Zwillinge in der Kita – Erkenntnisse, die deren Integration erleichtern


26.04.2017
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Zwillingsbeziehungen gelten als einzigartige und meist sehr enge menschliche Bindungen. Sie sind fast immer die wichtigsten und dauerhaftesten Beziehungen im Leben eines Menschen. Doch die Integration von Zwillingskindern in den Kita-Alltag bringt seine besonderen Probleme mit sich. Lesen Sie hier 3 Erkenntnisse, die Ihnen helfen werden, Zwillinge in der Kita erfolgreich zu integrieren.

 

 

Praxisbeispiel: Lotte und Lina kommen kurz nach ihrem 3. Geburtstag zum 1. April in die Kita. Die Eltern der Zwillinge bestehen darauf, dass die beiden Mädchen nicht zusammen in einer Kita-Gruppe untergebracht werden. Die Eltern glauben, dass sich ihre beiden Töchter, die ein sehr inniges Verhältnis zueinander haben, getrennt voneinander besser entwickeln könnten.

So gehen Sie vor: Das Praxisbeispiel zeigt, dass auch auf Seiten der Eltern manchmal Vorbehalte bestehen, Zwillinge in derselben Gruppe zu betreuen. Oft herrscht die Meinung vor, dass sich beide in ihrer Entwicklung hemmen und die Kinder sich freier entwickeln könnten, wenn sie getrennt voneinander betreut werden. Doch wenn Sie die folgenden Erkenntnisse aus der Geschwisterforschung berücksichtigen, spricht vieles dafür, Zwillinge gemeinsam in einer Gruppe aufzunehmen. So argumentieren Sie pädagogisch fundiert:

Erkenntnis 1: Beachten Sie die Rolle der Erstgeborenen

Bei Zwillingen übernehmen die Erstgeborenen oft unbewusst die Führungsrolle und die Verantwortung für das später zur Welt gekommene Geschwisterkind. Ist die Führungsrolle bei Zwillingen sehr dominant ausgeprägt, fällt es dem zweitgeborenen Zwilling schwerer, sich in der Kita-Gruppe ohne sein Geschwisterkind zu orientieren, seine Position zu bestimmen oder eigene Ideen durchzusetzen.

In der Kindergruppe sollten Sie deshalb die Zwillinge erst einmal in ihren gewohnten Rollen belassen. Wenn das jüngere Kind sich eingewöhnt hat, können Sie die Geschwister gelegentlich trennen und Kleingruppen zuführen, beispielsweise für eine zeitlich begrenzte Projektarbeit. In diesen Gruppen können die Geschwister unabhängig voneinander soziale Kontakte pflegen und Freundschaften zu anderen Kindern aufbauen.

Erkenntnis 2: Betrachten Sie Zwillinge immer unabhängig

Treffen Sie keine wertende Aussage, die ein Zwillingskind bevorzugt oder besser beurteilt. Sagen Sie nicht: „Lotte, nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester! Sie hat ihren Platz schon aufgeräumt.“ Ein solcher Vergleich ist für Lotte eine deutliche Abwertung gegenüber der Schwester. Denn Sie sagen damit, Lina hätte im Vergleich zu ihr alles richtig gemacht. Lotte fühlt sich dadurch zurückgesetzt.

Erkenntnis 3: Nehmen Sie die Persönlichkeiten wahr

Besonders eineiige Zwillinge sind oft kaum voneinander zu unterscheiden. Wenn diese optische Unterscheidung sehr schwer gelingt, gehen manche Erzieher dazu über, immer von „Lina und Lotte“ zu sprechen oder von „den Zwillingen“. Ein solches gemeinsames Benennen macht es schwer, jedes Zwillingskind für sich allein zu beobachten. Und dadurch haben die Kinder es schwerer, ihre eigene Identität zu entwickeln, sich dieser bewusst zu werden und sich vom Zwilling loszulösen. Die eigenständige Identität jedes Zwillings wahrzunehmen ist für den Erzieher wichtig, denn nur so kann er dessen ganz eigene Entwicklung beobachten und dokumentieren. Entwicklungsrückstände oder Defizite fallen weniger auf, wenn Sie Zwillinge immer nur gemeinsam benennen.

Erkenntnis 4: Achten Sie auf Streitsituationen

Beobachten Sie genau, wenn Zwillinge miteinander streiten. Sind die Kinder noch sehr klein, müssen sie erst noch lernen, wie sie sich beim Streiten kooperativ verhalten. Wenn die Zwillinge sehr häufig miteinander streiten, sollten Sie gemeinsam Regeln aufstellen und Situationen festlegen, in denen niemals gestritten wird, z. B. im Gesprächskreis oder beim Mittagessen. Regeln helfen den Zwillingen, Streit und Konflikte zu vermeiden, etwa eine festgelegte Sitzordnung beim Mittagessen.

Wenn Sie in den Streit von Zwillingen eingreifen möchten, handeln Sie nach definierten Regeln. Nutzen Sie diese Erkenntnisse. Diese enthalten die wichtigsten Regeln, die Sie beachten sollten, wenn Sie in einen Zwillingsstreit eingreifen.

Fazit

Zwillinge sind in der Kita-Gruppe sowohl eine Bereicherung als auch eine Herausforderung. Vermeiden Sie es, die Kinder ständig miteinander zu vergleichen; respektieren Sie die unterschiedlichen Rollen in der Geschwisterkonstellation. Führen Sie eine Trennung erst nach sicherer Eingewöhnung des jüngeren Kindes herbei. Reagieren Sie im Streitfall nach den dargelegten definierten Regeln.

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