Inklusion – was bedeutet das für Ihren Kita-Alltag?


27.04.2016
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Inklusive Konzepte sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Integrative Kitas gibt es bereits sehr viele. In diesen Einrichtungen werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut, gebildet und erzogen. Inklusion geht jedoch noch einen Schritt weiter. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen ein Recht auf Förderung haben – ganz gleich, ob sie eine Behinderung bzw. Beeinträchtigung haben oder nicht.

Der Unterschied ist also, dass alle Kinder  – mit oder ohne Migrationshintergrund, mit oder ohne Sprachschwierigkeiten, mit oder ohne Entwicklungsauffälligkeiten, und auch Mädchen und Jungen gleichermaßen – so betreut und gebildet werden sollen, wie es ihrer Entwicklung entspricht. Und das Ganze soll in gemischten Gruppen organisiert werden. Das ist ein hoher Anspruch an Sie und Ihr Team. In diesem Beitrag finden Sie wichtige Informationen, wie Ihnen das gelingen kann.

 

 

Eine inklusive Kita für alle Kinder

Alle Kinder haben ein Recht auf eine Förderung ihrer Entwicklung. In einer inklusiven Kita wird diesem Umstand Rechnung getragen, indem Sie und Ihr Team diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Jedem Kind soll ein Angebot gemacht werden, durch das es sich individuell weiterentwickeln kann. Dies gelingt aber nur, wenn Sie in der Kita für alle Kinder zur gleichen Zeit verschiedene Angebote haben.  Lesen Sie jetzt, wie auch Ihre Kita eine inklusive Kita für jedes Kind werden kann.

 

Öffnen Sie Ihre Kita für Inklusion

Das Erste, was den inklusiven Gedanken ausmacht, ist: Sie nehmen alle Kinder auf. Das ist für Sie und Ihr Team nichts Neues. Neu ist aber, dass Sie individueller auf jedes Kind achten und entsprechend vielseitige Angebote organisieren. Nicht das Kind soll mit der Zeit an die Kita angepasst werden, sondern die Kita passt sich an jedes einzelne Kind an.

 

6 Ideen für die praktische Umsetzung von Inklusion

Nachfolgend finden Sie Anregungen, wie Sie nach und nach mehr Inklusion in Ihrer Kita verankern können.

1. Anregung: Nehmen Sie jedes Kind an

Der 1. Tag in der Kita ist für alle Kinder etwas ganz Besonderes. Nicht selten ist es das 1. Mal, dass ein Kind überhaupt in einer Gruppe mit anderen Kindern ankommt. Da heißt es, besonders behutsam zu sein. Versuchen Sie mit dem Team, im Vorfeld der Aufnahme so viel wie möglich über das Kind zu erfahren.Ihr Eingewöhnungskonzept ist nur dann wirklich erfolgreich, wenn es zu jedem einzelnen Kind passt. 

Das gelingt Ihnen, wenn Sie und Ihr Team viel über das Kind wissen. Was spielt es gerne, welche Begriffe kennt es, was isst es gerne und welche Vorlieben hat es? Dieses Wissen können Sie wunderbar in der Eingewöhnungszeit nutzen, um jedem Kind den Einstieg zu erleichtern, der 1. Schritt zur Inklusion wird getan. Vermitteln Sie jedem Kind, dass es angenommen und wertgeschätzt wird.

2. Anregung: Sprechen Sie mit Ihrem Träger

Nicht jedes Kind in der Kita hat eine Behinderung. Nehmen Sie also die Herausforderung an, wenn ein Kind mit Behinderung bei Ihnen angemeldet wird. Ihr Träger muss dann für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, wie Sie Hilfen für behinderte Kinder bekommen können. Sowohl die Fachdienste für Integration als auch Sozial- und Jugendämter sind hierbei gute Berater.
Scheuen Sie sich nicht vor einem Kind mit Behinderung. Irgendwann ist immer das 1. Mal. Sie werden sehen: Wenn Sie und Ihr Team offen auf das Kind und die Familie zugehen und es normal behandeln, dann sind Sie das beste Vorbild für Inklusion für alle anderen Kinder und deren Eltern.Ihr Träger muss aber bereit sein, mit Ihnen gemeinsam diese Herausforderung anzunehmen.

3. Anregung: Arbeiten Sie hauptsächlich in Gruppen 

Jedes Kind hat seine Eigenheiten. Max hat eine Spastik, Ayla spricht kein Deutsch, und Finn kann sich nur schlecht in eine Gruppe integrieren. Versuchen Sie in Ihrer Kita, so wenig wie möglich isoliert mit einzelnen Kindern zu arbeiten. Nehmen Sie Max mit zum gemeinsamen Turnen, singen Sie mit Ayla im Chor, und nehmen Sie Finn mit zum Spaziergang mit der Kindergruppe. Je normaler und selbstverständlicher Sie mit allen Kindern umgehen, umso normaler gestaltet sich der Alltag für die Kinder, und das ist das Ziel von Inklusion.
Die Kinder sollen nicht in einer Kita betreut und gebildet werden, in der sie wieder separiert und einzeln gefördert werden. Das ist nicht die gewünschte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

 

4. Anregung: Lassen Sie die Kinder voneinander lernen

In jeder Kita-Gruppe gibt es Kinder mit unterschiedlichen Interessen, Stärken und Vorlieben. Genau das macht es spannend für alle. Die beste Freundin von Ayla beispielsweise spricht gut Deutsch, gemeinsam lernen die Mädchen im Alltag voneinander. Max hat ebenfalls eine beste Freundin, die ihn im Turnen immer wieder ermutigt. Das Kind, das ihn ermutigt, steigert Max‘ Selbstwertgefühl ebenso wie die eigene Sozialkompetenz, und somit haben alle etwas für die eigene Entwicklung getan.
Jedes Kind erfährt so im Alltag, dass gemeinsam mehr erreicht werden kann und dass jeder Mensch seinen Platz hat. Nehmen Sie ganz bewusst Kinder mit verschiedenen Entwicklungen in Angeboten zusammen. Ihnen selbst geht es doch auch oft so, dass Sie in einer Gruppe mit verschiedenen Personen mehr Interessantes mitnehmen und mehr davon profitieren, als wenn alle auf demselben Stand sind.

5. Anregung: Inklusion beginnt im Kopf

Versuchen Sie zusammen mit Ihrem Team, bei jedem Kind die Stärken zu sehen, unabhängig von der seelischen, geistigen oder körperlichen Entwicklung. Genau das fällt oftmals schwer. Jeder sieht nur die Spastik bei Max und nicht seine Freude am Singen und Malen. Voraussichtlich wird Max keinen Marathon laufen können, aber können Sie das?
Dafür kann er sich mittlerweile eigenständig im Turnraum in der Bewegungsbaustelle bewegen, ein Meilenstein für ihn. Und für Ihre Kita, der es gelungen ist, jedem Kind sein eigenes Tempo und seine eigene Entwicklung zu ermöglichen.

6. Anregung: Beobachtung ist das A und O

Am besten gelingt Ihnen und Ihrem Team Inklusion, wenn Sie gut beobachten. Warten Sie ab, bis jemand wirklich Ihre Unterstützung braucht, und greifen Sie nicht vorschnell ein. Zeigen Sie Empathie, aber keine übertriebene Fürsorge. Fördern Sie die Kinder, aber fördern Sie sie nicht nur in den schwachen Bereichen.
Unterstützen Sie die kindliche Neugierde, ohne Vorbehalte und ohne Angst, auf Menschen zuzugehen, gleich, was es für ein Mensch ist, der Ihre Kita besucht.
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