Zusammenarbeit mit Eltern – Unterstützen Sie die Sprachentwicklung


04.03.2016
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Mika wurde in Deutschland geboren, doch seine Familiensprache ist nicht Deutsch. Er soll in Ihrer Kita Deutsch lernen – das ist der große Wunsch der Eltern. Sie wissen, dass die deutsche Sprache eine der Grundvoraussetzungen ist, dass Mika in seiner neuen Heimat dazugehört.

Doch nicht nur Sie können Mika bei der Sprachentwicklung unterstützen, nehmen Sie auch die Eltern mit in die Verantwortung. Dabei müssen sie selbst nicht unbedingt gute Deutschkenntnisse besitzen, um ihrem Kind beim Lernen der Sprache zu helfen. Folgende Punkte sind für Ihre Beratung wichtig:

 

1. Auch die Familiensprache der Eltern ist für die Sprachentwicklung wichtig

Je weniger die Eltern Deutsch sprechen, desto wichtiger ist es, dass Sie sich mit ihnen über die Sprachentwicklung ihres Kindes austauschen. Bitten Sie die Familie, einen Dolmetscher mitzubringen. Denn mit einer Vertrauensperson fällt den Eltern das Gespräch sicher leichter. Manchmal können bereits ältere Geschwister dabei weiterhelfen. Kennt die Familie niemanden, der dolmetschen kann, dann wenden Sie sich an Ihre Stadt oder Gemeinde. Dort kann man Ihnen sicher weiterhelfen. Auch Ausländerbeiräte vermitteln Dolmetscher.
„Ihr müsst Deutsch mit eurem Kind sprechen!“, das hören die Eltern immer wieder. Das ist dann eine kuriose Aufforderung, wenn die Eltern selbst große Schwierigkeiten damit haben. Zudem ist die Familiensprache ein wichtiger Teil der Identität, den die Eltern ihrem Kind nicht nehmen wollen und auch nicht nehmen sollten.
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Denn auch die Familiensprache kann die Grundbausteine für den Deutschspracherwerb bilden: Grammatische Regeln und der Wortschatz legen „Trampelpfade“ im Gehirn an, die die Kinder auch für das Deutschlernen nutzen. Beherrschen die Kinder z. B. den richtigen Satzbau in ihrer Familiensprache, dann werden sie diesen auch im Deutschen schnell lernen.
Deshalb sollten die Eltern möglichst viel in ihrer Familiensprache mit ihrem Kind sprechen. Denn mit der Förderung der Erstsprache legen die Eltern eine wichtige Grundlage für die Zweitsprache Deutsch und somit für die Sprachentwicklung.

Bitten Sie die Eltern ganz konkret, ihrem Kind jeden Abend eine Geschichte zu erzählen. Denn oft kennen Kinder Sprache nur im unmittelbaren Handlungszusammenhang, z. B. „Wir gehen jetzt einkaufen!“ oder „Hilfst du mir tragen?“ Doch mit Geschichten erlebt das Kind eine abstrakte Ebene der Sprache. Es erfährt, dass mit Sprache eine neue Welt erschaffen werden kann, über Zukunft und Vergangenheit gesprochen wird und dass Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse mitgeteilt werden können. Auch dieses Wissen um die Abstraktion der Sprache wird das Kind beim Deutschlernen wieder anwenden.

2. „Deutsche“ Kontakte zur Förderung der Sprachentwicklung

Kontakte zu deutschen Kindern und Erwachsenen auch außerhalb Ihrer Kita fördern das Kind weiter in der Anwendung der Sprache. Denn je mehr und je spielerischer sich das Kind in der Sprache übt, desto leichter und ungezwungener wird es sie sprechen. Durch Kontakte am Nachmittag mit deutschen Kindern wird das Kind immer besser in sein Umfeld integriert und ist hochmotiviert, die Sprache zu lernen.
Berichten Sie den Eltern von den Freundschaften des Kindes und ermutigen Sie dazu, diese Kontakte auch außerhalb Ihrer Kita zu pflegen. Bieten Sie den Eltern an, die ersten Kontakte herzustellen, und stellen Sie die Eltern, z. B. während der Abholzeit oder eines Elternabends, einander vor.
Auch beim Lernen der deutschen Sprache sind die Eltern ihrem Kind ein Vorbild. Es ist wichtig, dass das Kind spürt: „Diese Sprache hat auch für meine Eltern eine Bedeutung!“ Möglicherweise gibt es ein Eltern-Café in Ihrer Kita, um vor allem den Müttern die Gelegenheit zu bieten, ihre Deutschkenntnisse zu erweitern und ebenfalls Kontakte zu anderen zu knüpfen. Ermutigen Sie die Mütter und Väter, dass sie vor allem dann willkommen sind, wenn sie kaum Deutsch sprechen.

3. Sprachenwicklung durch Hilfestellungen unterstützen

Bei allem Bemühen und der Berücksichtigung, dass jede Sprachentwicklung individuell verläuft, besteht doch die Möglichkeit, dass das Kind Sprachauffälligkeiten zeigt. Das ist der Fall, wenn das Kind
  • sich in der deutschen Sprache auch über einen längeren Zeitraum hinweg nicht weiterentwickelt,
  • bereits 4 Jahre oder älter ist und die beiden Sprachen nicht auseinander halten kann und diese häufig vermischt,
  • bereits 5 Jahre oder älter ist und noch Laute oder Lautverbindungen fehlen oder
  • nach mehreren Monaten keine deutschen Wörter oder überhaupt nicht spricht.
Machen Sie die Eltern darauf aufmerksam, dass sie sich bei Sprachauffälligkeiten ihres Kindes logopädische Hilfe holen. Den Eltern fällt das leichter, wenn Sie bereits einige Adressen zur Hand haben oder Sie nach Absprache auch den ersten Kontakt herstellen.
Mit diesen 3 wichtigen Punkten nehmen Sie die Eltern mit ihrer Geschichte und ihrer Persönlichkeit ernst. So werden die Eltern spüren, dass Sie ihre Unterstützung brauchen und Sie großen Wert auf die Erziehungspartnerschaft legen. Damit sind alle Grundvoraussetzungen für eine gelingende Inklusion
von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund erfüllt.
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