Wertschätzende Konfliktlösung mit Kita-Eltern


24.02.2017
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„Sie haben Ihre Aufsichtspflicht verletzt“ oder „Das Kleid meiner Tochter war nagelneu, jetzt ist es hinüber!“ Solche oder ähnliche Vorwürfe von emotional erregten Eltern haben Sie sicher schon oft gehört. Denn schließlich gibt es in der Kita tatsächlich Situationen, in denen es zu Konflikten mit den Eltern kommen kann.

 

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Beispielsweise wenn sich die Kleinkinder in der Kita verletzt haben, wenn Kleidung verschmutzt wird oder wenn ein Kind eine lange und schwierige Eingewöhnungsphase durchmacht. Dann heißt es für Sie: Tief durchatmen und überlegt handeln. Wichtig ist es, den Konflikt zu lösen, ohne dass die Erziehungspartnerschaft darunter leidet.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Konflikt mit den Eltern austragen und ihnen weiter­ hin eine unbedingte Wertschätzung entgegenbringen. Wichtig ist dabei besonders: Versetzen Sie sich in Ihren Konfliktpartner hinein.

Praxisbeispiel: In einem Aufnahmegespräch reagiert eine Mutter völlig empört darauf, dass ihr 1 Jahr alter Sohn die Freispielzeit in der Krippe nicht im Lauf­ stall verbringt. Sie sagt, er sei so aktiv und wild, dass er sich zu Hause sofort verletzt, wenn er außerhalb des Laufstalls spielt.

Sie fühlen sich ein und zeigen Verständnis: „Wenn Kinder laufen lernen und immer mobiler werden, kann das ganz schön anstrengend sein. Ich verstehe, dass Sie Ihren Sohn vor Verletzungen schützen wollen. Das möchten wir auch.“

Sie erklären fachlich und sachlich Ihren Standpunkt: „Ihr Sohn lernt nur dann, seine Bewegungen zu kontrollieren und mögliche Gefahren einzuschätzen, wenn er sich frei bewegen kann. Es gehört zu meinen Bildungsaufgaben, dass ich den Kleinkindern in der Freispielzeit die Möglichkeit gebe, den Raum zu erkunden.“

„Fallen und Stolpern gehören zum Laufenlernen dazu. Unsere Räume sind so eingerichtet, dass sie den Kleinkindern besonders vielfältige Herausforderungen für ihren natürlichen Bewegungsdrang bieten. Wir achten darauf, dass unsere Räume keine Gefahren für die Kinder bergen.“

„Die Räume entsprechen den aktuellen pädagogischen Standards. Beispielsweise hat die Treppe der Podestlandschaft kein Absperrgitter. Ein Laufstall widerspricht unserer Konzeption und behindert die Bewegungsentwicklung Ihres Sohnes.“

Demonstrieren Sie Offenheit: „Ich möchte Sie gern dazu einladen, sich doch einmal die Spielsituation während der Freispielzeit anzuschauen, dann gewinnen Sie sicher Vertrauen, dass alles zum Wohle der Kinder gestaltet ist.“

 

Nehmen Sie sich Zeit für schwierige Gespräche

Auch in gut funktionierenden Erziehungspartnerschaften sind Konflikte zwischen Eltern und Erziehern nicht aus­ geschlossen. Schließlich ist das eigene Kind keine rationale, sondern eine hoch­ emotionale Thematik. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gefühle immer mitschwingen, ja manchmal dominieren.

Wenn Sie sich von Eltern und ihren Beschwerden überrumpelt fühlen und keine Zeit haben, um angemessen darauf zu reagieren, vereinbaren Sie einen Gesprächstermin. Die Zeit bis zum Gesprächstermin können Sie nutzen, um sich in die Eltern hineinzuversetzen und das Problem aus deren Perspektive zu betrachten.

So reflektieren Sie Ihre Haltung in Gesprächen: Mit dem folgenden Reflexionsbogen können Sie sich auf mögliche Konfliktsituationen vorbereiten. Die aufgeführten Punkte werden Sie dazu animieren, den Eltern gegenüber besonders verantwortungsvoll zu argumentieren und sich klar und ehrlich auszudrücken.

 

Reflexionsbogen: So kann ich Eltern auch in Konfliktsituationen respektvoll und aufmerksam begegnen

Ich zeige den Eltern meine Wertschätzung, indem ich …

… meine Gedanken über sie, die zu Wut, Ärger und Aggressionen führen, zu verstehen versuche und damit abbaue.

… Kritik, Forderungen oder Vorwürfe der Eltern nicht persönlich nehme, sondern versuche, ihre Gründe durch empathisches Verhalten zu verstehen.

… auch meine eigenen Bedürfnisse/meine eigene Sichtweise in Bezug auf meine pädagogische Arbeit vor den Eltern verständlich und eindeutig formuliere.

… meine Anliegen und Vorhaben den Eltern gegenüber klar kommuniziere, ohne die bestehende Erziehungspartnerschaft zu gefährden.

… in Konfliktsituationen umsetzbare Handlungsempfehlungen erarbeite, die die Anliegen aller Beteiligten im Auge behalten.

… meine Grundhaltung „Akzeptanz und einfühlendes Verstehen“ auch in Konfliktsituationen beibehalte.

Auswertung: Wenn Sie in Konfliktsituationen mit Eltern diese Punkte beachten, gelingt Ihnen ein professionelles Konfliktgespräch: Sie sagen den Eltern Ihre ehrliche Meinung, ohne sie als Personen abzulehnen. Damit wahren Sie Ihre Professionalität und können das Problem auf sachliche Weise – gemeinsam mit den Eltern – lösen.

 

Fazit

Konflikte mit Eltern können auch in einer harmonischen Erziehungspartnerschaft entstehen. Um professionell zu reagieren, ist es wichtig, dass Sie Beschwerden und Anliegen der Eltern nicht als persönlichen Angriff sehen. Zeigen Sie den Eltern, dass Sie ihre Bedenken und Kritik ernst nehmen. Doch erklären Sie sachlich und ehrlich Ihre Position und die Gründe für Ihr Verhalten. Und betrachten Sie es auch von dieser Seite: Offen vorgetragene Beschwerden von Eltern zeugen von Vertrauen, das Ihnen entgegengebracht wird.

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