Berliner Eingewöhnungsmodell: Ein guter Kita-Start in 5 Phasen


11.11.2022

Die Eingewöhnung von Kindern in die Kita erfolgt heutzutage in der Regel auf der Basis von zwei Modellen: dem Münchener und dem Berliner Eingewöhnungsmodell. Beide Modelle sehen fünf Phasen vor. 

Die Grundlage der Modelle ist die Annahmen, dass Kinder Zeit brauchen, um sich an neue Situationen und neue Bezugspersonen zu gewöhnen. Die Eingewöhnung erfolgt daher schrittweise, um dem Kind Zeit zu geben.

Was kennzeichnet das Berliner Eingewöhnungsmodell?

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde in den 1980er Jahren am Berliner Institut für angewandte Sozialforschung/Frühe Kindheit e.V. von mehreren Pädagogen entwickelt. Sie hatten während eines Forschungsprojektes herausgefunden, dass Kita-Kinder ohne Eingewöhnung häufiger krank sind und vom Kita-Angebot weniger profitieren. Daraufhin entwickelten sie das Eingewöhnungsmodell, um Kindern einen behutsameren Start in die neue Umgebung mit neuen Bezugspersonen zu ermöglichen. Behutsamkeit und die Bezugsperson sind daher die zwei wichtigsten Säulen des Modells.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell gliedert sich in fünf Phasen:

  1. Information
  2. Grundphase
  3. Erster Trennungsversuch
  4. Stabilisierungsphase
  5. Schlussphase

Etwa zwei bis vier Wochen sollten Eltern für die Eingewöhnung einplanen.

Wie genau sehen die Phasen im Berliner Eingewöhnungsmodell aus?

In der ersten Phase informiert die Kita die Eltern ausführlich über die Eingewöhnungsphase und holt im Gegenzug Informationen von den Eltern über das Kind ein, wie Einschlafgewohnheiten oder Allergien.

In der zweiten Phase erfolgt die Grundphase mit einem Elternteil. Sie dauert drei Tage. Das Kind besucht mit dem Elternteil zusammen die Kita für ein bis zwei Stunden pro Tag, um sich dort alles anzusehen. Das Kind kann dort erstmals an Aktivitäten teilnehmen und die Erzieher versuchen behutsam, einen ersten Bezug zum Kind aufzubauen. Die Eltern halten sich im Hintergrund, sind eher passiv, übernehmen aber noch die pflegerischen Tätigkeiten wie Füttern und Wickeln.

In der dritten Phase erfolgt der erste Trennungsversuch der Bezugsperson, die sich für kurze Zeit vom Kind verabschiedet. Diese Trennung gibt Aufschluss darüber, wie lange die Eingewöhnungsphase insgesamt dauern könnte. Weint das Kind gar nicht oder nur kurz und widmet sich dann direkt wieder dem Spiel, muss nur etwa eine weitere Woche Eingewöhnungszeit eingeplant werden. Weint das Kind anhaltend und lässt sich nicht beruhigen, kommt die Bezugsperson schnell wieder zurück in den Raum und es muss von einer weiteren Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Wochen ausgegangen werden.

In der vierten Phase, der Stabilisierungsphase, geht es hauptsächlich darum, dass Elternteil und Erzieher eine gute Beziehung aufbauen. Die Erzieher übernehmen mehr und mehr die Betreuung des Kindes und die Eltern ziehen sich langsam zurück. Bei Kindern, die mit der dritten Phase schnell zurechtgekommen sind, wird die Zeit, die sie ohne die Eltern in der Kita verbringen, Tag für Tag erweitert. Schon ab dem fünften Tag können diese Kinder in der Kita schlafen. Bei den Kindern, bei denen der erste Trennungsversuch gescheitert ist, geht die Stabilisierungsphase über mindestens zwei weitere Wochen und erst dann gibt es einen weiteren Trennungsversuch.

