Münchener Eingewöhnungsmodell: Guter Kita-Start in 5 Schritten


11.11.2022

Das Münchener Eingewöhnungsmodell ist ein Modell, das Kindern bei der Eingliederung in die Kita helfen soll. Insbesondere der Aufbau von Bindung zu neuen Bezugspersonen ist dabei herausfordernd und soll dank des Modells besser gelingen. 

Das Münchener Eingewöhnungsmodell basiert auf dem Berliner Eingewöhnungsmodell und ist eine Weiterentwicklung dessen. Das Kind gestaltet im Rahmen des Münchener Modells die Eingewöhnung aktiv mit und wird als kompetentes Subjekt angesehen.

Was kennzeichnet das Münchener Eingewöhnungsmodell?

Entwickelt wurde das Münchener Eingewöhnungsmodell zu Beginn der 1990er Jahre. Es sieht nicht nur die Erzieher als entscheidenden Part der Eingewöhnung vor, sondern auch die Bezugsperson des Kindes (Mutter, Vater, Oma, Opa etc.) sowie die anderen Kinder in der Kita. Im Rahmen des Münchener Eingewöhnungsmodells wird außerdem davon ausgegangen, dass die Kinder die Rituale in einer Kita mehrfach beobachten müssen, um sie zu verstehen, weshalb die Kennenlernphase mindestens eine Woche dauert. 

Eine Trennung findet erst nach zwei Wochen statt, wenn das Kind mit den neuen Abläufen und der neuen Umgebung bereits vertraut ist und die Erzieher schon etwas besser kennt. Für die Eingewöhnung nach dem Münchener Modell müssen vier bis fünf Wochen Zeit eingeplant werden.

Welche Phasen sieht das Münchener Eingewöhnungsmodell vor?

Das Münchener Eingewöhnungsmodell gliedert sich in fünf Phasen:

  1. Vorbereitungsphase
  2. Kennenlernphase
  3. Sicherheitsphase
  4. Vertrauensphase
  5. Auswertungsphase

In der ersten Phase, der Vorbereitungsphase, stehen Erzieher und Bezugspersonen in einem engen Austausch, um das Kind mit seinen Angewohnheiten und Bedürfnissen kennenzulernen. Ziel dieser Phase ist es, gemeinsam zu überlegen, wie ein sanfter Einstieg für das Kind aussehen kann. Nicht nur eine Bezugsperson des Kindes, sondern – wenn vorhanden – auch mehrere, können in diese erste Phase mit eingebunden werden.

In der zweiten Phase, der Kennenlernphase, verbringen die Bezugspersonen des Kindes eine Woche lang mehrere Stunden pro Tag mit dem Kind in der Kita. Gemeinsam werden die neuen Abläufe betrachtet und die Erzieher halten sich in dieser Zeit noch zurück. Ziel ist, dass das Kind in Ruhe und mit seiner vertrauten Bezugsperson an der Seite die neue Umgebung kennenlernt. Das Kind wird durch die anderen Kita-Kinder dazu aufgefordert, mitzuspielen und kann so eine aktive Rolle einnehmen. Die Bezugsperson hält sich im Hintergrund, ist aber zu jeder Zeit da, um dem Kind Sicherheit zu geben. Ein Trennungsversuch wird nicht aktiv herbeigeführt, aber will das Kind von sich aus mit den anderen Kindern spielen und entfernt sich von seiner Bezugsperson, so ist das ein gutes Zeichen.

In der dritten Phase, der Sicherheitsphase, bleibt die Bezugsperson ebenfalls noch für mehrere Stunden mit dem Kind in der Kita, übergibt aber immer mehr pflegerische Tätigkeiten wie wickeln, füttern oder trösten an die Erzieher. Außerdem beginnen die Erzieher in dieser Phase langsam, mit dem Kind zu spielen. Dabei orientieren sie sich an den Vorlieben des Kindes. Die Interaktion mit den anderen Kindern sorgt in dieser Phase ebenfalls für viel Sicherheit.

