Humor ist eine Frage des Alters – so fördern Sie ihn altersgerecht und individuell


23.11.2017
Share Button

Alles beginnt mit einem Lächeln – dieser Wunderwaffe, mit der die Natur alle Menschen von Anfang an ausgestattet hat. Fühlt sich das Baby wohl und satt, dann verschenkt es sein Lächeln. Geradezu magische Augenblicke entstehen. Bereits wenige Wochen nach der Geburt nutzt das Baby dieses Lächeln als emotionale Brücke zu seinen engsten Bezugspersonen. Es zeigt: „Ich bin offen für dich und sehne mich nach Kontakt!“

Ab jetzt geht es mit der Entwicklung des Lachens und damit des Humors rasant voran: Kinder lachen am Tag etwa 400-mal und das reicht vom Kichern bis zum Grölen. Erwachsene dagegen lachen nur etwa 15- mal am Tag. Müssten dann nicht wir Erwachsenen uns den Humor von den Kindern beibringen lassen? Das ist tatsächlich kein schlechter Gedanke, sich immer wieder vom kindlichen Humor mitreißen und anstecken zu lassen. Und darüber hinaus können Sie viel dafür tun, die Kinder in ihrer Humorentwicklung aktiv und ganz bewusst zu stärken und zu fördern.

Warum es sich tatsächlich lohnt, kindlichen Humor zu stärken

Gelingt Ihnen dies, dann stärken Sie damit nicht nur ein Lachen, sondern die ganze Persönlichkeit des Kindes, denn Humor

  • löst eine positive Hormonlage aus, die nachweislich mehr neuronale Verbindungen ermöglicht.
  • hilft Ängste abzubauen und fördert die Freude am Entdecken und Lernen – übrigens sogar ein ganzes Leben lang!
  • fördert den Gruppenzusammenhalt und stärkt die Beziehung zwischen Ihnen und den Kindern. Das Sprichwort „Lachen verbindet!“ stimmt also!
  • ermöglicht eine Atmosphäre, in der Fehler und Fragen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sind.
  • schafft Distanz zu Unzulänglichkeiten und Problemen und ermöglicht durch diese „Entkrampfung“ unerwartete Problemlösungen.
  • macht neugierig, erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentration.
  • verbessert die Gedächtnisleistung.
  • fördert den Umgang mit Sprache und Kreativität.
  • steigert die soziale Kompetenz, das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen.

Diese Punkte beziehen sich auf die Entwicklung des Kindes. Aber nicht nur – denn auch Sie selbst können diese positiven Effekte bei sich wahrnehmen, wenn Sie sich darauf einlassen, gemeinsam mit den Kindern eine heitere und humorvolle Atmosphäre zu schaffen.

Doch nicht alle Kinder lachen über die gleichen Dinge. Ihr Verständnis von Humor hängt von ihrer Entwicklung ab. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie sich der kindliche Humor ausbildet. Andersherum betrachtet ein weiterer Gewinn für Sie: Beobachten Sie, worüber Kinder lachen, dann wissen Sie, wo das Kind in seiner Entwicklung steht.

Darüber lachen Kinder von 2–3 Jahren

Ab etwa 2 Jahren haben Kinder eine Menge über ihre Umwelt gelernt und viel beobachtet. Deshalb fällt es ihnen jetzt auf, wenn etwas nicht zusammenpasst, und finden dies richtig komisch, z. B. eine Pizza aus Gummibärchen oder eine Banane als Telefon. Sie haben große Freude daran, widersinnige Dinge zu tun, z. B. ein Auto fliegen zu lassen, dem Erwachsenen etwas zu „verbieten“ oder in einem Pappkarton Auto zu spielen.

Zudem entdecken sie das Spiel mit der Sprache: Sie lachen sich kaputt, einen Löffel Schaufel zu nennen oder Ereignisse umzubenennen: „Mama hat gar keinen Geburtstag, ich habe Geburtstag!“

In dieser Phase kann das Lachen auch Ausdruck von Erleichterung sein, nachdem Spannung und Angst überwunden wurden. Wunderbares Beispiel ist das Kuckuckspiel, das die Kinder in dieser Phase nicht müde werden zu spielen: Sie verbergen sich ganz oder Ihr Gesicht hinter den Händen, um dann schnell wieder hervorzukommen. Angespannt wartet das Kind auf Ihr Auftauchen und lacht dann laut, weil es die kurze Verunsicherung überwunden hat.

Stärken Sie den Humor dieser Entwicklungsphase

Machen Sie einfach mit, wann immer Sie den kindlichen Humor entdecken, z. B.

