In 6 Schritten zu einer gelungenen Eingewöhnung in Kita & Krippe


08.08.2016
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Wenn Eltern ihre Kinder in die Kita geben ist dies in den meisten Fällen das erste Mal, dass sie aus dem familiären Umfeld in eine Bildungseinrichtung wie die Kita wechseln. Gleichzeitig ist die Eingewöhnungszeit für die meisten Kinder und ihre Eltern die erste längerfristige Trennungserfahrung. Deshalb ist sie besonders bedeutsam und für viele Kinder und Eltern mit Ängsten verbunden. Kinder müssen diese Trennung bewältigen, neue Beziehungen knüpfen und sich in einer anderen Umgebung mit unbekannten Erwachsenen und Kindern arrangieren.

Die folgenden 6 Tipps helfen Ihnen bei einer gelungen Eingewöhnung der neuen Kita-Kinder.

 

 

Schritt 1: Entscheiden Sie sich für ein Eingewöhnungsmodell

Aufgrund des Rechtsanspruches für Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr werden diese Kinder im kommenden Kita-Jahr verstärkt in die Kitas kommen. Machen Sie sich und Ihr Team deshalb mit den Grundlagen der Entwicklung von Kindern in diesem Alter vertraut. Dies ist besonders wichtig für Kindergärten, die bislang noch keine Kinder dieser Altersgruppe betreuen. Aber auch wenn Sie bereits 1-Jährige betreuen, kann es nicht schaden, sich nochmals mit den Grundlagen zu beschäftigen, denn die Entwicklung in diesem Bereich ist beachtlich.

Es gibt erprobte Eingewöhnungsmodelle wie beispielsweise das Berliner Modell, das viele Kitas anwenden, sowie das Modell der Transition, das auf der Basis von neuen Forschungsergebnissen den Blick auf die Eingewöhnung nochmals erweitert.

Das Berliner Modell beschreibt unterschiedliche Phasen der Eingewöhnung und wie die Erzieherinnen in diesen Phasen agieren sollten. Außerdem beschreibt es Kriterien für die Übergänge von einer Phase zur jeweils nächsten. Das Modell muss jedoch an die spezischen Bedingungen in Ihrer Einrichtung angepasst werden. Entscheiden Sie mit Ihrem Team, ob Sie die Eingewöhnung nach diesem Modell gestalten wollen.

 

Schritt 2: Formulieren Sie Leitgedanken für die Eingewöhnung

Formulieren Sie auf der Basis Ihres Eingewöhnungsmodells Leitgedanken. Diese beschreiben intern die Zielsetzungen und Anforderungen für das Kita-Team. Und nach außen zeigen Sie den Eltern, was sie erwarten dürfen. Das folgende Muster zeigt, wie die Leitgedanken aussehen könnten.

 

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Muster: Leitgedanken für die Eingewöhnung von Kindern unter 3 Jahren

  • Kinder sind von Anfang an kompetente Personen, die ihre Umwelt wahrnehmen, sich mit ihr befassen und diese und somit auch ihre eigene Entwicklung mitgestalten. Das Ausmaß, in dem dies geschieht, hängt vom Alter und dem Entwicklungsstand des Kindes ab. Deshalb hat das Kind eine aktive Rolle in der Eingewöhnung.
  • Die Erzieherinnen haben die Aufgabe, die Kommunikation der Kinder zu verstehen, um angemessen auf ihre Signale reagieren zu können.
  • Die Beziehungen der Erzieherinnen zu den Kindern sind professioneller Natur und unterscheiden sich grundlegend von den Beziehungen der Eltern zu ihren Kindern.
  • Die Beziehung zur Erzieherin bildet für das Kind den „sicheren Hafen“, von dem aus es seine neue Umgebung erkunden und erobern kann.
  • Der Eingewöhnungsprozess legt die Basis für die Qualität der Beziehungen und damit der Bildungsprozesse während der Zeit in der Kita.
  • Die Erzieherinnen verstehen ihre Aufgabe als Unterstützung und orientieren ihre Handlungen an den Bedürfnissen der Kinder. Dabei achten sie darauf, was Kinder bereits selbstständig können und wo sie Unterstützung benötigen.
  • Für eine gelingende Eingewöhnung bedarf es einer engen Kooperation zwischen den Erzieherinnen und den Eltern auf Augenhöhe. Diese Kooperation ist die Grundlage der Erziehungspartnerschaft.
  • Auch Eltern bewältigen in dieser Phase einen Übergang. Auch sie bekommen die Unterstützung der Einrichtung bei der Bewältigung dieser Aufgabe.

 

Schritt 3: Erstellen Sie einen Eingewöhnungsplan

Planen Sie auf der Basis Ihrer Leitgedanken, wie die Eingewöhnung in Ihrem Kindergarten konkret ablaufen soll. Bedenken Sie dabei, dass sie bereits mit dem 1. Gespräch mit den Eltern beginnt. In diesem Gespräch sollten Sie den Eltern Ihre Leitgedanken und Ihren Eingewöhnungsplan vorstellen und mit ihnen besprechen, welche Rolle sie dabei spielen. Und was ganz wichtig ist: Erklären Sie ihnen, warum Sie diesen Weg gehen. Erstellen Sie deshalb einen schriftlichen Eingewöhnungsplan für die Eltern. Beginnen Sie mit Ihren Zielen, und beschreiben Sie danach, wie Sie diesen Prozess in Ihrer Einrichtung konkret gestalten.

