Die Kunst des „Loslassens“ – Eltern in 3 Schritten unterstützen


08.02.2016
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„Ach, ich bin mir gar nicht sicher, ob ich Kai wirklich in der Krippe lassen soll. Er ist doch noch so klein, und ich sehe dann gar nicht, was er den ganzen Tag über macht“, wendet sich Kais Mutter am 4. Tag der Eingewöhnung an die Erzieherin. Die Erzieherin möchte die Mutter gerne unterstützen. Aber wie kann sie ihr in dieser Situation am besten begegnen?

Loslassen ist für Eltern schwer

Wenn Eltern ihr Kleinstkind in eine Kita oder Krippe geben, ist es für sie meist das erste Mal, dass sie ihr Kind über längere Zeit nicht um sich haben. Außerdem gibt es da plötzlich noch andere Personen, zu denen ihr Kind eine Beziehung aufbaut. Und diesen Personen müssen sie nun auch die Sorge um das Wohl ihres Kindes übertragen. Dieses Loslassen des eigenen Kindes in dieser neuen Situation kann bei manchen Eltern Unsicherheit und Angst hervorrufen. Es ist wichtig, dass Sie sich dies immer wieder bewusst machen. Denn dann fällt es Ihnen leichter, mögliche Gefühlsausbrüche der Eltern nicht persönlich zu nehmen.

Unterstützen Sie Eltern beim „Abnabeln“

Damit Sie Eltern in dieser für sie schwierigen Phase unterstützen können, sollten Sie folgende 3 Schritte berücksichtigen:

1. Schritt: Zeigen Sie Verständnis

Die Trennung vom Kind fällt vielen Eltern gerade in der ersten Zeit schwer. Hilfreich ist es darum, wenn Eltern sich von Ihnen verstanden fühlen. Nehmen Sie deshalb die Gefühle der Eltern ernst. Helfen Sie ihnen, ihre Ängste offen anzusprechen. Vermitteln Sie den Eltern auch, dass sie sich nicht für ihre Gefühle schämen müssen, sondern dass die ein oder andere Träne beim Abschied völlig in Ordnung ist. Spiegeln Sie den Eltern, was Sie sehen und wahrnehmen, und fassen Sie dies am besten mit Ihren eigenen Worten zusammen.
Das könnten Sie konkret sagen:
„Ihnen fällt der Abschied von Ihrem Kind im Augenblick sehr schwer. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, das eigene Kind für einige Stunden woanders zu lassen.“

 

2. Schritt: Treten Sie nicht in Konkurrenz

Eine große Angst von Eltern ist es häufig, dass sie denken, plötzlich nicht mehr die wichtigste Person im Leben ihres Kindes zu sein. Vermitteln Sie ihnen durch gut gemeinte Ratschläge jetzt auf keinen Fall das Gefühl, besser als die Eltern zu wissen, was gut für das Kind ist. Denn so würden Sie die Ängste der Eltern nur noch verstärken und eine Konkurrenz für Vater oder Mutter darstellen. Dadurch wäre eine gute Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes unmöglich. Machen Sie den Eltern stattdessen klar, dass sie immer die Eltern und somit wichtigste Bezugsperson des Kindes bleiben werden.
Das könnten Sie konkret sagen:
„Sie als Vater / Mutter kennen Ihr Kind am besten und wissen, was ihm gut tut. Darum ist es wichtig, dass Sie uns in der Kita dabei unterstützen, Ihr Kind besser kennen zu lernen.“

3. Schritt: Treffen Sie gemeinsam Absprachen

Eltern fällt es leichter, sich auf etwas einzulassen, wenn sie bei Abmachungen mitreden können. Darum sollten Sie Eltern einbeziehen, wenn es darum geht, eine Lösung für das Problem des Loslassens zu finden. Wenn Eltern sich schwer verabschieden können, sollten Sie so flexibel sein, einzelne Phasen konkret mit den Eltern durchzusprechen und Verabredungen treffen. Fragen Sie bei den Eltern nach, was ihnen helfen könnte, sich leichter zu trennen. Sicherlich lässt sich der ein oder andere Vorschlag auch in Ihr Eingewöhnungskonzept integrieren. Eltern gibt es ein gutes Gefühl, wenn sie merken, dass der Ablösungsprozess in Ihrer Kita oder Krippe individuell gestaltet wird.

Das könnten Sie konkret sagen: 

„Was würde Ihnen den Abschied etwas erleichtern? Bestimmt finden wir gemeinsam einen Weg, wie die Trennung für Sie und Ihr Kind leichter wird.“

Bleiben Sie weiterhin in engem Kontakt 

Wenn Eltern das Gefühl haben, ihnen wird nichts „weggenommen“ und sie sind immer noch die primäre Bezugsperson für ihr Kind, fällt das Loslassen sicherlich leichter. Damit Sie das Vertrauen der Eltern und die Bereitschaft der Zusammenarbeit festigen, sollten Sie auf alle Fälle regelmäßigen Kontakt suchen. Dazu
gehören tägliche Informationen über den Tag ihres Kindes in Kita oder Krippe, die Sie in Tür- und Angelgesprächen weitergeben können.
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