  • lassen Sie sich das Gespräch aus dem Bananentelefon weiterreichen und telefonieren lauthals weiter.
  • verbrennen Sie sich an der Gummibärchenpizza und pusten Ihre „schmerzenden“ Finger – oder lassen vom Kind pusten.
  • gratulieren Sie dem Kind zu seinem erfundenen Geburtstag und wundern sich, weil Sie sich irgendwie ein anderes Geburtsdatum gemerkt haben.
  • sprechen Sie mit verstellter, für Sie unpassender Stimme.
  • lassen Sie sich von der Freude am Kuckuckspiel anstecken und beweisen dabei unendliche Ausdauer.
  • „wundern“ Sie sich über Fortschritte: „Du siehst zwar aus wie Milena, aber die will ihre Schuhe nicht selbst anziehen. Wer bist du also mit deinen Schuhen an den Füßen?“

So entwickelt sich der Humor zwischen 3 und 6 Jahren weiter

Jetzt beginnt die Zeit des Körperklamauks. Die Kinder albern mit Grimassen bis hin zum Powackeln. Sie biegen sich vor Lachen, wenn Worte fallen wie „Pups“, „Pipi“ o. Ä. Auch die Sprache wird für die Humorentwicklung immer wichtiger. Die Kinder spielen in unendlichen Variationen mit der Welt der Wörter. Das zeigt sich auch in ihrer Lust am Reimen. Dabei müssen die Reime keinen Sinn ergeben, sie dienen nur der kindlichen Freude am Lachen.

Die Kinder erzählen erste Witze oder erfinden diese. Doch für uns Erwachsene sind diese Witze oft gar nicht lustig, weil wir die Pointe vermissen. Die Kinder aber schütten sich aus vor Lachen über ihre Spaßsätze.

In dieser Phase beginnt auch das unterschiedliche Lachen der Geschlechter: Jungen lachen lauter, direkter und frotzeln mehr. Sie kennen es sicherlich, wenn die Jungen sich einen regelrechten Wettstreit der „frechsten Pointen“ liefern. Mädchen kichern eher darüber. Sie erzählen sich Phantasiegeschichten und schmücken diese mit witzigen Details. Und Mädchen lachen im Gegensatz zu den Jungen auch über sich selbst.

Hier beginnt, was Wissenschaftler so auf den Punkt bringen: Männlicher Humor lebt von der Konkurrenz, weiblicher vom Wunsch zu vereinen. Das fand z. B. der britische Psychologe Richard Wiseman von der University of Hertfordshire in einer umfassenden Witzstudie heraus.

Fördern Sie den Humor dieser Entwicklungsphase

Das Wichtigste zuerst: Bleiben Sie gelassen bei all dem Gelächter über Pupse. Versuchen Sie erst gar nicht, bestimmte Wörter zu verbieten, denn dann werden sie noch interessanter. Ziehen Sie lediglich einzelne, aber klare Grenzen, z. B. welche Wörter Sie bei Tisch nicht hören wollen oder welche Wörter verboten sind, weil sie beleidigen und damit andere Menschen traurig machen.

Denken Sie daran, dass diese Phase vorbeigeht, und zeigen Sie eher gespielte Verzweiflung, „welche Wörter die frechen Kinder benutzen!“. Das untermauern Sie noch mit Klagegeheul, dann ist Ihnen der Trost der Kinder sicher.

Erkennen Sie zudem an, dass Jungen anders und über andere Dinge lachen. Sie sind deshalb nicht „böser“ als Mädchen. Und Sie werden auch Folgendes beobachten können: Andere Jungen lachen mit und können auch einstecken. Zudem spüren die Jungen meist, wenn ein Kind in Not ist, und nutzen dies nicht für Witze. Geben Sie den Jungen Raum für männlichen Humor!

Wenn die Witze und Späße der Kinder nach Ihrem Empfinden nicht lustig sind, dann achten Sie auf das Lachen der Kinder und weniger auf die fehlende Pointe. Verzichten Sie auf Belehrungen wie „Das ist nicht lustig!“ oder „Das ist nicht richtig!“. So nähmen Sie den Kindern ihre Freude am Spiel mit der Sprache. Spielen Sie dieses vielmehr mit, wo immer sich die Gelegenheit bietet, z. B.

