Geheimnisse von Kindern – gutes oder schlechtes Geheimnis?


09.03.2018

Geheimnisse von Kindern können ganz unterschiedlich sein: “Dann bin ich nicht mehr dein Freund!“ Dieser Satz funktioniert eigentlich immer, wenn Kinder sich gegenseitig mit Geheimnissen beeinflussen. Unter Kindern ist dieses Machtgefüge relativ ausgeglichen. Völlig anders ist die Situation, wenn sie von Erwachsenen, älteren oder deutlich stärkeren Kindern unter Druck gesetzt werden, wenn also ein großes Machtgefälle herrscht. Häufig wird den Kindern mit einem Geheimnis gedroht, das sie unbedingt für sich behalten müssten. Damit geraten Kinder in innere Nöte und Konflikte.

Sprechen Sie über Geheimnisse mit den Kindern

Außer dem Gefühl, dass ein Kind verändert erscheint oder bedrückt wirkt, wissen Sie zunächst wenig über innere Konflikte. Was können Sie also tun, damit sich ein Kind, das mit der Wahrung eines Geheimnisses unter Druck gesetzt wird, Ihnen anvertraut? Und weiter: Wie können Sie diesen Machtmissbrauch bei allen Kindern präventiv verhindern?

Sprechen Sie zunächst ganz allgemein über Geheimnisse von Kindern. Überlegen Sie mit den Kindern folgende Fragen:

  • Was macht ein Geheimnis zu einem Geheimnis?
  • Welche Geheimnisse hatten Kinder selbst schon einmal?
  • Wem würden die Kinder ein Geheimnis anvertrauen?

Zu diesen allgemeinen Fragen wissen die Kinder sicher viel zu erzählen. Sie sollten in diesem allgemeinen Gespräch aber auch intensivere Impulse geben, z. B.

  • „Wie fühlt man sich mit einem Geheimnis?“
  • „Darf man Geheimnisse auch verraten?“
  • „Wann darf und soll man Geheimnisse jemandem anvertrauen?“

Sicher wird sich ein Kind, das bereits mit einem „schlechten Geheimnis“ belastet ist, sich in einer größeren Gruppe nicht äußern. Dennoch sind die Gespräche wichtig, um dem Kind deutlich zu machen, dass es nicht allein in seiner Situation ist und dass es Auswege daraus gibt.

Ein klare Unterscheidungsmerkmal

Gute Geheimnisse sollte man für sich bewahren, schlechte Geheimnisse unbedingt jemandem anvertrauen! Das könnte das Ergebnis Ihres Gespräches zu diesem Thema sein. Doch wie erkennen Kinder, ob ein Geheimnis gut oder schlecht ist? Dazu gibt es klare und für die Kinder nachvollziehbare Kriterien:

  • Über gute Geheimnisse freut man sich, sie zu bewahren ist aufregend und spannend – gute Geheimnisse erzeugen gute Gefühle.
  • Bei schlechten Geheimnissen bekommt man ein komisches Gefühl, vielleicht muss man weinen oder hat Angst – schlechte Geheimnisse erzeugen schlechte Gefühle.

Machen Sie den Kindern in aller Deutlichkeit klar, dass es kein Petzen ist, sich mit einem schlechten Geheimnis jemandem anzuvertrauen!

Vorbereitet sein, wenn ein Kind sich öffnet

Haben Sie den konkreten Verdacht, dass ein Kind Ihrer Gruppe mit einem Geheimnis belastet ist? Dann ist es wichtig, dass Sie Situationen schaffen, die es dem Kind erleichtern, sich Ihnen anzuvertrauen. Fragen Sie das Kind immer wieder nach seinem Befinden, wenn Sie mit ihm allein sind, und bieten Sie deutlich Hilfe an: „Ich habe das Gefühl, dass dich etwas bedrückt und dass du traurig bist. Ich würde dir gerne helfen!“

Wenn sich das Kind Ihnen anvertraut, ist es absolut wichtig, dass Sie nicht allein als „Einzelkämpfer“ weiter vorgehen. Informieren Sie zunächst die Leiterin Ihrer Einrichtung, dann legen Sie fest, mit wem Sie weiter kooperieren wollen. Beratungsstellen für Mädchen und Frauen sind besonders geeignete Anlaufstellen, wenn es Verdachtsmomente auf sexuelle Gewalt gibt. Auch Ihre Kolleginnen sind in dieser Phase wichtige Ansprechpartner: Erzählen Sie im Team von Ihrem Verdacht, bitten Sie alle, das Kind zu beobachten, und tragen Sie diese Beobachtungen regelmäßig schriftlich zusammen.

Anhand folgender Checkliste können Sie überprüfen, ob Sie während eines Gespräches mit dem Kind ausreichend Hilfestellung geben.

Schlechte Geheimnisse eines der ihr anvertrauten Kinder richtig zu erkennen und aufdecken zu helfen ist eine der größten Herausforderungen für jede Erzieherin. Dabei sind Ihre Wahrnehmung, Sensibilität und die Kenntnis über das geeignete Vorgehen entscheidend.

Checkliste: Können Sie dem Kind ausreichend Unterstützung?

  1. Glauben Sie dem Kind, wenn es von seinen Erlebnissen erzählt?
  2. Nehmen Sie sich genügend Zeit und können Sie sich jedem Kind uneingeschränkt widmen?
  3. Versichern Sie dem Kind, dass es weder Schuld noch Verantwortung für seine Situation trägt?
  4. Signalisieren Sie dem Kind, dass es über das Erlebte sprechen darf, ohne es auszufragen?
  5. Loben Sie das Kind, wenn es sich Ihnen öffnet?
  6. Überlegen Sie gemeinsam mit dem Kind, wie Sie weiter vorgehen wollen?
  7. Beziehen Sie das Kind in Ihre Überlegungen mit ein?
  8. Holen Sie sich Rat von Fachleuten und Beratungsstellen?

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