Diese Planung gibt den Eltern die Möglichkeit, das, was Sie ihnen im Gespräch vermitteln, nochmals in Ruhe nachzulesen. Nutzen Sie das Muster in unserem Gratis Bereich als Hilfe zur Formulierung.

 

Schritt 4: Klären Sie die Rolle der Eltern bei der Eingewöhnung

Viele Eingewöhnungsmodelle sehen die Rolle der Eltern in der Eingewöhnung ausschließlich darin, als „sichere Basis“ der Kinder zu dienen und somit die Trennungsängste der Kinder zu reduzieren. Die Eltern sind in der Eingewöhnungsphase jedoch in einer Doppelrolle. Zum einen müssen sie den Eingewöhnungsprozess ihrer Kinder aktiv unterstützen. Denn sie sollten den Aufbau der Beziehung zwischen der Erzieherin und ihrem Kind fördern.

Zum anderen müssen die Eltern selbst auch einen Übergang bewältigen. Ihre Rolle als Eltern verändert sich, wenn ihr Kind stabile und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Personen aufbaut. Ihr Kind erobert sich – auch durch den Aufbau von Beziehungen zu anderen Kindern – eine neue „Welt“, in der die Eltern nicht die wichtigste Rolle spielen. Die Eltern müssen diesen Übergang ebenso bewältigen wie ihre Kinder. Und wie bei den Kindern fällt dieser Übergang manchen schwerer.

Sie und Ihre Erzieherinnen sollten sich in der Vorbereitung der Eingewöhnung diese Rolle der Eltern bewusst machen, um auch den Übergang der Eltern professionell wahrnehmen und unterstützen zu können. Denn wenn die Eltern diesen gut bewältigen, erleichtert dies den Eingewöhnungsprozess der Kinder maßgeblich. Die immer wieder im Scherz zu hörende Aussage von Erzieherinnen, dass es mitunter leichter sei, die Kinder einzugewöhnen, als die Mütter zu entwöhnen, hat hier ihren ernsten Hintergrund.

Insbesondere sollten Sie und Ihre Erzieherinnen Klarheit über Ihre Rolle in diesem Prozess haben. Sie begleiten den Prozess im Rahmen einer professionellen Aufgabe. Für die Eltern und die Kinder ist die Eingewöhnung ein Übergang in ihrem Leben, den sie gelingend gestalten müssen. Für Sie und die Erzieherinnen ist die Begleitung eine regelmäßig wiederkehrende berufliche Aufgabe. Die Eltern sind die Experten für ihr Kind und ihre Befindlichkeiten, die Erzieherinnen sind die Experten für die pädagogischen Grundlagen und die Beurteilung dessen, was geschieht.

Und vor allen Dingen müssen Sie und Ihre Erzieherinnen sich der Tatsache bewusst sein, dass die Beziehung zwischen einer Erzieherin und einem Kind qualitativ völlig anders ist als die Beziehung zwischen den Eltern und ihrem Kind. Auch wenn das, was Erzieherinnen und Eltern in der Beziehung zu ihren Kindern tun, sehr ähnlich ist. Dieses Unterschieds müssen Sie sich immer bewusst sein. Und Sie müssen wissen, dass dieser Unterschied für die Eltern nicht immer so klar ist. Manche Eltern können die Beziehung zwischen ihren Kindern und der Erzieherin durchaus als Konkurrenz empfinden, auch wenn sie das nicht verbalisieren. Umso wichtiger ist es, dass Sie durch Ihre Aussagen und durch Ihr Verhalten immer deutlich machen, dass die Eltern diesbezüglich keine Sorge haben müssen.

 

 

Schritt 5: Legen Sie Kriterien für den Abschluss der Eingewöhnung fest

Legen Sie mit Ihrem Team im Vorfeld fest, wann Sie eine Eingewöhnung als erfolgreich abgeschlossen betrachten. Datler und andere haben auf der Basis des Transitionsmodells folgende Kriterien für eine erfolgreiche Eingewöhnung formuliert. Das Kind:

  • erlebt Situationen in der Kita immer öfter als angenehm oder sogar lustvoll
  •  kann allein oder mit Hilfe immer besser Situationen herbeiführen, in denen es sich wohl fühlt
  • nimmt die Menschen und die Umgebung in der Kita zunehmend konzentriert wahr, untersucht und versteht sie
  • tritt immer mehr in Kontakt mit anderen Kindern und Erwachsenen

Schritt 6: Richten Sie Ihren Dienstplan an der Eingewöhnung aus

Wenn Sie wissen, wann welche Kinder eingewöhnt werden müssen, sollten Sie mit Ihrem Team festlegen, wer diese Kinder jeweils als Bezugserzieherin eingewöhnen wird. Die jeweilige Bezugserzieherin vereinbart dann das Aufnahmegespräch mit den Eltern. Sie müssen den Dienstplan für die Zeit der Eingewöhnung so gestalten, dass die Bezugserzieherin während der Eingewöhnung immer anwesend ist, wenn sich das Kind in der Einrichtung beendet. Es ist selbstverständlich, dass eine Bezugserzieherin während der Eingewöhnung keinen Urlaub nehmen kann. Dennoch sollten Sie über eine Vertretungsregelung nachdenken. Denn Erkrankungen sind nicht planbar. Durch die organisatorischen Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten der Dienstplangestaltung ergibt sich auch die Anzahl der Kinder, die gleichzeitig eingewöhnt werden können. Eine Bezugserzieherin sollte nicht mehr als 2 Kinder parallel eingewöhnen.

 

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