Gewalt, nein danke! – Mit diesem Projekt messen Kinder nicht nur ihre Kräfte


22.03.2017
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Die Kinder zum Raufen animieren? Vielleicht ist es für Sie noch ein ungewohnter Gedanke, denn eigentlich soll es ja möglichst friedlich in Ihrer Kita bleiben. Und genau dazu kann das Rangeln und Raufen wunderbar beitragen! Neugierig geworden? Mit diesen praxiserprobten Methoden wird Ihr neues Projekt zum echten Renner.

Was lernen die Kinder beim Rangeln und Raufen?

Denn die Kinder lernen dabei ganzheitlich und unmittelbar, z. B.:

Regeln und Grenzen: Es werden gemeinsam mit den Kindern Regeln und Grenzen vereinbart und oberstes Gebot ist es, diese auch einzuhalten. Doch es geht nicht nur um äußere Grenzen, die Kinder machen auch Erfahrungen mit ihren eigenen Grenzen und wie sie diese erweitern können.

Werte und Respekt: Die Kinder achten sich selbst ebenso wie ihr Gegenüber, sie üben sich in Mut, Willenskraft, stärken ihr Selbstvertrauen und ihre Frustrationstoleranz. Verantwortung und Hilfsbereitschaft sind ebenso erfahrbar wie eine starke Gemeinschaft.

ganzheitlich wahrzunehmen: Alle Sinne sind in Hochspannung, der eigene Körper und der des Gegenübers werden im Körperkontakt erfahren, Kräfte gemessen und alle Muskelpartien sind aktiv.

die Persönlichkeit zu entwickeln, indem sie ihre Ich-Kompetenz sowie die Sozialkompetenz erweitern. Sie können sich nicht nur nach Kräften auspowern, sondern lernen auch, ihre Energie zu spüren und zu kontrollieren.

Das sollten Sie vorher bedenken

Jeder kann ein Rangel-und-Rauf-Projekt durchführen. Sie brauchen dafür keinerlei Vor- oder gar Kampfsporterfahrungen. Dennoch sollte Ihnen auch bewusst sein, dass die Rangel-und-Rauf-Spiele so gut funktionieren, wie Sie diese vermitteln und wie echt und authentisch Sie mit dem „Kämpfen“ und „Wildsein“ umgehen und dahinterstehen. Deshalb lohnt es sich, dass Sie gemeinsam im Team überprüfen, wo noch eventuelle Bedenken liegen, z. B. Wie stehen Sie zum Körperkontakt? 
Haben Sie selbst Erfahrungen mit Rangeleien in Ihrer Kindheit? 
Gibt es im Team Kampfsporterfahrung?

Rangeln und Raufen sollten die Kinder immer freiwillig. Deshalb hat sich eine Liste bewährt, in die sich die Kinder (und nicht die Eltern!) eintragen, die Interesse haben. Und Interesse heißt, dass die Kinder jederzeit erst einmal zuschauen dürfen und bei jeder Übung die Möglichkeit haben auszusteigen.

Idealerweise teilen Sie die Kinder in Untergruppen zu jeweils 6 bis höchstens 10 Kindern. Diese sollten etwa gleich alt sein.

Ganz praktisch: Raumbedarf und Ausrüstung

Ideal ist Ihr Bewegungsraum, wo ausreichend Platz und am besten noch folgendes Material zur Verfügung steht:

  • Matten mit einer glatten Oberfläche, leicht transportierbar und nicht zu hart.
  • 1 Weichbodenmatte ist ideal für Bodenkämpfe.
  • Gymnastikmaterial, z. B. Bälle, Seile oder Reifen.

Für die Kinder reicht normale Sportkleidung. Lange Sporthosen schützen vor Abschürfungen. Turnschuhe sollten die Kinder wegen der Verletzungsgefahr nicht tragen, ideal ist es barfuß, mit Socken oder leichten Gymnastikschuhen.

