Ihre Professionalität ist bei den Eltern gefragt!


16.09.2015

Als Erzieherin bewegen Sie sich ständig zwischen 2 Polen: Auf der einen Seite hat der Beruf in unserer Gesellschaft einen geringen Status, immer noch haftet ihm etwas von „Die spielen ja nur!“ an. Kaum jemand, der nicht direkt damit zu tun hat, könnte seine Vielschichtigkeit ausreichend beschreiben. Auf der anderen Seite wachsen gerade in unserem gesellschaftlichen Wandel die Anforderungen an die Erzieherinnen ständig. Und Sie stehen dazwischen – Ihre Aufgabe ist es, die Erziehungspartnerschaft zwischen der Einrichtung und den Familien mit Leben zu füllen, sie zu gestalten und sie weiterzuentwickeln. Die Eltern sind Spezialisten für ihre Kinder, Sie sind der Erziehungsprofi.

Die Erwartungen der Eltern sind so zahlreich und unterschiedlich, dass es nicht immer leicht ist, im normalen Alltag Ihre Professionalität den Eltern gegenüber auch zu zeigen. Doch je kompetenter Sie auftreten, desto besser fühlen sich die Familien aufgehoben. Denn dann zeigen Sie, dass Sie über Sicherheit und Wissen verfügen, was wiederum Grundlage für eine gute Elternarbeit ist. Doch wie zeigen Sie diese Professionalität den Eltern? 5 Kompetenzen sind dabei entscheidend.

 

Offenheit demonstrieren

Begegnen Sie jedem Kind und jeder Familie offen und wertschätzend, indem Sie sich ernsthaft mit ihren Bedürfnissen und Wünschen auseinander setzen. Offenheit den Kindern und ihren Eltern gegenüber ermöglicht eine gemeinsame Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit, in der sich die Eltern, aber auch Sie als Erzieherin wiederfinden. In einer Atmosphäre der Offenheit können Sie den Eltern zuhören und so Ihre Standpunkte und die der Eltern klären. Geben Sie fundierte und wichtige Beobachtungen der Kinder an die Eltern weiter, so zum Beispiel, wenn sich das Kind zum 1. Mal getraut hat, vor anderen zu sprechen, oder in der Sprachentwicklung ernst zu nehmende Verzögerungen zeigt.

 

Dialogbereitschaft zeigen

Im gemeinsamen Gespräch erfahren Sie die Erwartungen der Eltern. Nutzen Sie Tür- und Angelgespräche als „vertrauensbildende Maßnahme“. Nichts sollte von vorneherein unmöglich sein, aber trotzdem werden Sie nicht alle Wünsche der Eltern befriedigen können und müssen. Wenn Sie sich kritisch mit jedem Anliegen auseinander setzen, werden Sie manches als überraschende Bereicherung erfahren oder entsprechend gut begründet ablehnen. Professionalität zeichnet sich auch dadurch aus, dass Sie Grenzen setzen können, indem Sie nicht jede Verantwortung übernehmen.

 

Sensibilität spüren lassen

Ihre Sensibilität und Ihr Einfühlungsvermögen sind Voraussetzung für eine professionelle Arbeit mit den Kindern, genauso wie mit den Eltern. Gerade bei schwierigen Kindern werden die Eltern Ihnen angespannt begegnen. Bereiten Sie solche Gespräche sehr gut vor und nutzen Sie dabei die Beobachtungen und Ratschläge Ihrer Kolleginnen. Begegnen Sie stillen und zurückhaltenden Eltern sehr aufmerksam.

Ihre Aufgabe ist es auch, Eltern Auffälligkeiten und Abweichungen in der Entwicklung ihrer Kinder deutlich zu machen. Zweifeln Sie dabei nicht die Erziehungsfähigkeit der Eltern an, sondern bieten Sie sich vielmehr als Partner zur gemeinsamen Problemlösung an. Zeigen Sie den Eltern, welchen Teil Sie übernehmen und welcher Teil Aufgabe der Eltern ist.

 

 

Gleichberechtigung leben

Zwischen den Eltern und der Einrichtung wird nicht nur eine Erziehungssondern auch Bildungspartnerschaft angestrebt. Im Kinder- und Jugendhilfegesetz heißt es dazu: „Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sollen die in den Einrichtungen tätigen Fachkräfte und andere Mitarbeiter mit den Erziehungsberechtigten zum Wohle der Kinder zusammenarbeiten. Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtung zu beteiligen.“ (§ 22 Absatz 3 SGB VIII)

Erfüllen Sie diese Vorgabe mit Leben, indem Sie mit den Stärken der Eltern arbeiten, ihre Meinungen bei Veränderungen einholen und ihnen Einblicke in Ihre Arbeit gewähren. So können die Eltern Ihre Kompetenz kennen lernen und Sie die Zusammenarbeit mit den Eltern entlastend und bereichernd erfahren.

 

Reflexionsvermögen umsetzen

Reflexion wird als das prüfende und vergleichende Nachdenken über eigene Handlungen, Gedanken und Empfindungen definiert. Die Arbeit mit Kindern und Eltern zu reflektieren heißt, dass Sie sich selbst kritisch überprüfen und zu Veränderungen bereit sind. Nur so können Sie feststellen, wann auch Ihr eigenes Verhalten die Elternarbeit negativ beeinflusst.

Haben Sie Ihre Anteile daran erkannt, können Sie auf die Eltern zugehen und solche Ungereimtheiten klären, wenn Sie zum Beispiel einen Vorschlag einer Mutter zu schnell abgelehnt haben. Eine solch ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrer Erzieherpersönlichkeit werden die Eltern als wichtige Kompetenz wahrnehmen.

Reflexion heißt aber nicht nur, herausfinden, was nicht gut war. Nehmen Sie ebenso bewusst die vielen Dinge wahr, über die Sie positive Rückmeldungen erhalten. Zeigen Sie den Eltern anhand dieser 5 Kompetenzen Ihre Professionalität. Sie, aber auch die Eltern, können davon nur profitieren!

 

Praxistipp: In Ihrer nächsten Elternbefragung können Sie die Einschätzung Ihrer Kompetenz abfragen. Je konkreter Sie dabei formulieren, desto mehr können Sie das Ergebnis für sich nutzen. Erfragen Sie zum Beispiel die Einschätzung der Eltern über Ihr Fachwissen, die Hilfe bei Erziehungsproblemen und die Arbeit mit den Kindern.


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