Schon Kleinkinder können anderen Menschen helfen – So fördern Sie dieses Verhalten aktiv


10.10.2018

Kleinkinder sind bereits ab dem 2. Lebensjahr in der Lage, anderen Menschen zu helfen. Helfen gehört wie Teilen und Trösten zu den prosozialen Verhaltensweisen. Diese lernen Kleinkinder durch Vorbilder. Ich zeige Ihnen, wie Sie dieses Verhalten bei Kleinkindern fördern und wie wichtig es ist, kulturelle Besonderheiten zu kennen, denn diese haben einen Einfluss darauf, warum Kleinkinder helfen.

Verhalten Sie sich vorbildlich

Kleinkinder lernen Werte wie Hilfsbereitschaft durch Ihr vorbildliches Verhalten.

Wenn Sie möchten, dass Kleinkinder hilfsbereit sind, zeigen Sie sich genauso hilfsbereit. Begleiten Sie das durch Sprache, denn so sensibilisieren Sie die Kleinkinder für die Situation. So lernen die Kleinkinder, wie man sich in einer Situation, in der jemand Unterstützung benötigt, angemessen verhält und was soziales Handeln bedeutet.

Lob und Anerkennung schenken

Loben Sie, wenn Kleinkinder anderen Menschen helfen. Hierzu gehören auch kleine Dinge, wie das Aufheben eines Gegenstandes, der heruntergefallen ist, oder die Hilfe beim Tischdecken. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass Kleinkinder wahrnehmen, wenn jemand Unterstützung benötigt, und diese von selbst anbieten.

Verzichten Sie aber auf materielle Belohnungen, denn diese sind eher entwicklungshemmend.

Wahre Hilfsbereitschaft lässt sich nicht durch Strafen oder Schimpfen erzwingen. Verzichten Sie darauf, ein Kleinkind zu rügen, weil es nicht von sich aus geholfen hat. Loben Sie vielmehr die Kleinkinder, die sich prosozial verhalten haben. Manchmal reicht schon ein Satz wie: „Toll, dass du geholfen hast“, um Kleinkinder zu motivieren, sich beim nächsten Mal ebenso zu verhalten.

Beziehen Sie Kleinkinder beim Alltagsaktivitäten mit ein

Übertragen Sie den Kleinkindern überschaubare Aufgaben wie beim Tischdecken zu helfen oder einen Gegenstand der Kollegin zu überbringen. Solche Aufgaben haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von prosozialen Verhaltensweisen.

Fragen Sie direkt: „Kannst du mir bitte helfen?“ Loben Sie das Kleinkind für seine Unterstützung.

Sagen Sie nicht zu einem Kleinkind, das helfen möchte: „Das kannst du nicht“, oder „Dafür bist du noch viel zu klein“, sondern beziehen Sie die Kleinkinder mit ein, indem Sie ihnen kleine Aufgaben übertragen, die sie schon erledigen können, oder indem Sie gemeinsam etwas machen.

Kleinkindern helfen ist kulturell unterschiedlich

Dass wir anderen Menschen helfen, wird in allen Kulturen als wichtig erachtet. Das steht außer Frage. Dennoch sind die Art und Weise sowie der Hintergrund, warum wir Menschen helfen, zum Teil sehr unterschiedlich. Diese Tatsache sollen Sie immer im Hinterkopf haben. Sie wird Ihnen in manchen Situationen ein „Aha-Erlebnis“ bereiten. So wie in der folgenden Übersicht dargestellt, hat es einen großen Einfluss auf das Verhalten der Kleinkinder.

Diese kulturellen Unterschiede sollten Sie respektieren

Kultureller UnterschiedSo zeigt es sich z. B. im Alltag
In westlichen Kulturen nimmt
die Autonomie des Kindes einen
bedeutenden Stellenwert ein.
Daher ist es uns wichtig, dass
das Helfen aus freien Stücken
geschieht und nicht aus einer
gesellschaftlichen Verpflichtung
heraus
Familie Maier stammt aus Deutschland. Herr und
Frau Maier erzählen im Elterngespräch, dass es
ihnen in der Erziehung wichtig ist, dass ihre Tochter
Lena möglichst selbstbestimmt aufwächst.
Sie möchten, dass Lena lernt, anderen Menschen
zu helfen. Dies soll aber aus freien Stücken geschehen
und nicht aus Zwang oder durch Druck.
Wenn Lena im Kita-Alltag bemerkt, dass ein Kleinkind
Hilfe braucht und selbst beschäftigt ist, reagiert
sie unterschiedlich. Manchmal wartet sie ab,
ob eine andere Person hilft, und manchmal läuft
sie sofort los, um dem Kind zu helfen.
In nicht westlichen Kulturen
wird das Helfen durch die sozialen
Strukturen bestimmt. Man
ist quasi verpflichtet, einer sozial
höher gestellten Person
(z. B. aufgrund des Alters oder
des Status) zu helfen und so
seinen Gehorsam zu zeigen.
Familie Mensah stammt aus Afrika. Die Eltern
erklären im Elterngespräch, dass es ihnen wichtig
ist, dass Samira Respekt und Wertschätzung gegenüber
Erwachsenen zeigt und allen Menschen
gegenüber stets hilfsbereit ist. Dies sind für sie
wichtige Werte in der Erziehung, und sie bitten,
darauf zu achten, dass Samira dies lernt. Sie merken
im Gruppenalltag, dass Samira immer die Erste
ist, die Ihnen hilft und dabei oftmals ihre eigenen
Bedürfnisse vernachlässigt.

Respektieren Sie diese unterschiedlichen Erziehungswerte. Behalten Sie immer im Auge, dass viele Werte kulturspezifisch anders gelebt werden. Diese Unterschiede haben einen großen Einfluss auf das Erziehungsverhalten und dadurch auch auf das Verhalten der Kleinkinder. Fördern Sie das Verhalten der Kinder individuell.


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