Montessori-Pädagogik in Kindergärten – So bereichern Sie Ihr Bildungskonzept


12.07.2021

© Joaquin Corbalan – Adobe Stock

Montessori, Waldorf, Reggio: Es gibt einige pädagogische Bildungskonzepte, die in heutigen Kindergärten und Schulen Anwendung finden. Besonders beliebt und in mehreren Hundert Einrichtungen auch heute noch angewandt, ist die Montessori-Pädagogik, ein von Maria Montessori Anfang des 20. Jahrhundert entwickeltes Bildungskonzept. Maria Montessori forderte, die Haltung des Erziehenden gegenüber den Kindern zu überdenken. So stand das einzelne Kind und seine Individualität im Vordergrund.

Das Leitmotiv der Montessori-Pädagogik lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Maria Montessoris Hauptziel war es, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. So stehen die Stärkung des Selbstvertrauen im Fokus. Kinder sollen sich Lerninhalte und Aufgaben mit Freude und im eigenen Tempo aneignen.

Wer war Maria Montessori?

Maria Montessori wurde 1870 geboren und war eine italienische Ärztin und Reformpädagogin. Im Laufe ihres Studiums spezialisierte sie sich auf Kinderheilkunde. Ihr besonderes Interesse galt der Einrichtung spezieller Schulen für geistig behinderte Kinder und deren Förderung. Mithilfe spezieller Lernmaterialien erreichten geistig behinderte Kinder unerwartete Fortschritte und so sorgte ihr pädagogischer Lehransatz für Aufsehen. Maria Montessori begeisterte mit ihrer entwickelten Montessori-Pädagogik auf ihrer Reise durch Amerika, Europa und Indien zahlreiche Lehrkräfte und Erzieher.

Montessori Kindergärten: Die 4 Hauptaspekte der Montessori-Pädagogik

Montessori-Pädagogik_kindergarten

In der Montessori-Pädagogik verstehen die Erziehenden ihre Aufgabe darin, die Kinder im erlernen von Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu unterstützen. Um die pädagogische Umsetzung zu ermöglichen spielen vier Hauptaspekte bei der Montessori-Pädagogik eine wichtige Rolle:

1. Aspekt der Montessori-Pädagogik:  Kindern Orientierung vermitteln

In der Montessori-Pädagogik heißt es, dass Kinder Ordnung brauchen. Diese hilft ihnen dabei, sich zu orientieren, Sicherheit und Vertrauen aufzubauen, Werte zu entwickeln und sich frei zu entfalten. Die Verantwortung für eine optimale, vorbereitete Umgebung tragen die Erziehenden.

Das Ordnungsprinzip nach Montessori können Sie in Ihrem Kindergarten wie folgt in Ihr Konzept integrieren:

  • Sie legen für alle Materialien und Möbel einen bestimmten Platz fest.
  • Die Kinder räumen das Material selbstständig wieder an die festgelegten Plätze zurück.
  • Sie gestalten die Räume für die Kinder überschaubar und vielseitig.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Raumeinteilung konstant bleibt und dass die Kinder alle Spiel- und Übungsmaterialien selbst erreichen können.

2. Aspekt der Montessori-Pädagogik: Entwicklungsmaterialien

Mit Hilfe des sogenannten „Montessori-Materials“, eines Spiel- und Lernmaterials, soll das Kind eigene Denk- und Ordnungsstrukturen erlernen. Zum Montessori-Material gehören: Farbtafeln, Numerische Stangen, Rechenstäbchen, Sandpapierbuchstanden und vieles mehr.

Das Besondere: Die Montessori-Materialien haben eine Fehlerkontrolle, durch die das Kind selbst merkt, dass es etwas falsch gemacht hat und den letzten Spielzug korrigieren muss. Der „Rosa Turm“ zählt zu den beliebtesten Montessori-Materialien: Insgesamt 10 Kuben müssen der Größe nach aufeinander gestapelt werden. Das korrekte Übereinanderstapeln erfordert viel Geschick und Koordination.

3. Aspekt der Montessori-Pädagogik: Die freie Wahl des Spielmaterials in Montessori Kindergärten

Das Kind handelt nach Ansicht Maria Montessoris nach einem so genannten „inneren Bauplan“. In sensiblen Perioden geht das Kind ganz individuell seinen Interessen nach und treibt seine eigene Entwicklung dadurch beständig selbst voran. So unterstützen Sie das Prinzip der freien Wahl:

  • Lassen Sie das Kind entscheiden, womit es sich beschäftigt.
  • Räumen Sie dem Kind auch ein, dass es selbst entscheidet, wie lange es sich mit einem Material beschäftigen möchte, selbst wenn es sich tagelang mit demselben Spielmaterial auseinandersetzt.

4. Aspekt der Montessori-Pädagogik: Vorbildfunktion der Erzieherin in Montessori Kindergärten

Montessori Kindergärten sprechen jedem Kind eine gegebene innere Weisheit zu und definiert Lernverhalten folgendermaßen: In jedem Kind stecken ein großer Lernwille und Lernfreude. Kinder orientieren sich an der Erwachsenenwelt und wollen lernen, was darin erforderlich ist. Worte und Belehrungen nutzen den Kindern beim Lernen nur wenig, viel nützlicher sind Vorbilder und eigenes Erleben.

