Kinderängste bei U3-Kindern: Das steckt dahinter – so handeln Sie richtig


06.11.2017

Sie wissen es aus Ihrer täglichen Arbeit: Kinderängste gibt es sehr viele. Manche Kleinkinder haben Angst vor Tieren, übertriebene Ängste vor fremden Personen, vor der Dunkelheit oder vor dem
Einschlafen. Häufig wachen Kinder auch nachts auf, weil sie von gefährlichen Monstern geträumt haben. Manche Ängste erleben Sie direkt in der Kita mit. Bei anderen kommen die Eltern oft hilflos auf Sie zu, um Rat zu suchen.

In jedem Fall ist ein guter Austausch mit den Eltern notwendig. Hierzu ist es wichtig zu wissen, was hinter den Ängsten steckt. Denn nur so können Sie den Kleinkindern helfen und Familien entsprechend beraten. Dies alles erfahren Sie nachfolgend.

Ängste gehören zu einer natürlichen Entwicklung dazu

Um angemessen auf die Kinderängste einzugehen, ist es wichtig, dass Sie wissen, welche Ängste es im Kleinkindalter gibt und wie diese sich zeigen. Viele Ängste gehören zu einer natürlichen Entwicklung dazu. Gerade im 2. Lebensjahr macht jedes Kleinkind viele Entwicklungsschritte. Seine Sprache, sein Bewusstsein, sein eigener Wille, die Fantasie sowie die Motorik und damit Mobilität wachsen kontinuierlich.

Oft können Kinder in diesem Alter Fantasie, im Fernsehen Gesehenes oder in Geschichten Gehörtes nicht immer von der Realität unterscheiden. Das Kleinkind wird unabhängiger von den Eltern und hat zudem noch ein großes Bedürfnis nach Geborgenheit. All dies kann zu Ängsten führen. Eine Übersicht über entwicklungsbedingte Kinderängste finden
Sie in unten stehender Tabelle.

Respektieren Sie die Ängste, aber nehmen Sie diese nicht zu ernst

Sie müssen die Ängste durchaus ernst nehmen und behutsam darauf eingehen. Ängste haben auch immer eine Schutzfunktion. Zudem ist es wichtig, dass Sie den Kleinkindern durch die bekannten Strukturen Sicherheit geben. Ebenso brauchen sie viel Nähe und Geduld. Dann wird diese Phase schnell vorbei sein.

So bieten Sie den Kleinkindern Halt und Herausforderung

Sie müssen dem ängstlichen Kind einen gesunden Umgang mit seiner Angst vermitteln. Hierzu gehört es, Ängste wahr und ernst zu nehmen. Bieten Sie den Kleinkindern unbedingt die notwendige Sicherheit und gleichzeitig neue Herausforderungen. Falls ein Kind panisch auf eine neue Situation reagiert, ist es wichtig, diese schrittweise zu entdecken und zu erleben. Wichtig ist es auch, dass Sie das Kleinkind ermutigen, es nicht zwingen oder für seine Ängste bestrafen.

Es ist wichtig, dass Sie den Kleinkindern eine gute Balance zwischen Sicherheit, Verständnis und neuen Herausforderungen bieten. So lernen die Kleinkinder, mit ihren Ängsten umzugehen, und wachsen zugleich an den neuen Herausforderungen. Immer wenn Kleinkinder erleben, dass sie ihre Ängste bewältigt haben, wachsen sie an der Herausforderung. Dies istein wichtiger Schritt für ein gesundes Selbstvertrauen und dieses ist eine gute Basis für weniger Ängste.

Eine angstfreie Umgebung ist nicht förderlich

Eine angstfreie Umgebung gibt es nicht. Versuchen Sie auch nicht, diese zu schaffen. Wenn Sie versuchen, die Kleinkinder vor allen Ängsten zu beschützen, ist dies nicht förderlich. Ängste gehören zu einer natürlichen und gesunden Entwicklung dazu. Ebenso wenig förderlich ist es, die Kinder bewusst Angst auslösenden Situationen auszusetzen nach dem Motto: „Da muss es nun durch.“ Damit machen Sie mehr kaputt als gut.

Viel Hilfreicher ist es, wenn Sie die Kleinkinder in angstauslösenden Situationen begleiten und unterstützend zur Seite stehen.

Beziehen Sie die Eltern mit ein

Wenn ein Kleinkind übermäßige, nichtentwicklungsbedingte oder über einen lang anhaltenden Zeitraum Ängste zeigt, müssen Sie mit den Eltern sprechen. Fragen Sie die Eltern, welche Beobachtungen sie zuhause, bei Freunden oder in neuen Situationen gemacht haben. Informieren Sie die Eltern über die Ängste und erklären Sie ihnen auch, dass die Angst zu einem normalen Entwicklungsverlauf dazugehört.

