darüber, was Frau Deppich überall herumerzählt.“

So gehen Sie vor: Wenn Eltern schlecht über Ihre Kita sprechen, sollten Sie sich zunächst im Team beraten. Berichten Sie unbedingt Ihrer Leitung und Ihren Kollegen davon. Nur gemeinsam können Sie in einem solchen Fall Stärke zeigen und zielführend und professionell auftreten.

Haken Sie sofort nach

Bevor Sie Ihre Leitung informieren, sollten Sie bei den Eltern genauer nachfragen, die Ihnen über das Schlechtreden berichtet haben. So erfahren Sie wichtige Details. Sagen Sie den Eltern, von denen Sie die Information bekommen haben, dass Sie auf jeden Fall reagieren werden. Denn wenn Sie die betroffenen Eltern nicht ansprechen, wird sich die üble Nachrede nicht legen. Ganz im Gegenteil: Oft stimmen dann weitere Eltern in das Konzert der kritischen Stimmen ein. Das kann dem Ruf Ihrer Kita nachhaltig schaden.

Tipp: Mit unserem Musterformblatt haben Sie alle wichtigen Informationen, die abzuklären sind, auf einen Blick. Mit diesen Informationen sind Sie für das Gespräch mit Ihrer Leitung perfekt vorbereitet. Nun können Sie gemeinsam das weitere Vorgehen planen.

Musterformblatt: Nützliche Informationen, wenn Eltern abwertend über Ihre Kita sprechen

  • Wer beschwert sich genau? Frau Deppich, Mutter des 6-jährigen Sohnes Gregor, der die Kita seit 6 Monaten besucht. Die Mutter gab bei der Anmeldung von Gregor an, dass sie mit seiner alten Kita äußerst unzufrieden sei, weil Gregor nicht gut gefördert wurde.
  • Was sagen die Beschwerdeführer im Detail? Frau Deppich meint, dass die Erzieher sich zu wenig Mühe geben. Die Vorschulkinder sollten täglich gefördert werden und in Kleingruppen bereits schulähnliche Inhalte lernen.
  • Beschwert sich eine Einzelperson oder eine Elterngruppe? Nein, nur Frau Deppich beschwert sich.
  • Hat der Beschwerdeführer viele Anhänger? Nein.
  • Wie lange wird schon schlecht geredet? Seit ungefähr 2 Monaten.

Legen Sie Ihr Vorgehen gemeinsam fest

Gemeinsam mit Ihrer Leitung sollten Sie überlegen, wie Sie nun weiter vorgehen werden. Betrachten Sie Ihre gesammelten Informationen und entscheiden Sie sich dann. Ist die üble Nachrede weniger schwerwiegend, reicht ein 4-Augen-Gespräch zwischen Ihnen als Erzieherin und der Mutter, die sich missfallend geäußert hat. Bitten Sie die Mutter klar und unmissverständlich, die üble Nachrede zu unterlassen. Vorab sollten Sie der Sache selbstkritisch auf den Grund gehen: Vielleicht enthält die Beschwerde ja doch ein Körnchen Wahrheit und die Missstimmung lässt sich im 4-Augen-Gespräch aus der Welt schaffen.

Sind die Vorwürfe jedoch unberechtigt, massiv und betreffen sie Grundlegendes, sollte Ihre Leitung die Eltern zu einem gemeinsamen Gespräch in ihr Büro einladen, an dem Sie, Ihre Leitung und ggf. auch der Träger teilnehmen.

 

 

Führen Sie gemeinsam ein Standpunktgespräch

Führen Sie ein kurzes und unmissverständliches Standpunktgespräch mit demjenigen, der schlecht über Sie oder Ihre Kita spricht. Das ist dann kein Gespräch auf partnerschaftlicher Ebene. Bei einem Standpunktgespräch verdeutlicht die Leitung ihren Standpunkt zur Sache: Sie klärt Frau Deppich darüber auf, welche negativen Folgen es haben kann, wenn sie nicht aufhört, der Kita ungerechtfertigt Schlechtes zu unterstellen.

Fazit

Es wird sich nie ganz verhindern lassen, dass Eltern abwertend über Ihre Kita reden. Jetzt wissen Sie jedoch genau, wie Sie reagieren können, falls es einmal dazu kommt. Handeln Sie dann immer im Team. Besorgen Sie alle wichtigen Informationen und wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Leitung, um den weiteren Weg gemeinsam zu gehen.

Share Button

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

In 3 Schritten zum professionellen Elterngespräch

23. Juni 2017

Als Erzieher kommen Sie immer wieder in folgende Situation: Sie bemerken bei einem Kind ein Problem und müssen dieses bei den Eltern ansprechen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen. Diese Fähigkeit ist sehr wichtig, denn Sie... Zum Leitfaden: Probleme effektiv ansprechen

Gelungene Anmeldegespräche in der Kita in 7 Schritten

5. November 2013

Das Anmeldegespräch ist meist der erste persönliche Kontakt mit den Eltern und somit die Visitenkarte Ihres Kindergartens. In 7 Schritten zeigen wir Ihnen, wie Sie diesen Gespräch ansprechend führen: 1. Schritt:... Mehr erfahren

Betreuung von Babys – Eingewöhnung erleichtern dank sensibler Signalwahrnehmung

12. Juni 2017

Immer häufiger suchen Eltern nach einer Möglichkeit, ihr Kind schon wenige Monate nach der Geburt in verantwortungsbewusste Hände zu geben. Die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit ist hier der wohl wichtigste Grund, denn nicht... Informationen rund um die Betreuung und Körpersprache von Babys


Nein, Danke


© 2017 PRO Verlag, Bonn