Wichtig: Vergewissern Sie sich, dass die Kinder keine Bänder, Kettchen oder Ohrringe tragen.

Diese Regeln haben sich bewährt

Die Regeln müssen vorher den Kindern ganz klar sein. Und es muss ebenso klar sein, was passiert, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält, z. B. für 2 Runden aussetzen.

Bewährte Regeln finden Sie unten. Diese können Sie kopieren und mit den Kindern zu Beginn und auch später in regelmäßigen Abständen besprechen.

In der Praxis bewährte Regeln beim Ringen und Raufen:

  • Ringkämpfe werden nur auf der Matte ausgetragen. Verlasse ich das Spielfeld, ist der Kampf vorbei.
  • Spielregeln sind Ehrensache, ich halte mich immer daran.
  • Es gibt ein Start- und ein Endesignal, das immer gilt.
  • Es gibt ein vereinbartes Stopp-Zeichen, das ich oder mein Partner geben kann, wenn es zu viel wird. Dann wird das Spiel sofort unterbrochen.
  • Mein „Gegner“ ist mein Partner, den ich respektiere, z. B. mit einer Verbeugung zu Beginn und am Ende des Kampfes.
  • Ich achte auf mich selbst.
  • Ich achte den anderen, niemand wird böswillig verletzt.
  • Ich achte die Ansagen des Schiedsrichters.

Bauen Sie eine Projektstunde auf

Ein fester Ablauf und Platz gibt den Kindern Sicherheit und schafft Vertrauen und Verbindlichkeit. Bauen Sie die Projektstunde immer nach dem gleichen Schema auf. Folgender Ablauf hat sich bewährt:

  1. Begrüßung
  2. Warm-up-Spiele
  3. Rangel-und-Rauf-Spiele
  4. Cool-down-Spiele
  5. Rückmelderunde und Wünsche

Das Begrüßungsritual

Zum Rangeln und Raufen begrüßen Sie sich ganz bewusst. Dazu treffen Sie sich im Kreis. Alle verbeugen sich z. B. kurz mit dem Kopf. Dabei werden die Hände vor dem Oberkörper gekreuzt oder die Handflächen mit den jeweiligen Kreisnachbarn aneinandergelegt. Mit welchem Wort begrüßen Sie sich? Das sollten Sie mit den Kindern festlegen. So wird gleich zu Beginn der Stunde der Respekt füreinander zum Ausdruck gebracht.

Spiele zum Warmwerden und Ankommen

Dabei wählen Sie Spiele, die leicht zu bewältigen sind und die Kinder in Bewegung und miteinander in Kontakt bringen, z. B.:

„Hallo, Du!“: Die Kinder gehen im Raum umher, geben jedem, dem sie dabei begegnen, die Hand und schauen sich dabei ins Gesicht. Sie variieren durch Zuruf die Begrüßung, z. B. mit dem Zeigefinger, der Stirn, dem Knie usw. Wichtig ist, dass sich die Kinder dabei anschauen.

Magnetspiel: 2 Kinder stehen als Magneten auf einer Seite des Raumes, die anderen auf der gegenüberliegenden. Auf Ihr Startsignal hin wechseln alle die Seiten. Die Magneten versuchen dabei, andere Kinder anzuziehen, indem sie sie fangen oder abklatschen. Diese werden dann auch zu Magneten und bleiben an Ort und Stelle, wo sie berührt wurden, stehen. Mit ihrer Anziehungskraft (ausgestreckte Arme) versuchen sie jetzt, bei jedem Seitenwechsel ebenfalls die vorbeilaufenden Kinder abzuklatschen, die dann auch zu Magneten werden. Wer wurde nicht angezogen und bleibt am Schluss des Spiels übrig?

