Wenn bei Konflikten mit Eltern nichts mehr geht


23.07.2014

Wie Sie Konflikte mit Eltern bearbeiten können

Auch in Ihrer Kita kommt es sicher gelegentlich vor, dass Sie oder Ihre Kolleginnen mit Eltern einen Konflikt austragen müssen. Eine solche Situation ist für beide Seiten sehr anstrengend und nervenaufreibend. Umso wichtiger ist es für Sie als Leiterin, dabei den Überblick und einen klaren Kopf zu behalten. Lernen Sie hier die 4 Grundregeln des Konfliktmanagements kennen.

Grundregel 1: Greifen Sie schnell ein
Manchmal ist es möglich, eine Unstimmigkeit im Frühstadium zu erkennen, so dass erst gar kein Konflikt daraus entsteht. Sprechen Sie Eltern rechtzeitig an, wenn Sie bemerken, dass sie Ihnen gegenüber kurz angebunden sind oder Ihnen aus dem Weg gehen. In einem klärenden Gespräch haben die Eltern die Möglichkeit, ihre Enttäuschung oder ihren Ärger zu artikulieren. Sie wissen, woran Sie sind, und können direkt Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Scheuen Sie sich nicht davor, die Eltern anzusprechen. Sie werden es Ihnen hoch anrechnen, dass Sie sich Zeit für sie nehmen und ihren Ärger bemerkt haben.

 

Unten finden Sie tabellarisch Vorwürfe und exemplarische Möglichkeiten, um diese den Eltern gegenüber zu entkräften. (Weitere Anregungen zum Umgang mit Eltern finden Sie in „Kita-Leitung in der Praxis“)

 

Grundregel 2: Benennen Sie das Problem
Im Gespräch mit den Eltern sollten Sie nicht lange um den heißen Brei herumreden. Sprechen Sie das Problem möglichst sachlich an und formulieren Sie Ich-Botschaften. Stellen Sie die Konfliktlösung als Ziel des Gesprächs auf jeden Fall in den Mittelpunkt. Sagen Sie beispielsweise: „Ich merke seit geraumer Zeit, dass Sie unzufrieden sind. Ich schätze Ihre offene und ehrliche Art sehr. Deshalb möchte ich Sie bitten, mir den Grund Ihrer Unzufriedenheit zu nennen. Nur so kann es uns gemeinsam gelingen, den aufgetretenen Konflikt zu beheben. Mit liegt sehr viel an einer Klärung und an einer guten Zusammenarbeit mit Ihnen.“

Grundregel 3: Vorwürfe helfen nicht weiter
Vorwürfe verstärken die ohnehin schon belastete Situation. Auch wenn Eltern dazu übergehen, Sie mit Vorwürfen zu konfrontieren, sollten Sie die sachliche Ebene im Gespräch beibehalten. Erklären Sie den Eltern immer, dass Sie ihren Ärger und ihre Reaktion verstehen können. Danach schließen Sie sofort ein Argument an, warum Sie in der Kita so und nicht anders handeln.

Grundregel 4: Lösungswege erörtern
Von Ihnen vorgedachte Lösungen werden von den Eltern oft als Bevormundung empfunden und von daher meist abgelehnt. Geben Sie den Eltern die Möglichkeit, den Konflikt aus verschiedenen Blickwinkeln heraus zu betrachten. Damit entsteht eine gewisse Distanz. Aus diesem Blickwinkel heraus gelingt es Eltern oft, gemeinsam mit Ihnen eine tragfähige Lösung zu
finden. Bieten Sie den Eltern an, die Perspektive zu wechseln. Sagen Sie: „Betrachten Sie das Ganze einmal mit den Augen der Gruppenerzieherin.“

Tipp für Ihre Praxis:
Bei vielschichtigen oder komplexen Konflikten sind häufig mehrere Gespräche nötig, ehe der Konflikt ausgeräumt werden kann. Lassen Sie sich nicht von einer vorschnellen Schein-Lösung blenden, sonst bricht der Konflikt später wieder auf.

Konflikte mit Eltern lassen sich manchmal nicht vermeiden. Entscheidend ist, dass Sie schnell auf die Eltern zugehen und eine Bearbeitung des Konflikts anbieten.

Nachfolgend sehen Sie Vorwürfe und exemplarische Möglichkeiten, um diese den Eltern gegenüber zu entkräften. (Weitere Anregungen zum Umgang mit Eltern finden Sie in „Kita-Leitung in der Praxis“)

 

 
Elternvorwürfe Möglichkeiten zu deren Entkräftung
„Mein Kind lernt von anderen Kindern Ihrer Gruppe viele Schimpfwörter. Sie haben die Gruppe nicht im Griff.“ „Das mag auf Sie sicherlich so wirken. Überall dort, wo Kinder sind, fallen auch hin und wieder Schimpfwörter. Kinder probieren diese dann in einem vertrauten Rahmen aus. Dies ist in der Regel das familiäre Umfeld, das ist völlig normal.“
„Die Kinder werden in anderen Einrichtungen besser gefördert.“ „Das mögen Sie so empfinden. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass unsere Kindertageseinrichtung den Bildungsplan sehr gewissenhaft umsetzt. Wir haben für die Umsetzung die Projektarbeit ausgewählt, weil dies derzeit die nachhaltigste und effektivste
Lernform für Kinder ist.“
„Sie verhindern die frühzeitige Einschulung unseres Kindes.“ „Ich beobachte die Kinder meiner Gruppe ganz gezielt. Diese Beobachtungen münden in Entwicklungsberichte für jedes Kind. Nach reiflicher Abwägung bin ich zu dem Urteil gekommen, dass Ihr Kind in einem weiteren Jahr im Kindergarten vieles lernen
könnte, wie beispielsweise Konzentration und Ausdauer.“

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