Projektarbeit mit Schulkindern: Umsetzung und Tipps für Erzieher


25.04.2023

Schulkinder in Ihrer Kita oder in Ihrem Kinderhort lassen sich besonders gut für Projekte begeistern. Lesen Sie hier, wie die Projektarbeit mit Schulkindern garantiert gelingt und wie sie sie langfristig für verschiedene Projekte motivieren.

Warum ist Projektarbeit mit Schulkindern wichtig?

Projektarbeit mit Schulkindern ist wichtig, weil sie den Kindern ermöglicht, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einem praktischen Kontext anzuwenden und zu vertiefen. Es fördert die Entwicklung von Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Teamfähigkeit und unterstützt die Kinder dabei, ihre sozialen Kompetenzen zu verbessern. Darüber hinaus ermöglicht die Projektarbeit den Kindern, ihre Kreativität und Fantasie auszudrücken und Lösungen für reale Probleme zu finden.

Projektarbeit gibt den Kindern auch die Möglichkeit, ihre Interessen und Neigungen zu entdecken und zu fördern. Durch die Auswahl und Gestaltung des Projekts können sie ihre individuellen Fähigkeiten und Talente einbringen und entwickeln. Dies führt dazu, dass die Kinder sich stärker mit dem Lernprozess identifizieren und motivierter sind, sich aktiv zu beteiligen.

Insgesamt bietet die Projektarbeit den Kindern eine praxisnahe Lernumgebung, in der sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse erweitern und ihre persönlichen Stärken entdecken können. Es ist daher eine wichtige Methode, um den Lernprozess zu fördern und den Kindern eine breite Palette von Kompetenzen zu vermitteln, die für ihre zukünftige Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind.

Lernen auf hohem Niveau – Motivation der Schulkinder

In der Regel ist es nicht nötig, die Kinder für die Projektarbeit zu motivieren. Anders als einzelne Angebote lockt ein Projekt die interessierten Schulkinder oft von selbst. Ganz im Gegensatz zum schulischen Lernen bestimmen die Schulkinder beim Projekt selbst über dessen Verlauf. Das bedeutet, dass die Kinder immer wieder Gelegenheit erhalten, über den weiteren Verlauf und die Schwerpunkte des Projekts abzustimmen. Dadurch nimmt ein Projekt oft eine unerwartete Wendung, die jedoch garantiert, dass die Neugierde und die Motivation bei den Schulkindern immer erhalten bleiben, weil die Kinder den Inhalt selbst bestimmen.

Die Rolle des Erziehers

Der Erzieher gibt Anregungen und er moderiert das Projekt. Er steht den Kindern immer unterstützend zur Verfügung, wenn es um neue Inputs und den Wissenserwerb zum Projekt geht. Das Projekt der Schulkinder sollte von mindestens 2 Erziehern mit begleitet werden. Viele Projekte müssen aufwendig vor- und nachbereitet werden. Mit der Vorbereitung des Projekts wäre ein Erzieher zeitlich betrachtet überfordert.

3 Anforderungen, die eine Projektarbeit definieren

Nicht jedes Angebot, das in Ihrer Kita durchgeführt wird, kann als Projekt bezeichnet werden. Unterschiedliche Anforderungen richten sich an Projektarbeit. Erst wenn 3 Anforderungen erfüllt sind, können Sie von Projektarbeit sprechen.

1. Orientierung an der Lebenswelt des Kindes

Die Kinder sollten bei der Projektarbeit immer im Mittelpunkt stehen. Deren Erfahrungshintergrund, Wissen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Potenziale spielen die zentrale Rolle bei jedem Projekt. Die Kinder müssen jederzeit Einfluss auf die Inhalte des Projekts und auf seinen Verlauf nehmen können.

Beispiel: In der Nähe der Kita eröffnet ein Sportflughafen. Die Kinder stimmen ab und wählen „Fliegen“ als neues Projektthema. Als Erstes beschäftigen sich die Kinder mit der Frage: Warum fliegt ein Flugzeug?

2. Kindgerechte Weiterentwicklung

Die Weiterentwicklung des Projekts sollten die Kinder mit Unterstützung des Erziehers selbst organisieren. Dies bezeichnet man als selbst organisiertes Lernen im Projekt.

Kinder brauchen im Rahmen der Projektarbeit möglichst viel Zeit und Raum, damit Gespräche über das Projekt stattfinden können. Am besten gelingt dies in Kleingruppen, in denen die Kinder die Möglichkeit haben, das Projekt selbstbestimmt und kooperativ zu gestalten und ihre Wünsche und Vorstellungen zu äußern.

