Geschwisterkinder in einer Gruppe integrieren


07.07.2017
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Geschwister lieben sich und sie streiten sich. Manchmal nacheinander, manchmal gleichzeitig. Darum sind Geschwisterbeziehungen so einzigartig. Sie gehören zu den wichtigsten und dauerhaftesten Bindungen im Leben eines Menschen. In einer Kita-Gruppe können sie jedoch zu einer besonderen Herausforderung für Ihr Team werden. Lesen Sie hier, wie es Ihnen in der Kita gelingt, Geschwister in einer Gruppe zu integrieren.

 

Praxisbeispiel

Rina und Lotte sind Geschwister im Alter von 5 und 3 Jahren. Unlängst sind sie mit ihren Eltern von Hamburg nach Köln gezogen. Beim Anmeldegespräch in der Kita sind die Eltern sich uneinig. Der Vater der Kinder möchte sie in getrennten Gruppen unterbringen, weil er der Meinung ist, dass sich Geschwister unabhängig voneinander besser entwickeln können. Die Mutter drängt darauf, die beiden in eine Gruppe aufzunehmen, da sie auch zu Hause ein Herz und eine Seele sind. Wie soll die Kita-Leiterin entscheiden?

So gehen Sie vor

Das Praxisbeispiel zeigt: Es gibt immer noch Vorbehalte dagegen, Geschwisterkinder in derselben Gruppe betreuen zu lassen. Oft herrscht die Meinung vor, dass sich beide in ihrer Entwicklung hemmen könnten und die Kinder sich unabhängiger und freier entwickeln, wenn sie getrennt voneinander betreut werden. Wir haben für Sie die aktuelle Geschwisterforschung befragt und auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse die folgenden Tipps für Sie zusammengestellt:

Beurteilen Sie Geschwister unabhängig voneinander

Fällen Sie mit Ihren Aussagen niemals ein Urteil, das Geschwister miteinander vergleicht. Dadurch werten Sie zwangsläufig ein Geschwisterkind ab. Versuchen Sie, die Geschwister immer unabhängig voneinander zu beobachten und deren Entwicklung einzuschätzen.

Tipp: Wenn Ihnen die unabhängige Betrachtung schwer fällt, teilen Sie sich die Aufgabe mit einem Kollegen. Jeder sollte ein Kind beobachten und ein unabhängiges Entwicklungsgespräch mit dessen Eltern durchführen.

Berücksichtigen Sie die Geschwisterstellung

Ältere Geschwister oder Erstgeborene übernehmen oft unbewusst die Führungsrolle und die Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind. Jüngeren Kindern, wie beispielsweise den Nesthäkchen oder den so genannten Sandwichkindern, fällt es dagegen schwerer, sich ohne ihr älteres Geschwisterkind einzuleben, eine eigene Identität zu entwickeln oder gar eigene Ideen durchzusetzen.

In der Kindergruppe belassen Sie deshalb die Geschwister erst einmal in ihren gewohnten Rollen. Wenn das jüngere Kind sicher eingewöhnt ist, können sie die Geschwister gelegentlich trennen, z. B. sie in separate altershomogene Kleingruppen einteilen (etwa für eine zeitlich begrenzte Projektarbeit). In diesen Gruppen können die Geschwister unabhängig voneinander soziale Kontakte pflegen und Freundschaften zu Gleichaltrigen aufbauen.

Auseinandersetzungen unter Geschwistern sind wichtig

Je geringer der Altersunterschied zwischen den Geschwistern, desto wahrscheinlicher ist es, dass es auch in der Kita häufig zum Streit unter den Geschwistern kommt.

Beobachten Sie die streitenden Geschwister und greifen Sie nur im Notfall ein, etwa wenn ein Kind anhaltend gedemütigt wird. Meist finden Geschwister in der Kita jedoch selbst wieder aus dem Streit heraus, indem sie sich anderen Spielpartnern zuwenden oder gemeinsam einen Kompromiss aushandeln.

Wenn Sie eingreifen möchten, handeln Sie z. B. folgendermaßen:

  • Treten Sie als Moderator und Konfliktbegleiter auf.
  • Helfen Sie den Kindern dabei, sich zu beruhigen.
  • Danach darf jedes Kind seine Sicht schildern.
  • Jedes Kind kann eine Lösung vorschlagen.
  • Moderieren Sie, ob die Kinder sich auf einen Lösungsvorschlag einigen können.

Wenn die Geschwister sehr häufig miteinander streiten, sollten Sie gemeinsam mit den Geschwisterkindern Regeln aufstellen (z. B. eine feste Sitzordnung beim Mittagessen). Legen Sie dabei Situationen fest, in denen niemals gestritten wird, z. B. beim Mittagessen oder bei der Kinderkonferenz. Regeln helfen, Streit zu vermeiden.

Begleiten Sie die Geschwisterkinder ganz engmaschig, bis Sie den Eindruck erhalten, dass sie weniger miteinander streiten und besser mit der Geschwistersituation umgehen können.

Sollte sich kein Fortschritt zeigen, wäre es unter Umständen besser, die Kinder in 2 getrennt Kita-Gruppen zu geben. Besprechen Sie dies auf alle Fälle zunächst mit den Eltern und holen Sie deren Zustimmung ein.

Fazit

Geschwister in der Kita-Gruppe können eine Bereicherung sein. Achten Sie jedoch darauf, kein Kind mit dem Geschwisterkind zu vergleichen, die Rollen in der Geschwisterkonstellation zu respektieren, eine Trennung erst nach sicherer Eingewöhnung des jüngeren Kindes herbeizuführen und im Streitfall besonders beobachtend und sensibel zu reagieren. Beraten Sie auch die Eltern der Geschwister. Denn Eltern sind oft unsicher, welcher Weg der richtige für ihre Kinder ist. Erklären Sie den Eltern, dass Streit auch immer zum Leben der Geschwisterkinder gehören wird.

 

 

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