Kita-Lärm: Regelungen, Maßnahmen und 10 Tipps für Erzieher


10.01.2023

Kinder toben, lachen, spielen, schreien und weinen – und das ist auch gut so. Allerdings haben all diese Gefühlsäußerungen einen Nachteil. Sie sind in der Regel laut, insbesondere, wenn 10 oder 15 Kinder gleichzeitig miteinander interagieren. Das ist nicht nur für das Gehör der Kinder schlecht, sondern auch eine Herausforderung für die Erzieher. Und auch die Nachbarn einer Kita müssen regelmäßigen Lärm in Kauf nehmen.

Lärm in der Kita: Ab wann handelt es sich um Lärmbelästigung?

Von einer Lärmbelästigung ist in der Regel ab Werten über 55 dB am Tag und 40 dB in der Nacht die Rede. Lärm verursacht Stress, beeinträchtigt die Konzentration und kann sogar krank machen. 

Ab einem dauerhaften Lärm von 60 bis 65 Dezibel ist laut Lärmwirkungsforschung von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung die Rede. Um durch Lärm schwerhörig zu werden, muss der Tagespegel über einen langen Zeitraum mindestens 85 Dezibel (dB) betragen.

In Kindergärten kann es in Spitzen bis zu 117 dB laut werden, wie Pegelmessungen ergeben haben. Zum Vergleich: Ein Düsenjet, der in 100 Metern Entfernung startet, ist 100 dB laut – eine Kreissäge ebenfalls. Die Medianwerte der Lärmbelastung in einer Kindertageseinrichtung liegen bei 80 bis 85 dB, mit einem Spitzenpegel zum Teil deutlich darüber. Eigentlich müssen Arbeitgeber ab diesem Wert einen Gehörschutz zur Verfügung stellen. Es wird schnell klar: Der Lärm in der Kita kann belastend und auch belästigend sein. 

Wie sehr belastet Lärm in der Kita die Erzieher?

Viele Erzieher geben Kinderlärm als einen belastenden Faktor ihres Berufs an. Auch wenn die Toleranzgrenze jedes Menschen unterschiedlich ist, so kommt jeder Erzieher mal an den Punkt, dass der Lärm als stressig empfunden wird. Lärm kann starke körperliche und psychologische Auswirkungen haben:

  • Nervosität und Stress können den Blutdruck in die Höhe treiben und die Herzfrequenz erhöhen.
  • Schlechte Laune
  • Die Lernfähigkeit wird verringert
  • Die Anfälligkeit für Fehler steigt
  • Das Lebensgefühl wird beeinträchtigt
  • Depressionen können zunehmen
  • Bei einer hohen Lärmbelastung über lange Zeiträume kann es zu Hörschäden kommen

Dass der Kinderlärm bei Erziehern zu einer lärmbedingten Schwerhörigkeit führt, passiert allerdings selten. Das liegt daran, dass es auch leiste Stunden in der Kita gibt und nicht nur laute Stunden. Die Lärmbelastung liegt also nicht immer bei 85 dB. In Ruhephasen wie während des Vorlesens oder während des Mittagsschlafs hat auch das Gehör der Erzieher eine Pause.

Wer jedoch bei sich über längeren Zeitraum eine Gereiztheit feststellt, nachts schlecht schläft, müde ist, nervös ist und Herzrasen bemerkt, der sollte dem Thema Lärm auf den Grund gehen. Schließlich gibt es Möglichkeiten, wie es in der Kita leiser werden kann, wovon alle profitieren – Erzieher, Kinder und auch die Nachbarn.

Welche Rechte haben die Nachbarn eines Kindergartens?

Als Nachbar eines Kindergartens kann die Lärmbelästigung extrem sein. Allerdings gehen immer mehr Gerichte dazu über, Kindergartenlärm als sozialadäquat anzusehen und ihn nicht als Ruhestörung oder schädliche Umwelteinwirkung zu betrachten. Lange Zeit war das anders und in der Vergangenheit wurden auch Baustopps für Kindertageseinrichtungen im Wohngebiet beantragt, mit denen sich dann das Kitarecht beschäftige. Mittlerweile haben sich die Rechtsprechungen zu Gunsten der Kinder verschoben und Klagen von Nachbarn gegen den Bau eines Kindergartens oder gegen den Lärm auf einem Bolzplatz haben in der Regel keinen Erfolg mehr. 

Wenn nachgewiesen werden kann, dass das Verhalten der Kinder über das sozialadäquate, zumutbare Maß hinaus geht oder als Vandalismus eingestuft werden kann, dann haben Anwohner eine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Doch bevor dieser Schritt getan wird, empfiehlt es sich, mit der Kitaleitung zu sprechen. Schon mit einer verstärkten Aufsicht in den Außenbereichen kann Lärm besser reguliert und eventueller Vandalismus reduziert werden. 

Grundsätzlich gilt Kinderlärm aber als ein Ausdruck der kindlichen Entfaltung und gehört zu einer kindgerechten Entwicklung dazu – so sehen es auch die Gerichte. Nachbarn bleibt daher in den meisten Fällen nichts anderes übrig als ihn zu tolerieren. 

Kita-Lärm senken: 10 Tipps für Kita-Leitung und Erzieher 

Um Kita-Lärm zu senken gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Veränderte Raumnutzung 
  • Optimierung der Einrichtung für einen besseren Schallschutz
  • Veränderte Organisation
  • Pädagogische Maßnahmen
  • Lärmschutz

Tipp 1: Nachhallzeit optimieren

Die Nachhallzeit beeinflusst das Lautstärkeempfinden. Dämpfen Sie daher so viel Schall wie möglich, mit:

  • Filzgleitern unter Stühlen, Tischbeinen und Kisten
  • Teppichen 
  • Gummierten Tischdecken
  • Raumdekoration mit schallschluckenden Materialien
  • Raumtrennern aus Filz, die Lärm absorbieren

Das alles muss unter Berücksichtigung der Brandschutzverordnung geschehen.