So geschieht besonders hochwertiges Lernen: Die Kinder lernen im Projekt durch Erfahrung. Sie entdecken immer wieder Neues, probieren aus und steuern ihr eigenes Lernen selbst. Zudem erweitern die Kinder ihre kommunikative Kompetenz, da der Verlauf und die Projektfortschritte immer wieder besprochen werden. Am besten eignet sich dazu eine Kinderkonferenz.

3. Nachhaltigkeit des Projekts

Das Projekt soll nachhaltig sein. Das bedeutet, dass die Kinder, die am Projekt teilgenommen haben, auch nach Abschluss des Projekts auf das erworbene Wissen zurückgreifen und dieses anwenden können.

Zeigen Sie den Kindern bei jedem Projekt, wie sie selbst Wissen erschließen können. Folgende Fragen helfen den Kindern langfristig weiter:

  • Wo könnten wir nachschauen?
  • Wen befragen wir?
  • Welche Materialien brauchen wir?
  • Wo bekommen wir diese her?

Achten Sie darauf, dass Sie den Projektauftakt mit besonderer Sorgfalt auswählen. Damit steigt und fällt das Interesse am und die Akzeptanz der Kinder für das Projekt.

Geben Sie dem Projekt einen interessanten Namen und laden Sie die Kinder auf ungewöhnliche Weise ein. Die Übersicht zeigt Ihnen einen möglichen Projektauftakt für verschiedene Projekte.

Projektideen und gelungene Auftaktideen für Schulkinder

Projekt zum Thema „Wasser“
Möglicher Auftakt: Spielenachmittag zum Thema „Wasser“, z. B. Limonade selbst herstellen, Wasser mit Kohlensäure versetzen, Wasserstaffel, Wasser schöpfen …
Dauer des Auftakts: 2 Stunden nach der Hausaufgabenbetreuung oder am hausaufgabenfreien Freitag

Projekt „Erneuerbare Energien“
Möglicher Auftakt: Ausstellung in der Kita mit Gegenständen aus der Welt der Kinder, die mit Solarenergie ausgestattet sind, z. B. Taschenrechner, Solaruhr, Spielzeugautos und Fahrzeuge, Solartaschenlampe …
Dauer des Auftakts: Zusammentragen der solargestützten Gegenstände ca. eine Woche.
Durchführung des Auftakts: ein Nachmittag, zu dem auch die Eltern und interessierte Besucher eingeladen werden können.

Projekt „Weltall“
Möglicher Auftakt: Besuch eines Planetariums
Dauer des Auftakts: 1 Tag während der Schulferien

Projekt „Mode“
Möglicher Auftakt: Kleidung aus Zeitungspapier herstellen mit an- schließender Modenschau oder Müllmodenschau initiieren, bei der alle Kinder Kleidungsstücke recyceln, die ansonsten weggeworfen werden würden.
Dauer des Auftakts: Vorbereitungszeit für die Modenschau: mindestens 14 Tage. Durchführung der Modenschau: 1 Stunde nach der Hausaufgabenzeit

Projekt „Gesunde Ernährung“
Möglicher Auftakt: Obst- und Gemüsememory: Kinder probieren mit verbundenen Augen Obst und Gemüsesticks mit dem Ziel, den identischen Geschmack zu finden. Smoothies herstellen und herausschmecken, welches Obst oder welches Gemüse enthalten ist.
Dauer des Auftakts: Vorbereitung: 1 Stunde
Durchführung: 1–2 Stunden

Projekt „Tiere“
Möglicher Auftakt: Projektauftakt als Haustiertag, das bedeutet, dass Kinder nach Absprache mit den Eltern und den Erziehern zu einer vorab festgelegten Zeit ihr eigenes Haustier mit in die Kita bringen dürfen, z. B. Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster, Katze, Hund.
Dauer des Auftakts: Vorbereitung mit intensiver Elterninformation und Koordinierung der Besuchszeiten der Tiere. Durchführung: 1 Tag während der Ferien

Bewertung und Reflexion der Projektarbeit

Die Bewertung und Reflexion von Projekten ist ein wichtiger Schritt im Lernprozess von Schulkindern. Es ermöglicht den Kindern, ihr eigenes Lernverhalten und ihre Lernfortschritte zu reflektieren und sich bewusst zu machen, was sie gelernt haben. Die Bewertung kann auf verschiedene Weise erfolgen, z.B. durch Beobachtung, Selbstbeurteilung oder Peer-Feedback. Wichtig ist, dass die Bewertung transparent und nachvollziehbar erfolgt, damit die Kinder verstehen, wie ihre Leistung beurteilt wird und welche Kriterien dabei zugrunde liegen.