Katze und Maus: Ein Seil liegt in der Mitte. Die Kinder legen sich gegenüber auf den Bauch und mit den Köpfen Richtung Seil, sodass dazwischen eine etwa 1 m breite Gasse bleibt. Jetzt bestimmen Sie, welche Seite die Mäuse und welche die Katzen sind. Dann rufen Sie entweder „Katze!“ oder „Maus!“. Die gerufene Gruppe versucht, die andere zu fangen, die so schnell wie möglich zur Wand wegläuft. Wer erwischt wurde, muss die Gruppe wechseln. Dann rufen Sie wieder neu, ob Katze oder Maus fängt.

Natürlich können Sie alle bekannten und bei den Kindern beliebten Aufwärmspiele nutzen. Das Gewinnen sollte dabei weniger im Vordergrund stehen als das Gemeinschaftserleben.

So geht Rangeln und Raufen

Jetzt geht es zur Sache! Dabei können die Kinder die eigenen Kräfte und die ihres Partners oder der Mitspieler spüren und Grenzen kennen und respektieren lernen.

Welche Farbe? Sie brauchen einen Beutel mit farbigen Wäscheklammern. Die Kinder bilden Paare, die sich gegenüberstehen. Sie heften jedem eine Klammer auf den Rücken, sodass es der Partner nicht sieht. Dann geben Sie das Startsignal und alle versuchen, die Farbe des Gegenübers zu erspähen. Das versucht dieser natürlich zu verhindern. Beginnen Sie zunächst ohne Körperkontakt, später dürfen sich die Partner gegenseitig auch festhalten.

Iglu bricht ein: Hier treten immer 2 Kinder auf einer Matte an. Eines bildet das Iglu, indem es die in Bankstellung einnimmt. Das andere Kind kriecht in das Iglu und legt sich auf den Bauch darunter. Jetzt bricht der Iglu ein und das Kind darunter versucht, sich unter der Schneelast zu befreien und herauszuwinden.

Ruck, zuck: 2 Kinder sitzen auf einer Matte Rücken an Rücken. Sie rufen „Ruck, zuck!“ und beide drehen sich blitzschnell um und versuchen, sich gegenseitig in die Rückenlage zu bringen. Nach 60 Sekunden beenden Sie das Spiel.

Rückenringen: 2 Kinder sitzen auf einer Matte Rücken an Rücken. Die Arme werden so eingehakt, dass jeweils der rechte Arm unter dem des Partners liegt. Auf Ihr Signal hin versucht jeder, den anderen auf seine rechte Seite zu ziehen, sodass die linke Schulter (oder der Ellenbogen) des Partners den Boden berührt.

Sumoringer: Markieren Sie mit Klebeband einen Ring von ca. 2 m Durchmesser. 2 Ringer treten gegeneinander an, die versuchen, sich aus dem Kreis zu schieben.

Raufen auf Knien: 2 Kinder stehen sich auf einer Matte oder Weichbodenmatte im Kniestand gegenüber. Auf Ihr Kommando hin versuchen beide, den Partner von der Matte zu bringen oder so auf den Rücken zu legen, dass beide Schultern den Boden berühren.

Praxis-Tipp: Vereinbaren Sie mit den Kindern ein Stopp-Signal und weisen Sie zu Beginn immer wieder darauf hin, dass die Kinder das Signal auch nutzen, wenn es ihnen zu viel wird.

 

 

Spiele zum Abschluss und Cool down

Greifen Sie auf Ihren reichen Schatz an Entspannungsübungen, Fantasiereisen und Kindermassagen mit Händen oder Igelbällen zurück. Alles, was entspannt, beruhigt und den Kindern Spaß macht, ist in der Abschlussphase geeignet. Den Schlusspunkt setzt dann die Rückmelderunde: Die Kinder nennen, was ihnen gut oder auch nicht gefallen hat. Zudem können Sie Wünsche für das nächste Mal sammeln.

Mit wilden Spielen Dampf ablassen und seine Kräfte messen – das gelingt Ihnen mit diesem Projekt ebenso wie gegenseitige Achtsamkeit und Respekt zu fördern. Probieren Sie es aus! Übrigens tut das den Kinder im Winter besonders gut.

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