„Stehen Sie zu sich?“ So überprüfen und verändern Sie Ihre Wirkung positiv


25.09.2015
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Es geht uns allen manchmal so: Unser Gegenüber, sei es im Gespräch oder in der Straßenbahn, im Laden oder im Urlaub, reagiert auf uns „irgendwie komisch“ oder anders, als wir es erwartet hätten. Wir können es nicht so recht einschätzen: „Warum verhält sich der andere so? Hat es etwas mit mir zu tun?“

Gerade die letzte Frage stellt man sich häufig. Doch was ist „dran“ an der Vermutung, dass das Verhalten meines Gegenübers eine Reaktion auf mich und meine Persönlichkeit ist? Finden Sie dies mit den nachfolgenden Tipps heraus, und lernen Sie, sich so zu akzeptieren und / oder positiv zu verändern, damit auch Sie sagen können: „Ich stehe zu mir!“

 

1. Starten Sie eine Meinungsumfrage

Wenn Sie wirklich wissen möchten, wie Sie auf andere wirken: Dann fragen Sie doch ganz einfach nach! Zugegeben, es benötigt etwas Überwindung und das Bewusstsein „Es kann sein, dass ich Dinge gesagt bekomme, die ich nicht so gerne höre. Dann sollte ich mich darum bemühen, dies nicht als Angriff zu sehen und beleidigt zu reagieren, sondern als Chance für mehr Selbsterkenntnis und Weiterentwicklung meiner Person.“ Überlegen Sie sich, welche Menschen in Ihrem Familien- und Bekanntenkreis aus Ihrer Sicht dafür infrage kommen. Erklären Sie demjenigen, warum Sie ihm diese Fragen stellen und dass eine ehrliche und ungeschminkte Meinung für Sie wichtig ist. Folgende Fragen bieten sich hierfür an:

  • Wo siehst du meine Stärken?
  • Was sind meine Schwächen?
  • In welchen Situationen hattest du den Eindruck, dass du mich / mein Verhalten nicht verstehst?
  • Hast du eine Erklärung hierfür?
  • Wie nimmst du mich in einer Gruppe wahr, wie im Einzelkontakt?

Wenn Ihnen noch andere Gebiete auf dem Herzen liegen, ergänzen oder verändern Sie die Fragen.

 

2. Gehen Sie in sich

Nehmen Sie sich in einer ruhigen Minute Zeit, um über sich selbst nachzudenken. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

  • Welche Prägungen habe ich von meinen Eltern mitbekommen?
  • Welche Prägungen habe ich im Laufe des Erwachsenwerdens dazu erworben?
  • Habe ich Grundsätze übernommen, die anderen Personen gehören?
  • Welche dieser Prägungen mag ich, welche würde ich gerne verändern?

Es ist nachgewiesen, dass wir viele Verhaltensweisen im Laufe unseres Lebens übernehmen, sei es durch die Erziehung in der Familie, durch Freunde oder durch schlechte Erfahrungen, die wir gemacht haben. Hier kann es auch durchaus vorkommen, dass wir so genannte Glaubenssätze von anderen übernehmen: „Du bist gut, wenn du Erfolg hast.“ Wichtig ist nun, dass Sie sich ganz klar entscheiden, welche Grundsätze und Prägungen zu Ihnen gehören und wichtig sind und von welchen Sie sich verabschieden möchten. Denn auch das strahlen wir nach außen – unbewusst – aus. Hieraus können sogar Anforderungen werden, die wir „automatisch“ an andere, z. B. ein Kind unserer Einrichtung, übertragen. Und das sollte nicht sein!

 

 

3. Rekonstruieren Sie Situationen

Vergegenwärtigen Sie sich zudem eine Situation aus der Vergangenheit, in der sich Ihr Gegenüber seltsam verhalten hat. Nach allem, was Sie nun über sich gehört und selbst in Erfahrung gebracht haben, wird es Ihnen gelingen, diese Situation neutraler zu betrachten und anders zu bewerten. Überlegen Sie genau, wie Sie sich verhalten haben, was Sie gesagt und getan haben und wie der andere reagiert hat. Wichtig: Es geht hier nicht um eine Schuldzuweisung oder Bewertung, sondern lediglich darum, zu verstehen, warum der andere sich so verhalten hat und was das mit Ihnen zu tun hat.

Achtung: Bei allem Nachforschen kann es aber auch sein, dass in dieser Situation die komische Reaktion Ihres Gegenübers überhaupt nichts mit Ihnen zu tun hatte – sondern allein „seine Baustelle“ ist! Versuchen Sie also nie, krampfhaft einen Grund bei sich zu suchen.

 

4. Testen Sie sich aus

Nach all diesen Erkenntnissen können Sie sich vornehmen, in gewissen Situationen anders zu reagieren. Malen Sie sich eine Situation aus, die im Alltag immer wieder vorkommt. Dies können Anlässe sein, die bisher für Sie schwierig waren oder einem Verhaltensmuster entsprechen, das Sie ablegen möchten. Überlegen Sie sich Schritt für Schritt, wie Sie sich anders verhalten könnten. Wer nach einer Bitte oder Forderung immer eine Begründung oder Entschuldigung hinterherschiebt, nimmt sich nun vor, bei der nächsten Situation nur höflich die Bitte zu äußern. Haben Sie dabei Geduld mit sich: Übung macht den Meister!

 

5. Stehen Sie zu sich!

Keiner muss völlig fehlerfrei und ohne Macken sein: Also versuchen Sie nicht, sich komplett zu verändern. Auch müssen Sie sich nicht in allem und jedem den anderen anpassen. Gewisse Eigenheiten, Verhaltensweisen und Muster gehören zu Ihnen so individuell wie Ihr Fingerabdruck. Nehmen Sie diese an, stehen Sie dazu und leben Sie sie. Wenn Ihr Verhalten den anderen gegenüber weiterhin wertschätzend, respektvoll und höflich ist, werden auch die anderen Sie so annehmen, wie Sie sind: Denn so sind Sie liebenswert!

Von den Ergebnissen Ihrer Bemühungen profitieren Sie überall: egal, ob bei Elterngesprächen, im Kontakt mit dem Kind oder im Freundeskreis. Sie werden erleben, welche neuen Blickrichtungen sich Ihnen in den verschiedensten Situationen eröffnen, und Sie werden nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere und deren Verhalten sensibler: eine wichtige Voraussetzung für Erziehungsarbeit.

 

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