Die Reflexion hilft den Kindern dabei, ihr eigenes Lernverhalten zu analysieren und zu verbessern. Hier können sie über ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten im Projekt sprechen und sich darüber austauschen, was sie daraus gelernt haben. Dies fördert nicht nur die Selbstreflexion und Selbstbewusstsein der Kinder, sondern unterstützt auch den Transfer von neu erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen in andere Kontexte.

Die Bewertung und Reflexion von Projekten bietet somit eine Möglichkeit, den Lernprozess der Kinder zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, aktiv am Lernprozess zu partizipieren. Dabei ist es wichtig, den Kindern eine strukturierte Anleitung zu geben, um sie bei der Reflexion und Bewertung zu unterstützen und sicherzustellen, dass die Ergebnisse für alle Beteiligten nachvollziehbar sind.

Was sind Bewertungskriterien für die Projektarbeit mit Schulkindern?

Die Kriterien für die Bewertung und Reflexion von Projektarbeiten mit Kindern können je nach Projekt und Zielsetzung variieren. Hier sind jedoch einige wichtige Kriterien, die bei der Bewertung und Reflexion von Projektarbeiten mit Kindern berücksichtigt werden sollten:

  • Kreativität und Originalität: Kinder sind oft sehr einfallsreich und haben eine Fülle von Ideen, die unkonventionell und erfrischend sein können. Die Bewertung sollte daher die Originalität der Ideen und die kreative Umsetzung berücksichtigen.
  • Zusammenarbeit und Kommunikation: Die Fähigkeit, gut mit anderen Kindern zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren, ist eine wichtige soziale Kompetenz, die Kinder im Laufe ihrer Schulzeit entwickeln sollten. Daher sollte die Bewertung auch die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb des Teams berücksichtigen.
  • Qualität und Vollständigkeit des Endprodukts: Für Kinder ist es wichtig, ein fertiges Produkt in den Händen zu halten, auf das sie stolz sein können. Die Bewertung sollte daher auch die Qualität und Vollständigkeit des Endprodukts berücksichtigen.
  • Eigeninitiative und selbständiges Arbeiten: Kinder sollten ermutigt werden, eigene Ideen einzubringen und selbständig zu arbeiten. Die Bewertung sollte daher auch die Eigeninitiative und Selbständigkeit der Kinder berücksichtigen.
  • Engagement und Einsatzbereitschaft: Kinder sollten ermutigt werden, sich voll und ganz in ein Projekt zu engagieren und ihre bestmögliche Leistung zu erbringen. Die Bewertung sollte daher auch den Einsatz und das Engagement der Kinder berücksichtigen.
  • Reflexionsfähigkeit und Fähigkeit zur Selbstkritik: Kinder sollten lernen, ihre Arbeit zu reflektieren und zu bewerten. Die Bewertung sollte daher auch die Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstkritik der Kinder berücksichtigen.
  • Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit: Kinder sollten lernen, Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen und zuverlässig zu sein. Die Bewertung sollte daher auch das Verantwortungsbewusstsein und die Zuverlässigkeit der Kinder berücksichtigen.
  • Beachtung von Zeit- und Ressourcenmanagement: Kinder sollten lernen, ihre Zeit und Ressourcen effektiv zu nutzen und zu planen. Die Bewertung sollte daher auch die Beachtung von Zeit- und Ressourcenmanagement berücksichtigen.
  • Umsetzung von Feedback und Verbesserungsvorschlägen: Kinder sollten lernen, Feedback anzunehmen und Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Die Bewertung sollte daher auch die Umsetzung von Feedback und Verbesserungsvorschlägen berücksichtigen.
  • Wissen und Kenntnisse, die während des Projekts erworben wurden: Kinder sollten lernen, neues Wissen und Kenntnisse zu erwerben und diese auf kreative Weise anzuwenden. Die Bewertung sollte daher auch das erlernte Wissen und die erworbenen Kenntnisse berücksichtigen.

Es ist wichtig, dass die Kriterien im Vorfeld klar kommuniziert und transparent gemacht werden, damit die Kinder verstehen, wie ihre Leistung beurteilt wird und welche Aspekte dabei eine Rolle spielen. Zudem sollten die Kriterien im Hinblick auf die Zielsetzung des Projekts und die Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden.


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