So stützen Sie das Kindergarten-Kind durch Ihre eigene Haltung:

  • Sie sind Vorbild und setzen Vertrauen in das Kind, damit es sich auch selbst etwas zutrauen kann.
  • Zeigen Sie den Kindern, dass sie Probleme / Fehler durch Versuch und Irrtum lösen können und räumen ihnen Möglichkeiten des Ausprobierens ein.
  • Drängen Sie die Kinder nicht zum Lernen, sondern beobachten Sie die Kinder zunächst und führen Sie sie hin zu Aktivitäten, um Interesse zu wecken.

Überprüfen Sie Ihr pädagogisches Konzept dahingehend, ob Sie Elemente der Montessori-Pädagogik integrieren können. Besonderes der Bildungs- und Lernbereich der Kindertageseinrichtungen eignet sich dazu. Hospitieren Sie z. B. in Montessori Kindergärten. In einer Konzeptionssitzung können Sie anschließend gemeinsam mit Ihrem Team diejenigen Aspekte diskutieren, die Sie probeweise aus der Montessori-Pädagogik übernehmen möchten.

Praktische Ansätze aus Montessori Kindergärten für Zuhause

Die Montessori-Pädagogik bietet nicht nur in Kindergärten interessante Ansätze. Ein Grundpfeiler dieser Pädagogik sind z. B. die sogenannten „Übungen des täglichen Lebens“. Dieser Ansatz ist für die Eltern auch in Bezug auf das Leben in der Familie interessant. Nutzen Sie einen Elternabend, um Eltern neue Impulse mit nach Hause zu geben. Zeigen Sie auf, welche Bedeutungen alltägliche Handlungen für die Entwicklung der Kleinkinder haben.

Erklären Sie den Eltern, dass es die Kinder mindestens zwei Übungen des täglichen Lebens aus ihrem Krippenalltag kennen: „Übungen der sozialen Beziehungen“ bei der Begrüßung und „Übung der Stille“, während die Kinder auf ihren Stühlen saßen. Anschließend können Sie folgende Praxisbeispiele präsentieren.

5 Lernziele und Praxisbeispiele für die „Übungen des täglichen Lebens“ nach Montessori

  • Übungen zur Pflege der eigenen Person

Die Kinder lernen, ihren Körper zu pflegen und gesund zu essen, und sammeln dadurch wichtige Erkenntnisse über ihre Gesundheit.

Praxisbeispiel: Wir geben den Kindern angepasst an ihre Entwicklung ausreichend Zeit, sich möglichst selbstständig anzuziehen. Wir zeigen ihnen, wie sie richtig ihre Zähne putzen und ihre Hände gründlich waschen.

Beispielfoto: Das Foto zeigt Kinder, die gerade dabei sind, in ihre Gummistiefel zu steigen und ihre Mützen aufzusetzen. Sie oder Ihre Kollegin sind auch zu sehen, wie Sie die Kinder dabei beobachten, um ggf. zu helfen.

  • Übungen zur Pflege der Umgebung

Die Kinder erfahren, wie wichtig es ist, ihre Umgebung zu pflegen, um sie zu erhalten.

Praxisbeispiel: Die Kinder haben die Möglichkeit, mit einem Staubtuch Staub zu wischen. Mithilfe einer Erzieherin gießen sie die Blumen und helfen beim Abwasch. Auf dem Außengelände fegen die Kleinkinder das Laub auf.

Beispielfoto: Das Foto zeigt eine Kindergruppe, die das Laub auf der Terrasse zusammenfegt. Danach füllen die Kinder das Laub mit Schaufeln in kleine Schubkarren.

  • Übungen der sozialen Beziehungen

Die Kinder lernen allgemeine Umgangsformen kennen.

Praxisbeispiel: In Rollenspielen lernen die Kinder Höflichkeitsformen, wie beispielsweise „bitte“, „danke“ oder den Gruß „guten Morgen“ kennen.

Beispielfoto: Das Foto zeigt ein Kind, das vor einer Kasse steht, und ein weiteres Kind mit einem Einkaufskorb. Die beiden Kinder winken sich zu/grüßen sich.

  • Übungen zur Bewegung

Die Kinder lernen ihren Körper, seine Bewegungsmöglichkeiten und Grenzen kennen.

Praxisbeispiel: Täglich besuchen die Kleinkinder den Bewegungsraum und das Außengelände zum freien Spiel oder zu angeleiteten Angeboten.

Beispielfoto: Das Foto zeigt eine Kindergruppe, die versucht, über ein ausgebreitetes Seil im Bewegungsraum zu balancieren und dann durch einen Tunnel zu kriechen.

  • Übungen zur Stille

Die Übungen helfen den Kindern, sich selbst besser wahrzunehmen.

Praxisbeispiel: Im Morgenkreis entzünden wir eine Kerze und/oder reichen einen Stein ohne Worte von Hand zu Hand.

Beispielfoto: Sie zeigen eine Kleingruppe, die sich im Sitzkreis um eine brennende Kerze versammelt hat.

Setzen Sie dabei immer 3 nebeneinanderliegende Spalten aus der Tabelle (Lernziel, Praxisbeispiel, Beispielfoto) auf eine gemeinsame Folie. So können Sie den Eltern die 5 Lernziele nacheinander vorstellen.

Den jeweiligen Text aus der 3. Spalte (Beispielfoto) löschen Sie und setzen dort ein passendes Foto aus Ihrem Praxisalltag ein. Auf eine weitere Folie schreiben Sie: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Abend.“ Insgesamt arbeiten Sie nun mit 7 Folien. Dann verbinden Sie Ihren Laptop mit einem Beamer und positionieren ihn vor einer freien Wand im Gruppenraum.


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