So helfen Sie Eltern beim Umgang mit Kinderängsten


02.11.2017

Immer wieder kommt es vor, dass Kinder vor gruseligen Gestalten, Figuren aus dem Fernsehen, imaginären Monstern o. Ä. Angst haben. Die Eltern kommen auf Sie zu und bitten um Ihren professionellen Rat. Mithilfe der nachfolgenden Tipps beantworten Sie Eltern die wichtigsten Fragen zum Thema „Kinderängste“.

1. Tipp: Gruseln ist nicht Angst

Sich „zu gruseln“ ist nicht gleichbedeutend mit „Angst haben“. Erklären Sie den Eltern den Unterschied: Wenn Kinder sich gruseln, haben sie eine angenehme Gänsehaut, das Herz schlägt zwar schneller, aber eher vor Spannung als vor Angst. Gruseln ist ein angenehmes Gefühl. Beim Gruseln hat das Kind die emotionale Situation im Griff, es steht „darüber“. Dies kann z. B. sein,

  • weil das Kind schon öfter entsprechende Dinge gesehen hat.
  • weil das Kind sich schon ausführlich und spielerisch damit auseinandergesetzt hat.
  • weil es ein starkes Vertrauen in seine Umgebung, die Bezugspersonen und die Umwelt hat.
  • weil es eine gestärkte und selbstbewusste Persönlichkeit ist.
  • weil es das Verkleiden von sich selbst und seinen Freunden gut kennt.

2. Tipp: Angst ist normal

Sollte es dem Kind doch einmal zu viel werden und es ängstigt sich, ist das eine völlig normale Situation. Machen Sie dies den besorgten Eltern klar. Angst zu haben ist wichtig und sollte nicht aus falsch verstandener Behütung unterdrückt werden. Kinder müssen Erfahrungen mit der Angst machen, um zu lernen, mit ihr kompetent umzugehen. Nur wenn sie Angst spüren, Möglichkeiten suchen, diese aufzuheben und zu verarbeiten, oder lernen, sie auszuhalten, werden sie gestärkt aus diesem wichtigen Lernprozess herausgehen. Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass dem Kind bewusst Angst gemacht werden darf.

3. Tipp: Geborgenheit tut gut

Eltern sollten ihre Kinder in gruseligen Situationen stets beobachten. Sie kennen ihr Kind gut und bemerken recht schnell, wann es ihm zu viel wird. Dann brauchen Kinder die Sicherheit, dass jemand für sie da ist und sie mit ihren Ängsten nicht alleine lässt: einen Erwachsenen, der

  • das Kind in den Arm nimmt und ihm damit Geborgenheit und Sicherheit vermittelt,
  • die Ängste ernst nimmt und nicht abtut,
  • das Kind berichten lässt und sich Zeit für das Kind nimmt,
  • dem Kind mit Rollenspielen, Bildern u. Ä. hilft, die Angst zu verarbeiten.

4. Tipp: Das magische Alter

Die Grenzen zwischen Realität und Fantasie sind bei Kindern noch fließend. Ihnen fehlt die klare Abgrenzung zwischen „echt“ und „unecht“, besonders im sogenannten „magischen Alter“ zwischen 3 und 6 Jahren. Erklären Sie den Eltern, dass es ganz normal ist, wenn das Kind dies noch nicht unterscheiden kann. Im Gegenteil: Zu Anfang staunt das kleine Kind z. B. gar nicht über den Zauberer, der hinter einem Ohr ein Geldstück hervorzaubert. Warum auch? Woher soll das Kind wissen, dass dies „eigentlich“ unrealistisch ist?

Erst im Laufe seiner Entwicklung lernt das Kind die Gesetzmäßigkeiten kennen und kann darüber staunen. Sie kennen dies sicherlich auch vom Versteckspielen: Kleine Kinder schließen die Augen und denken, sie wären nun versteckt, weil sie sich selbst ja nicht mehr sehen. Selbst bei Kindern, die kurz vor der Einschulung stehen, hält das magische Denken noch an: Tagelang haben Sie ihnen vom echten St. Nikolaus erzählt, was er tat, wann er lebte, dass er nun tot ist und der heutige Nikolaus verkleidet ist. Die Kinder kennen und „wissen“ eigentlich die Fakten. Und doch zweifeln sie dann wieder, wenn sie den verkleideten Mann leibhaftig vor sich stehen sehen. „Es könnte ja vielleicht doch der echte sein …!“

5. Tipp: Ängste sind automatisch da

Auch wenn Eltern versuchen, Angst einflößende Dinge von Kindern fernzuhalten, wird ihr Kind trotzdem Ängste bekommen und immer wieder haben. Viele Eltern verstehen das nicht und fragen sich, woher diese Ängste kommen. Die Antwort: In jedem Menschen wohnen Ängste. Denn Angst macht wachsam, und vermutlich ist die Angst noch ein Erbe unserer Urvorfahren. Nur wer Angst hat, kann sich im entscheidenden Moment in Sicherheit bringen, nur wer Angst spürt, erkennt die (vermeintliche) Gefahr.

Deshalb sollten Bezugspersonen folgende Sätze unbedingt vermeiden:

  • „Du brauchst gar keine Angst zu haben!“
  • „Das ist doch gar nicht schlimm!“
  • „Ich habe doch auch keine Angst!“
  • „Sei tapfer und stark!“
  • „Du bist doch schon so groß!“
  • „Stell dich nicht so an!“

6. Tipp: Das Gruseln ausleben dürfen

Es ist wichtig, dass sich Kinder, wenn sie es möchten, immer wieder mit gruseligen und vielleicht auch Angst machenden Themen und Spielinhalten wie Hexen, Monster, Tod etc. auseinandersetzen dürfen. Eltern sollten ihre Kinder nicht daran hindern. Indem Kinder die Ängste personalisieren, sie nachspielen und dabei bestimmen, wie weit sie gehen, bekommen sie ihre Ängste in den Griff. Die Kinder lernen bei jedem Spiel die Angst und das Gruseln so weit kennen, wie sie es ertragen und zulassen können. Dadurch erleben sie eine gewisse „Macht“ über Angst einflößende Dinge, und diese schafft Selbstbewusstsein und Stärke.

Wenn Kinder mit diesen Tipps durch gruselige und auch ängstliche Momente begleitet werden, können sie zu starken, nicht angstfreien, aber kompetenten Kindern heranwachsen. Denn gruselige Situationen gibt es immer wieder im Leben.

So führen Sie ein entsprechendes Elterngespräch richtig

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