Tipp 2: Raumnutzung verändern

Mit Flüsterzonen, Vorleseecken und Ruhezonen können in den Räumlichkeiten einer Kita Bereiche geschaffen werden, in denen es stiller ist. Diese können auch gemeinsam mit den Kindern gestaltet werden. Im Gegenzug dazu muss es allerdings auch Ecken zum Toben geben, in denen die Kinder laut sein dürfen.

Gemeinsam mit der Kitaleitung und den Erziehern und ggf. auch dem Träger die Räume abzugehen, bestehende Lärmquellen zu untersuchen und Optimierungen zu planen, sorgt für neue Ideen hinsichtlich des Lärmschutzes. Das Umstellen von Möbeln und eine veränderte Nutzung von Räumen (zum Beispiel Ruheraum und Tobe-Ecke tauschen, weil es die Akustik möglicherweise verbessert) kann die Situation verbessern.

Tipp 3: Organisation und Abläufe ändern

Indem zunächst analysiert wird, woher der Lärm kommt, wann er da ist und wie lange er anhält, können Abläufe anschließend geändert werden. Ist der Lärm zum Beispiel an einem bestimmten Wochentag stark oder während der Mahlzeiten oder beim Umziehen? Mit einem Lärmprotokoll lassen sich Lärmquellen und –zeiten identifizieren und Abläufe ändern. So können die Kinder beispielsweise in zwei aufeinanderfolgenden Gruppen essen und für das Toben draußen umgezogen werden. Auch ein Lärmometer bzw. eine Lärmampel, die den Kindern mit Grün, Gelb und Rot spielerisch aufzeigt, wann es zu laut ist, kann helfen. So bekommen auch sie ein Gefühl dafür, was Lärm auslösen kann.

Tipp 4: Ruhezeiten einführen

Mit regelmäßigem Vorlesen und Ruhezeiten können ruhige Phasen in den Kindergartenalltag eingebaut werden. So kann die eine Gruppe draußen toben, während die andere Gruppe drinnen ihre Ruhe hat. Auch für Erzieher bietet das die Möglichkeit, sich eine Lärmauszeit nehmen zu können.  

Tipp 5: Mit den Kindern in den Wald gehen

Mit den Kindern rauszugehen, hilft zwar nicht gegen Lärmbelästigung, tut aber der Psyche gut. Ausflüge in den Wald wirken beruhigend und können das persönliche Stressempfinden reduzieren. Auch können die Kinder im Wald dafür geschult werden, dass sie die Umgebungsgeräusche nur hören, wenn sie selbst still sind.

Tipp 6: Kein grelles Licht

Neonleuchten erhöhen das Aktivitätsniveau, da es Kindern bei grellem Licht schwerfällt, zur Ruhe zu kommen. Mit gedämpftem Licht kann die Atmosphäre in der Kita bewusst gesteuert werden, wenn zum Beispiel zum Vorlesen oder Mittagsschlaf die Lampen gedimmt werden. 

Tipp 7: Das richtige Spielzeug nutzen

Spielzeug kann viel Krach machen. Durch die Auswahl der richtigen Spielzeuge und das Meiden zu lauter Gegenstände kann Lärm reduziert werden:

  • Bälle und andere Spielzeuge wie Bauklötze aus Schaumstoff statt aus Gummi, Plastik oder Holz (auch das Verletzungsrisiko wird dadurch reduziert)
  • Keine Rasseln
  • Keine Trommeln
  • Batterien aus Elektrogeräten nehmen

Tipp 8: Keine zusätzliche Musik

Den ganzen Tag Musik oder Hörspiele laufen zu haben, sorgt ebenfalls für Lärm. Auf musikalische Untermalung zu verzichten, sollte der erste Schritt sein, um Lautstärke zu reduzieren. Denn sie regt die Kinder dazu an, gegen die Musik anzusprechen, wodurch es noch lauter wird.

Tipp 9: Bauliche Veränderungen

Wenn nichts hilft, die Lärmbelastung zu extrem ist und die Mitarbeiter zu stark unter dem Lärm leiden, dann muss der Träger eventuell bauliche Veränderungen durchführen. Ihn für einen Tag in die Kita einzuladen, um den Geräuschpegel selbst zu erleben, kann dabei helfen, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Tipp 10: Lärmschutz

Ohrschützer sind zwar aus pädagogischer Sicht nicht förderlich, aber wenn ein Erzieher zu stark unter dem Lärm leidet, dann können sie eine Option sein. Ab einer konstanten Lärmbelastung von 85 Dezibel müssen Arbeitgeber diese zur Verfügung stellen. Zumindest in Zwischenphasen oder Pausen können sie Erziehern eine Hilfe sein, um dem Gehör eine kurze Pause zu gönnen.

Fazit: Lärm in der Kita: Belastend aber lösbar

So ganz wird sich Lärm in der Kita nie vermeiden lassen können. Schließlich gehören das Toben und Spielen zur kindlichen Entwicklung dazu. Allerdings kann er zur Belastung für die Erzieher und auch die Kinder selbst werden und für die Anwohner zur Belästigung. Durch verschiedene räumliche, pädagogische und organisatorische Maßnahmen lässt sich Lärm aber reduzieren, sodass es insgesamt für alle leiser wird und Ruhephasen zwischendurch das nötigte Verschnaufen ermöglichen.


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