In der fünften Phase, der Schlussphase, läuft es immer besser und das Kind verbringt nun täglich mehrere Stunden ohne Elternteil in der Kita. Gibt es keine Rückschläge, gilt das Kind nun als eingewöhnt, verbringt gerne Zeit in der Kita und hat die Erzieher als neue Bezugsperson anerkannt. Es lässt sich von ihnen trösten, füttern und wickeln und hat keine Probleme einzuschlafen. Ein Elternteil sollte aber dennoch immer für Notfälle erreichbar sein.

Wann gilt die Eingewöhnung nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell als gelungen?

Die Eingewöhnung gilt dann als gelungen, wenn die Kinder sozial integriert sind, auf Trennungen nicht mehr mit Weinen reagieren und sich von den Erziehern trösten lassen. Wenn sie sich offensichtlich wohl in der Kita fühlen und dies auch zum Ausdruck bringen, gelten sie als eingewöhnt. Auch wenn sie neue Kompetenzen erwerben, Bildungsangebote nutzen und neue Anforderungen bewältigen, kann von einem Erfolg die Rede sein.

Was hilft bei der Eingewöhnung?

Die gesamte Eingewöhnung sollte von einem Elternteil bzw. einer festen Bezugsperson des Kindes durchgeführt werden. Das erleichtert das Vorgehen, als wenn das Kind mal vom Vater, mal von der Mutter und mal von Oma und Opa begleitet wird.

Im Fokus der Eingewöhnung stehen die Bedürfnisse des Kindes. Das Kennenlernen der neuen Umgebung und die Akzeptanz der neuen Bezugsperson erfolgt behutsam, was die Basis für die fortlaufende pädagogische Arbeit mit den Kindern bildet. 

Das Kind braucht in der gesamten Eingewöhnungszeit viel Stabilität. Ein Kuscheltier von zuhause und viel körperliche Nähe nach der Kita helfen dem Kind, sich besser in der neuen Situation zurechtzufinden.

Welche Vor- und Nachteile hat das Berliner Eingewöhnungsmodell?

Den Eltern gibt das Eingewöhnungsmodell Sicherheit. Die nächsten Schritte zu kennen, gibt ihnen die Möglichkeit, sich und ihre Kinder darauf vorzubereiten und den Eingewöhnungsprozess zu begleiten. Häufig haben die Erzieher schon viel Erfahrung mit Eingewöhnungen gesammelt und können den Eltern wertvolle Tipps geben. Auch kann die benötigte Zeit bei der Eingewöhnung flexibel an das Kind angepasst werden. Das Berliner Modell zählt zu den ältesten Eingewöhnungsmodellen und gilt daher als erprobt und zuverlässig.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Es ist nämlich in erster Linie auf Kinder ausgerichtet, die mindestens drei bis fünf Tage pro Woche in die Kita gehen. Für Kinder, die weniger als drei Tage in der Woche in einer Kita betreut werden sollen, hat das Modell Lücken und es muss deutlich mehr Eingewöhnungszeit eingeplant werden. Auch generell sind die zeitlichen Vorgaben für die Eingewöhnung in einigen Kitas sehr starr.

Die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell bedeutet in jedem Fall einen großen Zeitaufwand, sowohl für die Eltern als auch für die Erzieher. Die Eltern müssen sich freinehmen und auch in den Kitas haben die Erzieher nicht immer die Zeit, sich einzelnen Kinder so intensiv zu widmen. Dadurch klingt die Theorie bei diesem Modell zum Teil besser, als die Praxis gelebt wird.

Fazit: Das Berliner Eingewöhnungsmodell wird seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wird in vielen Kitas praktiziert und soll Kindern den Übergang in die Kita-Zeit erleichtern. In verschiedenen Phasen wird das Kind langsam an die neue Umgebung und die neuen Bezugspersonen gewöhnt und die Eltern ziehen sich zunehmend zurück. Das Berliner Eingewöhnungsmodell ist seit Jahrzehnten erprobt, hat allerdings auch einige Schwächen. Diese liegen jedoch weniger im Modell selbst als darin, dass in den Kitas häufig die Kapazitäten für eine betreuungsintensive und individuelle Eingewöhnung fehlen.


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