So motivieren Sie Eltern zur Teilnahme an Entwicklungsgesprächen


15.05.2017
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Sie sind gesetzlich verpflichtet, die Eltern über die Entwicklung ihres Kindes in der Kita zu informieren. Wenn Eltern solche Gespräche boykottieren, müssen Sie aktiv werden, wenn dies zum Wohle des Kindes notwendig ist.

 

 

Praxisbeispiel

Clara Schneider ist 3 Jahre alt und besucht die Kita „Villa Kunterbunt“. Die Erzieherinnen haben die Eltern mehrfach zu einem Entwicklungsgespräch gebeten, da die Sprachentwicklung von Clara zu wünschen übrig lässt. Die Eltern weigern sich allerdings, die vorgeschlagenen Gesprächstermine wahrzunehmen.

Rechtlicher Hintergrund

Durch das Kita-Gesetz Ihres Bundeslandes, z. B. durch § 9 Abs. 1 KiBiz NRW, der die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern regelt, sind Sie verpflichtet, mit den Eltern regelmäßige Entwicklungsgespräche zu führen. Diese sollen mindestens einmal im Jahr stattfinden. Wenn es einen besonderen Anlass gibt, können Sie – und die Eltern – natürlich ein Gespräch außer der Reihe veranlassen.

Was bedeutet das für Sie?

Erscheinen Eltern nicht zu den von Ihnen vorgeschlagenen Entwicklungsgesprächen, müssen Sie aktiv werden. Dies gilt jedenfalls dann, wenn Sie sich im Team einig sind, dass ein solches Gespräch notwendig ist, um das Wohl des Kindes sicherzustellen.

Um den Eltern die Dringlichkeit des Gesprächs deutlich zu machen und sie zur Teilnahme zu motivieren, sollten Sie nach dem folgenden 4-Schritte-Plan vorgehen:

1. Schritt: Schriftliche Einladung aussprechen

Laden Sie die Eltern schriftlich zum Entwicklungsgespräch ein. Das hat den Effekt, dass dieses Gespräch bei den Eltern den notwendigen Stellenwert bekommt und ernst genommen wird. Teilen Sie in der Einladung bereits mit, warum Sie ein Entwicklungsgespräch „außer der Reihe“ für dringend notwendig halten.

So könnte im Praxisbeispiel z. B. folgendes in der Einladung stehen. „Sehr geehrte Frau Schneider, sehr geehrter Herr Schneider, wir mussten feststellen, dass Claras Sprachentwicklung nicht altersgerecht erscheint. Wir möchten Sie daher zu einem Entwicklungsgespräch einladen, um zu besprechen, was wir gemeinsam unternehmen können, um Clara bestmöglich zu fördern.“

2. Schritt: Flexible Termine anbieten

Bieten Sie den Eltern verschiedene Gesprächstermine an. Versuchen Sie hierbei auf die berufliche Situation der Eltern Rücksicht zu nehmen.

Lassen Sie den Eltern auch genügend „Vorlauf“, damit sie sich ggf. bei ihrem Arbeitgeber frei nehmen können.

3. Schritt: Schriftliche Rückmeldung einfordern

Um sich später gegen Behauptungen der Eltern abzusichern, sie hätten keine Einladung erhalten, sollten Sie auf eine schriftliche Rückmeldung der Eltern bestehen.

Dann können die Eltern nachher nicht behaupten, ihnen sei kein solches Gespräch angeboten worden. Hierzu kommt es nämlich manchmal, wenn die Eltern irgendwann feststellen, dass tatsächlich etwas mit ihrem Kind „nicht stimmt“. Dann wird der „Schwarze Peter“ gerne und schnell an die Kita, die die Eltern angeblich nicht informiert hat, weitergereicht. Dazu sollten Sie es nicht kommen lassen und sich besser absichern.

4. Schritt: Kindeswohl im Blick behalten

Weisen Sie Eltern, die sich hartnäckig weigern, ein Entwicklungsgespräch zu führen, obwohl aus Ihrer Sicht dringender Gesprächsbedarf besteht, darauf hin, dass Sie dieses Verhalten von Elternseite ggf. als Gefährdung des Kindeswohls werten müssen. Machen Sie deutlich, dass Sie gesetzlich verpflichtet sind, Maßnahmen zum Schutz des Kindes zu ergreifen. Stellen Sie klar, dass Sie die Weigerung in letzter Konsequenz zum Anlass nehmen müssen, um sich mit dem Jugendamt in Verbindung zu setzen.

Fazit

Ziehen Sie den 4-Schritte-Plan konsequent durch, wenn Sie der Ansicht sind, dass das Kind dringend Unterstützung braucht, die Eltern sich aber konsequent einer „Einmischung“ Ihrerseits in Form eines Entwicklungsgesprächs entziehen. Das kann natürlich immer nur der letzte Schritt sein. In solchen Fällen sollten Sie den Rat Ihrer Kinderschutzfachkraft einholen und mit ihr gemeinsam besprechen, wie Sie zum Wohl des Kindes richtig handeln.

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