  • reimen Sie – auch Nonsens!
  • erfinden Sie mit den Kindern kuriose Abzählreime.
  • verdrehen Sie einzelne Buchstaben. Besondere Freude macht den Kindern auch das liebevolle Spiel mit ihren Vornamen.
  • teilen Sie mit den Kindern ihre Freude an Phantasiegeschichten und spinnen diese ganz verrückt weiter.
  • erfinden Sie mit den Kindern Geheimwörter, deren Bedeutung nur Sie gemeinsam verstehen.
  • lassen Sie bekannte Geschichten neu enden.

Finden Sie immer den passenden Humor

Wie beschrieben wächst mit zunehmender Entwicklung auch die Fähigkeit der Kinder, Humor zu verstehen und sich selbst humorvoll zu äußern. Die Verhaltensbiologin Dr. G. Haug-Schnabel von der Universität Freiburg hat zentrale Fähigkeiten von Kindern beschrieben, um Humor genießen zu können. Anhand der Checkliste unten haben Sie diese wichtigen Aspekte immer im Blick. Fügen Sie diese Checkliste den Beobachtungsbögen, die in Ihrer Kita üblich sind, hinzu. Es ist sicher eine gute Ergänzung, das Kind auch unter diesem Aspekt in den Blick zu nehmen.

Witze für die Kleinsten

„Am Ende ist alles ein Witz“, sagt Charlie Chaplin, der große Meister des Lachens. Deshalb hier noch ein paar Witze, über die Ihre Kinder sicher herzhaft lachen können:

„Max, ich hab doch gesagt, du sollst aufpassen, wann die Milch überkocht!“ „Hab ich doch, es war genau fünf Minuten nach sechs!“

Warum sind die Hütten auf den Bergen immer aus Holz gemacht? Weil die Steine für die Berge gebraucht wurden!

Fritz hat einen neuen Hund. Max behauptet: „Dein Hund lügt!“ „Das stimmt überhaupt nicht!“, protestiert Fritz. Max beugt sich zum Hund und fragt: „Wie macht die Katze?“ „Wau, wau!“, antwortet der Hund. Max triumphiert: „Siehst du?“

Lena hat ihre erste Reitstunde. Plötzlich wird das Pferd immer schneller und Lena rutscht weit nach hinten. Sie ruft: „Schnell ein neues Pferd! Meines ist zu Ende!“

Fliegen 2 Engel durch den Himmel. Fragt der eine: „Weißt du, wie das Wetter wird?“ „Ich glaube, wolkig.“ „Gut, dann können wir uns endlich mal hinsetzen.“

Fritzchen streut Kakao ins Hühnerfutter. Die Mutter fragt ihn erstaunt: „Was machst du da?“ Fritzchen antwortet: „Ich will, dass die Hühner Schokoladen-Eier legen!“

Lustige Bastelidee

Diese lustigen Monsterfiguren begeistern Ihrer Kita-Kinder bestimmt. Um die tollen Figuren in Ihrem Kindergarten nachbasteln zu können werden unterschiedlich große Kugeln von den Kindern bemalt und im Anschluss zusammengesteckt und mit ein bisschen Bastelkleber fixiert. Und das Beste daran: Den eigenen Ideen der Kinder sind dabei keine Grenzen gesetzt!

https://www.pro-kita.com/downloads/bastelanleitung-lustige-monster-figuren-fuer-kleine-grosse-kita-kinder/

Share Button

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Zwillinge in der Kita – Erkenntnisse, die deren Integration erleichtern

26. April 2017

Zwillingsbeziehungen gelten als einzigartige und meist sehr enge menschliche Bindungen. Sie sind fast immer die wichtigsten und dauerhaftesten Beziehungen im Leben eines Menschen. Doch die Integration von Zwillingskindern in den... So integrieren Sie Zwillinge in der Kita

Verschiedene Gefühlstypen haben verschiedene Bedürfnisse – werden Sie allen Kindern gerecht

19. November 2017

Mia feiert Geburtstag. Wie sehr sie es genießen mag, erkennen Sie höchstens am leisen Lächeln. Dafür kann Tobi kaum aushalten, dass es nicht um ihn geht und redet ständig dazwischen. Nach außen ist es für beide die gleiche... So erkennen Sie die verschiedenen Gefühlstypen

Gewalt, nein danke! – Mit diesem Projekt messen Kinder nicht nur ihre Kräfte

22. März 2017

Die Kinder zum Raufen animieren? Vielleicht ist es für Sie noch ein ungewohnter Gedanke, denn eigentlich soll es ja möglichst friedlich in Ihrer Kita bleiben. Und genau dazu kann das Rangeln und Raufen wunderbar beitragen!... So gestalten Sie das Rangeln und Raufen



© 2017 PRO Verlag, Bonn