Pferdegeschichte: Vom Pferd, das Eier legt


16.01.2014

Eine Pferdegeschichte für Kinder ab 3 Jahren.

Maria erwachte und schlug die Augen auf. Ein Glücksgefühl breitete sich in ihr aus: Sie machte Ferien auf dem Reiterhof! „Juhu, es geht los, ihr Pferde, ich komme!“, rief sie. Schnell zog sie sich an und war schon auf dem Weg in den Pferdestall zu ihrem Ferienpony Nero. So früh am Morgen war noch alles ruhig.

Eier im Heu

Als sie die schwere Stalltür aufschob, war sie sehr gespannt, denn gestern war etwas Merkwürdiges passiert! Maria öffnete die Box ihres Ferienponys Nero, streichelte es abwesend und schaute in die Heutraufe. Tatsächlich! Da lag wieder eines! Schneeweiß und sauber lag dort ein Ei. Vorsichtig steckte sie es in ihre Jackentasche. Damit ging sie zurück zu Mona, mit der Maria ihr Ferienzimmer teilte. „Seit wann gibt es Pferde, die Eier legen?“, überlegte sie.

Ostern war längst vorbei und die Geschichte mit dem Osterhasen – na ja! Mona schlief noch. Maria schüttelte sie leicht und hielt ihr wortlos das Ei vor die Nase. „Was ist?“, gähnte Mona. „Na was! Rate mal, wo ich das Ei herhabe!“ Mona richtete sich auf, da fiel auch ihr alles wieder ein: Das Ei von gestern hatte der Pferdepfleger gefunden, lauthals gelacht und allen Kindern davon erzählt. „Maria, pass bloß auf, dass dir nicht noch Hasenohren wachsen!“ oder „Marias Pony legt Eier!“ waren die Spottrufe der anderen gewesen.

Und jetzt wieder ein Ei. „Lass das bloß nicht die anderen sehen“, riet Mona, „die lachen sich tot!“ „Du hast gut reden, wir müssen herausfinden, wo das Ei herkommt!“, erwiderte Maria. Ständig spukte ihr das Ei im Kopf herum! Pferde legen keine Eier – wie kam es dann dahin?

Das Pferd wird bewacht

Maria genoss den Tag auf dem Pferderücken von Nero sehr. Und auf dem Rückweg zum Stall hatte sie ihren Entschluss gefasst: Heute Nacht wollte sie sich im Pferdestall einschließen lassen. Sie würde die ganze Nacht wachen, dann musste sie herausfinden, welches Geheimnis sich hinter den Eiern in Neros Heu verbarg.
Zum Gespött würde sie sich jedenfalls nicht machen lassen! „Du spinnst!“, meinte Mona, als Maria sie in ihren Plan einweihte. „Das traust du dich nie!“ Mona hatte Recht, ihr war ziemlich mulmig zumute. Aber Maria war entschlossen, ihren Plan auszuführen.

Maria beweist Mut

Als es Zeit war, ins Bett zu gehen, zog sich Maria warm an und schlich in den Stall. Alles war dunkel bis auf die kleine Hoflampe, die die ganze Nacht brannte. Die Stalltür stand offen. Gott sei Dank, abgeschlossen war noch nicht! Michael, der Tierpfleger, drehte gerade seine letzte Runde im Stall. Und als er bei Jupiter in der letzten Box verschwand, schlüpfte Maria in den Stall.

Doch Michael schien Marias Rascheln gehört zu haben, denn bevor er die Tür zuschloss, hielt er inne und schaute sich noch einmal um. Maria hielt den Atem an. Ihr Herz pochte ganz laut. Sie würde Riesenärger bekommen, wenn sie jetzt entdeckt würde! Doch Michael schloss die Stalltür ab und ging. Erleichtert kam Maria aus ihrem Versteck hervor. Wie gespenstisch es hier war! So ganz anders als bei Tageslicht!

Die Nacht beim Pferd

Überall große Schatten, es knarzte und knackte. Leise huschte sie zu Neros Box und öffnete sie. Neros Anwesenheit und sein vertrauter Geruch beruhigten Maria. Auch die anderen Pferde wurden still. Sie zog sich hoch und setzte sich auf die Trennwand.

Sich in die Box zu setzen war zu gefährlich, denn schnell könnte sie getreten werden. Sie sah, dass noch kein Ei in der Heutraufe war. Sie wartete. Von den Pferden war nur hin und wieder ein leises Schnauben zu hören. Nero schien zu schlafen. Auch Maria fielen fast die Augen zu, bis ihr vom Sitzen auf der schmalen Trennwand der Po schmerzte. Sie sprang auf den Boden.

 

 

Immer noch kein Ei und nichts zu sehen, wo eins herkommen könnte! Mit einer Satteldecke ausgerüstet, machte sie es sich wieder auf der Trennwand bequem. Wie viel Uhr es wohl sein mochte? Wieder fielen ihr die Augen zu. Sie schlief ein.

Es flattert gespenstisch

Plötzlich streifte sie etwas an der Wange! Sie schrak auf, fiel fast von der Trennwand. Ihr Herz klopfte wie wild: Was war das? Eine Riesenfledermaus? Ein Vogel? Im morgendlichen Dämmerlicht konnte sie wenig erkennen.
Sie hatte fast die ganze Nacht verschlafen! Nero schien jedenfalls nicht erschrocken, als sich dieses Flatterwesen auf seinem Rücken niederließ. Jetzt hatte Maria Gelegenheit, genauer hinzusehen: Ein Huhn! Auf Neros Rücken saß ein Huhn! Beide schienen beste Freunde zu sein. Das Huhn flatterte weiter, landete in der Heutraufe und – legte mit aufgeregtem Gegackere ein Ei. Maria lachte und lachte.
Das Rätsel um die Eier wird gelöst

Erst jetzt merkte sie, dass ihre Knie vor Schreck zitterten. Ein Huhn war des Rätsels Lösung! Und jetzt sah sie auch, wie das Huhn in den Stall kam: Die Oberlichter der niedrigen Außenwand waren offen. Und neben dem Pferdestall war ein Bauernhof.

Meine Güte, auf das Naheliegendste war sie nicht gekommen! Und die Nachricht von Marias Entdeckung sprach sich in Windeseile bei allen herum: Mit Michael bekam sie erst mal Ärger, aber alle anderen waren schwer beeindruckt von ihrem Mut, im Stall zu übernachten. Auch Michael musste schon wieder grinsen. Und die Eier? Die gab’s jetzt immer zum Frühstück …


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