Fragen Sie die Eltern nach möglichen Hintergründen oder Ursachen. Überlegen Sie gemeinsam, wie die Eltern und Sie das Kind unterstützen können. Meistens legen sich die Ängste dann in ein
paar Wochen oder wenigen Monaten. Ist das nicht der Fall, sollten sich die Eltern unbedingt Rat bei ihrem Kinderarzt oder einer Erziehungsberatungsstelle holen.

Wichtige Ratschläge für Ihre Praxis

Diese Ratschläge können Sie ausdrucken und an einer gut sichtbaren Stelle aushängen. So haben Sie immer alle wichtigen Tipps zur Hand, wie Sie gut reagieren, wenn ein Kleinkind Ängste hat.

1. Nehmen Sie die Angst des Kleinkindes als solche wahr.
2. Bagatellisieren Sie die Angst des Kindes nicht, z. B. durch Aussagen wie: „Du musst doch keine Angst haben.“
3. Vergleichen Sie das ängstliche Kind auch nicht mit anderen Kleinkindern, z. B. durch Aussagen wie: „Schau, Peter hat keine Angst vor dem Hund.“
4. Wenn ein Kind sich anders verhält als gewöhnlich, sich versteckt, stark zittert, aggressiv reagiert oder emotional explodiert, Schlafprobleme, Trennungsängste, Ängste vor dem Alleinsein oder     Weinkrämpfe hat, gehen Sie behutsam auf das Kind ein. Versuchen Sie herauszufinden, was hinter den Ängsten stecken kann.
5. Achten Sie unbedingt darauf, Ihre eigenen Ängste nicht auf das Kind zu übertragen, z. B. Ihre Angst vor Hunden, vor bestimmten Situationen oder wenn das Kind klettert. Es besteht
die Gefahr, dass das Kind die gleichen Ängste entwickelt.
6. Bieten Sie jedem Kind neue Herausforderungen und Anreize. Zwingen und überfordern Sie das Kind aber nicht.
7. Loben Sie das Kind für besondere Leistungen und für alles, was es sich zugetraut hat. Drücken Sie Ihren Stolz aus.
8. Geben Sie dem ängstlichen Kleinkind die Gelegenheit, behutsam in neue Situationen hineinzuwachsen. Entdecken Sie Unbekanntes gemeinsam, z. B. einen neuen Raum in der Kita, eine Person, die zu Besuch ist, eine neue Situation.
9. Spielen Sie mit dem Kleinkind Angst auslösende Situationen durch, z. B. einen Arztbesuch.
10. Schaffen Sie ein Ritual, das dem Kleinkind Sicherheit gibt, z. B. singen Sie ein bestimmtes Lied zur Beruhigung.
11. Geben Sie dem Kleinkind Geborgenheit, wenn es Angst hat und Geborgenheit braucht. Drücken Sie es sanft an Ihren Körper und trösten Sie es.
12. Geben Sie dem Kind die Gelegenheit, sich von Ihnen zu lösen, z. B. auf dem Spielplatz sich auch mal etwas von Ihnen zu entfernen. Wenn es Angst hat, wird es Ihren Blick oder Ihre Nähe suchen.
13. Trauen Sie dem Kleinkind etwas zu. Hierzu gehört, auf ein Klettergerüst zu klettern. Beobachten Sie das Kind genau, anstatt zu rufen: „Pass auf!“ Das raubt dem Kind die Konzentration auf die Tätigkeit. In der Regel halten die Kinder inne oder drehen sich um, wenn sie sich unsicher fühlen. Mit jeder neuen Herausforderung, die ein Kind gemeistert hat, wächst sein Selbstvertrauen und schwächen sich mögliche Ängste ab.
14. Strahlen Sie selbst Ruhe und Gelassenheit aus.
15. Denken Sie immer daran: Es ist nur eine Phase, die in der Regel von selbst wieder verschwindet.

Akzeptieren Sie Kinderängste als einen natürlichen Entwicklungsschritt und als eine wichtige Phase. Wie bei jedem anderen Entwicklungsschritt braucht das Kleinkind auch hier liebevolle Unterstützung. Das erfordert von Ihnen manchmal viel Geduld und Ruhe. Mit einem sicheren Halt durch vertraute Personen und einer angemessenen Unterstützung bei der neuen Herausforderung werden die Ängste sicherlich bald verschwinden.

Hospitation von Eltern

Manchmal verlieren Kinder ihre Ängste, wenn sie vertrauten Personen die „angsteinflößende“ Umgebung zeigen können. Hospitationen von Eltern in Ihrer Einrichtung und was Sie dabei beachten sollten – Hier haben wir für Sie fünf goldene Regeln zusammengestellt!

https://www.pro-kita.com/downloads/hospitation-von-eltern/


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