Untragbar für Ihre Kita? So finden Sie einen Lösungsweg für Kinder, die sich nicht integrieren können


19.10.2015

 

Gelegentlich kommt es in Kitas vor, dass Kinder sich scheinbar nicht an die Gegebenheiten in der Kindergruppe anpassen können. Wenn Kinder sich auch nach einer längeren Eingewöhnungszeit nicht integrieren, sollten Sie reagieren. Lesen Sie hier, wie Sie als Leiterin reagieren können, wenn Kinder so starke Auffälligkeiten im Verhalten zeigen, dass sie sich nicht integrieren.

 

Praxisbeispiel: Leon ist nicht zu bändigen. Immer wenn er sich in der Kindergruppe unterordnen soll, verliert er die Beherrschung. Er tobt, schlägt um sich, ruft Beleidigungen aus. Es scheint, als fielen der Reihe nach Grenzen für Leon. Zunächst hat er bei seinen Wutanfällen Kinder angegriffen, ließ sich aber von seiner Erzieherin beruhigen. Jetzt beißt und tritt er die Erzieherin.

 

So gehen Sie vor:

Niemandem ist damit geholfen, wenn Sie ein „scheinbar untragbares“ Kind auf Dauer in Ihrer Kita betreuen. Reagieren Sie deshalb rechtzeitig, bevor sich das Kind selbst gefährdet oder anderen Kindern Schaden zufügt. Halten Sie sich an die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung.

 

1. Schritt: Beobachten Sie das Kind fortlaufend

Verschiedene Erzieherinnen, die das betroffene Kind betreuen, sollten fortlaufend ihre Beobachtungen niederschreiben. Wichtig ist, dass Sie das Kind in ganz unterschiedlichen Situationen beobachten, z. B.

  • im Freispiel,
  • wenn das Kind sich allein beschäftigt,
  • im Konfliktfall, z. B. wenn das Kind sich streitet,
  • wenn Regeleinhaltungen von dem Kind verlangt werden, z. B. beim gemeinsamen Aufräumen
  • in einer Gruppenaktion mit mehreren Kindern.

Führen Sie auch sogenannte 5-Minuten-Beobachtungen durch. Dabei beobachtet eine Erzieherin das Kind 5 Minuten lang und schreibt ihre Beobachtungen nieder. Besonders aufschlussreich ist das, wenn die 5-Minuten-Beobachtung täglich zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt werden. Auf dieser Seite sehen Sie ein Beispiel einer 5-Minuten-Beobachtung.

 

2. Schritt: Holen Sie die Eltern ins Boot

Beschönigen Sie den Eltern gegenüber nicht das Verhalten des Kindes. Sprechen Sie mit den Eltern klar und deutlich über die Schwierigkeiten, die Sie bei ihrem Kind sehen. Arbeiten Sie mit den Eltern eng zusammen, indem Sie wöchentliche Feedbackgespräche mit den Eltern durchführen, um zu berichten, wie die Entwicklungen und die Integration des Kindes verlaufen.

 

3. Schritt: Vermitteln Sie den Eltern Hilfen

Meist verläuft die Entwicklung eines solchen Kindes nicht nur in der Kita problematisch. Häufig leiden Eltern und das Kind selbst unter jeder akuten Situation mit Wutausbrüchen, hoher Impulsivität und gesteigerter Aggression. Sie können sicher sein, dass Eltern und das Kind Hilfe brauchen. Ich habe in meiner eigenen Kita die Erfahrung gemacht, dass Eltern sehr dankbar sind, wenn sie ehrlich und deutlich über die Schwierigkeiten ihres Kindes informiert werden, und aufgezeigte Hilfen dankend annehmen. Häufig ist das Kind Symptomträger, und die Eltern benötigen Hilfe. Je nach Ausprägung und Schwere der Integrationsstörung können Sie den Eltern folgende Empfehlungen geben:

  • Aufnahme einer systematischen Familienberatung oder -therapie
  • Vorstellen beim Kinder- und Jugendpsychologen
  • Hilfe für das Kind über das Jugendamt
  • Beantragen einer Einzelintegration
  • ambulante oder stationäre Aufnahme in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie

 

 

4. Schritt: Sichern Sie sich rechtlich ab

Wenn Eltern jedoch uneinsichtig sind und nicht mitarbeiten wollen, sollten Sie sich an Ihren Träger wenden und Ihr weiteres Vorgehen mit ihm absprechen. Ihr Träger kann kündigen, wenn

  • das Kind sich selbst oder andere massiv gefährdet,
  • eine Beaufsichtigung des Kindes nicht möglich ist, weil das Kind z. B. immer wieder flüchtet.

 

Tipp für Ihre Praxis:

Nehmen Sie diese oben genannten Punkte als Sonderkündigungsrecht des Trägers in Ihren Betreuungsvertrag auf.

 

Fazit:

Für Kinder, die sich auf Dauer nicht im Alltag einer Kita integrieren, weil eine ernst zu nehmende Verhaltensstörung vorliegt, muss eine Lösung gefunden werden. Setzen Sie sich baldmöglichst mit den Eltern zusammen.

 

 

 


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