„Bitte holen Sie Ihr krankes Kind ab“ – so beruhigen Sie aufgebrachte Eltern


20.10.2018

Der nächste Winter kommt bestimmt, aber auch im Sommer haben Sie immer wieder mit kranken Kindern zu tun. Sobald Sie feststellen, dass ein Kind krank ist, rufen Sie in der Regel die Eltern an, damit es abgeholt wird. Nicht immer freuen sich diese darüber. Manchmal werden Sie sogar wüst beschimpft. Hier erfahren Sie, was hinter den Reaktionen der Eltern steckt und wie Sie und Ihr Team dieses Problem lösen.

Das sind Ihre Rechte und Pflichten

Wenn ein Kind in Ihrer Einrichtung deutliche Krankheitsanzeichen aufweist wie Fieber, Ausschlag oder auch Erbrechen oder Durchfall, haben Sie die Pflicht, das Kind zu isolieren und die Eltern zu informieren. In der Regel muss das Kind dann abgeholt werden, damit keine weitere Person angesteckt wird.

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Sie zu dieser Vorgehensweise nicht nur berechtigt, sondern je nach Krankheitsanzeichen sogar verpflichtet.

Eltern reagieren unterschiedlich

Sie oder ein Teammitglied informiert die Eltern meist telefonisch über die Erkrankung, damit das Kind aus der Einrichtung abgeholt wird. Die meisten Eltern reagieren darauf zwar nicht erfreut, akzeptieren dies jedoch und organisieren die zeitnahe Abholung. Manchmal sind die Eltern aber auch sehr ungehalten oder sogar wütend. Das macht die Situation für alle Beteiligten schwierig. Ihre Kompetenz als Leitung ist in diesem Fall besonders gefragt.

In diesem Download finden Sie eine Tabelle mit unterschiedlichen Eltern-Reaktionen und was dahinterstecken kann. Zudem erfahren Sie, wie Sie und Ihr Team mit der jeweiligen Reaktion am besten umgehen.

Unterweisen Sie Ihr Team im Umgang mit aufgebrachten Eltern

Als Leitung ist es Ihre Aufgabe, Ihre Mitarbeiter zu beraten und zu unterstützen. Dazu gehört auch, bei dem Team um Verständnis für bestimmte Reaktionen der Eltern zu werben. Das fällt im Alltag nicht immer leicht, und nicht immer ist die Zeit dafür da zu analysieren, wieso manche Eltern in bestimmten Situationen so reagieren, wie sie es tun.

Besprechen Sie aus diesem Grund regelmäßig die im Download aufgezeigte Tabelle und die möglichen Lösungsvorschläge mit Ihrem Team. Vor allem vor und während der Krankheitsphasen von Kindern.

Sie sorgen dadurch für mehr Verständnis für einander und begünstigen die gemeinsame Suche nach alternativen Lösungen. So verläuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen, Ihren Mitarbeitern und den Eltern auch im Krankheitsfall von Kindern gut.

Bieten Sie Ihrem Team Unterstützung an

Aufgebrachte oder wenig verständnisvolle Eltern können für Ihre Mitarbeiter sehr anstrengend und belastend sein. Besonders hilfreich ist es in dieser Situation, wenn Sie Ihrem Team zusätzliche Hilfe ermöglichen, wie etwa 1–2 Extra-Supervisionssitzungen.

In diesen Sitzungen können die Belastungen aufgegriffen und bearbeitet werden. Schließlich sollten Sie als Leitung auch darauf achten, dass Ihr Team gesund und belastbar durch die Krankheitszeiten kommt, um nicht selbst angeschlagen auszufallen.

Praxistipp

Erklären Sie den Eltern schon beim 1. Elternabend im neuen Kita-Jahr, welche Rechte und Pflichten die Kita- Mitarbeiterinnen haben, wenn ein
Kind erkrankt. Viele Eltern kennen diese Pflichten und Vorgaben gar nicht und reagieren deswegen erbost oder mit Unverständnis, wenn das Kind vorzeitig aus der Kita abgeholt werden soll.

Berufen Sie sich auf das Infektionsschutzgesetz

Im Infektionsschutzgesetz ist eindeutig geregelt, wann Sie die Eltern über welche Krankheiten informieren müssen. Zudem ist in dem Gesetz geregelt, wann die Kinder die Kita nicht besuchen dürfen. Gewöhnen Sie sich einfach an, eine Kopie des Gesetzes sofort bei Beginn der ersten Krankheitswellen flächendeckend an alle Eltern auszugeben.

Vielen Eltern ist nach einer langen gesunden Phase des eigenen Kindes der Ablauf bei Krankheiten nicht mehr so präsent. Wenn Sie die Informationen aus dem Gesetz und die Umsetzung bei Ihnen vor Ort in der Kita einfach regelmäßig an alle Eltern weitergeben, dann helfen Sie dadurch, Missverständnisse zu vermeiden. Nachfolgend finden Sie eine Formulierungshilfe, wie Sie das Infektionsschutzgesetz an die Eltern mit einer freundlichen Einleitung weitergeben können.

Formulierungshilfe

Liebe Eltern,

kaum ist der längste Tag im Jahr vorüber, werden die Tage wieder kürzer, die Nächte kälter und die Zahl der ersten Schnupfennasen größer. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen gern wie jedes Jahr einen Auszug aus dem Infektionsschutzgesetz mitgeben. In diesem Auszug finden Sie genau aufgeführt, bei welchen Krankheiten Ihr Kind leider nicht in die Kita gebracht werden darf und welche Erkrankungen uns besonders gemeldet werden müssen. Dies soll dazu beitragen, dass wir Weiterverbreitungen von Krankheiten weitestgehend vermeiden, und es soll dazu beitragen, so vor allem Ihre Kinder vor unnötigen Ansteckungen zu schützen. Bitte nehmen Sie die Ausführungen ernst. Sehr gern können Sie bei Fragen oder Unsicherheiten auf uns zukommen.

Herzlichst,

Ihre Kita „Wirbelwind“

Mein Fazit:

Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern stellt Sie und Ihr Team im Alltag immer wieder vor große Herausforderungen. Sondersituationen wie kranke Kinder belasten diese Beziehung zusätzlich. Nutzen Sie die hier aufgeführten Tipps, um mit den Eltern gemeinsam Lösungen zu finden, wie in den jeweiligen Situationen miteinander umgegangen wird. Unterstützen Sie auch Ihr Team darin, die Eltern zu verstehen, indem Sie ihm Argumentationshilfen an die Hand geben. Das gegenseitige Verständnis ist das A und O einer gesunden Erziehungspartnerschaft.

Mein Extra-Tipp für Sie: Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es auch gerade im Herbst sehr hilfreich ist, wenn Sie einen Kinderarzt zu einem Elternabend in die Kita einladen. Der Arzt kann die Fragen der Eltern aufgreifen und aus medizinischer Sicht dazu Stellung nehmen, was ein krankes Kind benötigt. Das kann Sie und Ihr Team in Ihrer konsequenten Haltung beim Umgang mit kranken Kindern perfekt unterstützen.

 


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