Lob tut auch Eltern gut – erfahren Sie, wie und wann Sie loben sollten


08.07.2019
Eltern wollen und müssen gelobt werden. In der Erziehungspartnerschaft verlangen Sie als Fachkraft oft viel von den Eltern. Einfacher wird dies, wenn Sie die Eltern immer wieder dafür loben. Wie das geht, zeige ich Ihnen hier:

Praxisbeispiel

Kim ist seit 2 Jahren bei Ihnen in der Kita. Von Beginn an war klar, dass
das Mädchen zusätzliche Förderung benötigt. Auch die Mutter wurde immer wieder in zahlreichen Gesprächen dazu aufgefordert, mit dem Kind zu Hause zu üben. Es waren sehr zähe und auch harte Gespräche. Nach 2 Jahren steht nun die Einschulung Kims im kommenden Sommer an. Die Bezugserzieherin Frau Reiser erstellt dafür einen aktuellen Beobachtungsbogen.

Dabei stellt sie fest, dass alle angesprochenen Förderungen für zu Hause tatsächlich umgesetzt worden sind. Kim zeigt in diesen Bereichen keinerlei Auffälligkeiten mehr. Hocherfreut berichtet Frau Reiser der zurückhaltenden Mutter davon. Diese wird dabei fast rot vor Freude.

Das bewirkt ein Lob

Ein Lob hat viele Funktionen. Unter anderem gehören dazu:
  • Motivation, das gezeigte und gelobte Verhalten zu wiederholen
  • Freude, das Richtige getan zu haben, oder Freude darüber, etwas richtig getan zu haben
  • Anregung, sich einzubringen
  • Bestätigung für die geleistete Arbeit
  • Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein
Bei einem Lob ist es unerheblich, wie alt man ist. Aus der Praxis heraus zeigt sich immer wieder, dass jeder Mensch Lob braucht. Es ist Antrieb und Motor zugleich. Wenn man nie gelobt wird, verliert man schnell die Freude am Tun und die Überzeugung, etwas gut und richtig zu machen. Das kann langfristig frustrieren und demotivieren.

Das Engagement der Eltern ist nicht selbstverständlich

Genauso wie im Beispiel geht es auch Ihren Eltern in der Kita. Erwarten Sie nicht, dass die Eltern immer gleich motiviert, zielstrebig und engagiert in der Kita auftreten. Setzen Sie es nicht als selbstverständlich voraus, dass Eltern ihre Hilfe anbieten oder sich tatkräftig um die Förderung des Kindes bemühen.
Machen Sie sich die Anstrengung bewusst, die es besonders berufstätigen Eltern in prekären Situationen abverlangt, das Kind pünktlich zu bringen oder ordentlich anzuziehen. Nehmen Sie es nicht als selbstverständlich hin, wenn Mütter ihr Kind aktiv fördern.

Loben Sie Eltern für Konkretes

In einer Kita gibt es im täglichen Zusammensein mit den Kita Eltern viele Anlässe, für die Sie gezielt und bewusst loben können. Dazu gehören beispielsweise:
  • Die Mitarbeit bei Festen
  • Das Einspringen im Alltag
  • Die Begleitung bei Ausflügen
  • Das Umsetzen von Tipps für zu Hause

Danken und Loben: 2 Paar Schuhe

Verwechseln Sie nicht das Danken mit dem Loben. Beim Danken zeigen Sie sich erkenntlich für eine Leistung, eine Handlung oder eine Hilfe, die Ihnen die Eltern angeboten haben. Mit einem Lob hingegen wollen Sie unterstützen, motivieren und zeigen, dass sich die Eltern richtig und gut verhalten haben.

Wann ist ein Lob angebracht?

Für ein Lob gibt es aus meiner Erfahrung keinen perfekten Zeitpunkt. Es kommt immer auf die Situation an. Ein Lob an die Eltern kann in einem Elterngespräch sinnvoll sein, aber auch mal bei einem Tür-und-Angel- Gespräch. Auch auf einem Ausflug oder nach einem Elternabend können Sie ganz bewusst auf Eltern zugehen. Wichtig ist, dass Sie in der konkreten Situation oder möglichst zeitnah loben.

Loben Sie altersangemessen

Da Sie Ihr Lob an Erwachsene richten: Achten Sie darauf, nicht so zu loben, als würden Sie sich an ein Kind wenden. Eine eher für ein Kind geeignete Formulierung wäre beispielsweise: „Das haben Sie aber gut gemacht.“
Formulieren Sie das Lob im Elterngespräch lieber wie folgt: „Ich habe beim Erstellen des Beobachtungsbogens festgestellt, dass Kim in all den Bereichen, die wir beim letzten Mal angesprochen hatten, sehr große Fortschritte gemacht hat. Ich kann Sie dazu nur beglückwünschen und Ihnen sagen, dass Ihnen das ausgezeichnet gelungen ist“.

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