Windelfrei – So unterstützen Sie Kleinstkinder beim Trockenwerden


27.05.2016
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Johanna ist 27 Monate alt. Sie hüpft aufgeregt durch den Gruppenraum und ruft „Pipi, Pipi“. Kalle ist 25 Monate alt und spielt am liebsten rund um die Toilette herum. Als erfahrene Erzieherin wissen Sie, dass beide Kinder signalisieren, dass sie windelfrei werden möchten bzw. Interesse an der Toilette haben. Folgend erfahren Sie auf einen Blick, welche Signale Sie beim Trockenwerden der Kinder beachten müssen und wie Sie das Kind in der Kita beim Sauberwerden sinnvoll unterstützen.

 

Das richtige Alter um windelfrei zu werden

Das richtige Alter um windelfrei zu werden gibt es nicht. Im Gegenteil: Der Zeitpunkt ist sehr individuell und von außen nicht zu steuern. Die Kontrolle über Blase und Stuhlgang ist bei jedem Kind verschieden und benötigt individuell viel Zeit, bis sie sich entwickelt hat – entsprechend dem Reifungsvorgang des
Kindes. Wenn das Nervensystem des Kindes reift, gewinnt es nach und nach die vollständige Kontrolle über seine Harnblase. Die Fähigkeit, diesen Harndrang wiederum wahrzunehmen, muss erst erlernt werden.

Der Zeitpunkt ist bei jedem Kind unterschiedlich. Hinzu kommt, dass manche Kinder, die tagsüber schon trocken sind, den Harndrang in der Nacht noch nicht kontrollieren können. Diese Fähigkeit erwerben manche Kinder mit 5 Jahren oder später. Wenn Sie bei den Jüngsten in Ihrer Einrichtung folgende Signale wahrnehmen, ist es vermutlich Zeit, mit den Kindern zur Toilette zu gehen. Hinweise, die vermuten lassen, dass das Kind bereit ist, trocken zu werden:

  • Sie beobachten das Kind dabei, wie es sich im Waschraum insbesondere die Toiletten näher anschaut. Beispielsweise, indem es den Deckel der Toilette auf- und zuklappt, die Spülung drückt oder die Papierrolle aufwickelt.
  • Das Kind kommt auf Sie zu und erklärt mit Worten und/oder Gesten, dass es eine volle Windel hat. Gegebenenfalls ist ihm das unangenehm, und es möchte von Ihnen gewickelt werden.
  • Das Kind teilt Ihnen mit, dass es keine neue Windel mehr anziehen möchte, sondern eine Unterhose.
  • Sie beobachten, dass das Kind im Freispiel im Gruppen- oder im Waschraum damit beginnt, seine Hose und seine Windel auszuziehen.
  • Sie beobachten, dass das Kind im Spiel innehält und scheinbar in sich hineinhorcht, bevor es weiterspielt.

 

Wichtig ist, dass Sie diese Hinweise und Signale des Kindes wahrnehmen und prompt darauf eingehen. Das sind die ersten Zeichen dafür, dass das Kind sich dafür interessiert, sauber zu werden und keine Windel mehr zu tragen. Spielerisch können Sie dann damit beginnen, mit dem Kind den Gang zur Toilette zu üben. Dabei gibt es für das Kind viel zu lernen und zu entdecken. Zeigen Sie dem Kind, wie es seine Hose öffnen kann und sie herunterzieht. Das Kind muss ebenfalls lernen, wie es sich richtig auf der Toilette positioniert, damit nichts danebengeht. Vor allem das Hinaufklettern auf den Toilettensitz erfordert etwas Übung. Manche Kinder erschrecken sich und fallen in die Toilettenschüssel hinein. Um das zu vermeiden, sollten Sie die Kinder zunächst noch in den Hüften unterstützen. Ermutigen Sie das Kind, indem Sie es für jeden gelungenen Schritt loben. Vermeiden Sie jeglichen Zeitdruck und stressige Situationen. Das Kind entscheidet, wann es so weit ist, den nächsten Schritt zu tun. Sollten für einige Kinder auch die Kinder-Toiletten noch zu groß sein, muss das Kind auch lernen, über einen Hocker auf die Toilette zu steigen. Für die Säuberung des Pos bedarf es zunächst noch Ihrer Unterstützung, um sicherzugehen, dass alles sauber ist. Nach dem Toilettengang üben Sie mit den Kindern natürlich das Händewaschen mit Seife. So können die Kinder diesen Vorgang im Anschluss an den Toilettenbesuch ganz selbstverständlich verinnerlichen, und er wird schnell zur Routine.

 

 

Arbeiten Sie zusammen mit den Eltern daran, dass die Kinder windelfrei werden

Manche Kinder setzen die ersten Signale, dass sie windelfrei werden möchten, zu Hause und andere wiederum in der Kita. Damit sich alle Erwachsenen am Prozess des Sauberwerdens beteiligen, ist es bedeutend, dass Sie sich mit den Eltern regelmäßig austauschen. So können Sie gemeinsam besprechen, wie Sie auf die Signale des Kindes reagieren, und im Erfahrungsaustausch voneinander lernen, was für das Kind das Beste ist. Bitten Sie die Eltern darum, ausreichend Wechselwäsche mit zur Kita zu bringen, wenn die ersten Tage ohne Windel anstehen.

Damit Sie gut ausgestattet sind, können Sie den Eltern einen kleinen Merkzettel mit auf den Weg geben, beispielsweise:

Kalle benötigt: 6 Unterhosen und Unterhemden, 4 Hosen, 4 Paar Socken und 2 T-Shirts/Pullover.

Sollte doch einmal etwas danebengehen, haben Sie somit immer einen großen Vorrat trockener Wäsche zum Wechseln in der Kita. Wenn Eltern, das Kind und Sie gemeinsam und zum richtigen selbst Zeitpunkt daran arbeiten, wird jedes Kind windelfrei.

Das Wichtigste dabei ist, dass das Kind nicht unter Druck gesetzt wird und selbst entscheiden kann, wann es damit beginnen möchte, zur Toilette zu gehen.

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