In der vierten Phase, der Vertrauensphase, findet dann der erste Trennungsversuch statt. Bis dahin sind mindestens zwei Wochen vergangen und in dieser Zeit hat das Kind das neue Umfeld schon gut kennengelernt. In der Vertrauensphase überlassen die Bezugspersonen den Erziehern den Umgang mit dem Kind und ziehen sich erstmals gänzlich zurück. Sie verlassen die Kita für 30 bis 60 Minuten und verabschieden sich vorher von ihrem Kind. Das Ziel ist es, dass das Kind lernt, sich von den Erziehern trösten zu lassen. Sobald das Kind sich beruhigt hat und wieder mit den anderen Kindern spielt, gilt das als Erfolg und die Zeit der Trennung wird am darauffolgenden Tag verlängert. Lässt sich das Kind nicht beruhigen, kommen die Eltern zurück und der nächste Trennungsversuch wird erst nach einigen Tagen wieder gestartet.

In der fünften Phase, der Auswertungsphase, findet das finale Gespräch zur Reflexion der Eingewöhnung statt und es wird geklärt, worauf in der nächsten Zeit noch verstärkt geachtet werden muss. Außerdem wird eingeschätzt, was an der Eingewöhnung gut und was nicht so gut gelaufen ist. Doch nicht nur am Ende, sondern auch immer wieder zwischendurch tauschen sich Erzieher und Eltern darüber aus, wie der Stand der Eingewöhnung ist und wie das Kind zurechtkommt. Die Eingewöhnung gilt dann als erfolgreich, wenn das Kind die neue Umgebung und die neuen Bezugspersonen, die Erzieher sowie die anderen Kinder, akzeptiert hat und sich von den Fachkräften trösten und pflegen lässt.

Was hilft bei der Eingewöhnung?

Der Faktor Zeit trägt entscheidend zur Eingewöhnung bei. Die Erzieher sollten genügend Zeit für die Kinder haben und auch die Eltern müssen viel Zeit investieren, um ihr Kind über Wochen für mehrere Stunden pro Tag in die Kita zu begleiten. Sicherheit ist ein weiterer, wichtiger Faktor für die Kinder, der die Eingewöhnung begünstigt. 

Eine sichere Umgebung zuhause, viel Körperkontakt vor und nach der Kita und vielleicht noch das Lieblings-Kuscheltier oder Schnuffeltuch helfen dem Kind dabei, sich in der Kita wohlzufühlen. Eltern sollten dabei nicht ihre Ängste auf die Kinder übertragen. Sie sollten den Erziehern vertrauen, transparent kommunizieren und sich an die Anweisungen der Fachkräfte halten.

Welche Vor- und Nachteile hat das Münchener Eingewöhnungsmodell? 

Der Vorteil des Münchener Eingewöhnungsmodells ist, dass die Eingewöhnung stark kindzentriert geschieht und das Tempo des Kindes das Tempo der Eingewöhnung vorgibt. Das Kind hat mindestens zwei Wochen Zeit sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, bevor ein erster Trennungsversuch stattfindet. Das führt in den meisten Fällen dazu, dass dieser auch gelingt. 

Der Nachteil ist der hohe Zeitaufwand der Eingewöhnung, weshalb die Betreuung der Kinder in der Praxis nicht immer so individuell und intensiv ausfällt, wie es die Theorie vorsieht. Gründe dafür sind Personalmangel, Zeitmangel und die Eingewöhnung von zu vielen Kindern gleichzeitig. 

Fazit: Das Münchener Eingewöhnungsmodell ist von Erfolg gekrönt

Das Münchener Eingewöhnungsmodell wird seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt, weshalb es essenziell ist, dass Eltern darauf und auf die Arbeit der Erzieher vertrauen. Gegeneinander zu arbeiten, ist an der Stelle nicht zielführend – im Fokus sollte immer das Kind stehen.

Rückschläge während der Eingewöhnungszeit sind normal und gehören dazu. Zu akzeptieren, dass jedes Kind anders ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat, hilft dabei, die Eingewöhnung behutsam zu gestalten. Die verschiedenen Phasen führen das Kind langsam an die neue Umgebung und die neuen Bezugspersonen heran und sorgen dafür, dass es sich zum Ende der Zeit in der Kita wohlfühlt und von den pädagogischen Angeboten und dem Spiel mit den anderen Kindern profitieren kann.


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