Den Frühling riechen, fühlen, hören, sehen – so entdecken Kleinkinder die Natur


04.03.2019

Kleinkinder haben ein großes Interesse an der Natur – vor allem, wenn jetzt der Frühling erwacht. Die Kleinkinder erleben die leuchtenden Farben der Natur, riechen den Blütenduft und hören Vogelgezwitscher. Positive Naturerfahrungen fördern die Persönlichkeitsentwicklung von Kleinkindern.

Sie stärken ihr Selbstvertrauen, ihre Wahrnehmung, ihr ästhetisches Empfinden und fördern die Achtung vor der Natur. Zudem schulen die Kleinkinder ihre Aufmerksamkeit und Konzentration sowie die motorischen Fähigkeiten. Nutzen Sie diese Jahreszeit, um den Kleinkindern viele Anregungen zu bieten.

Sorgen Sie für Kleidung, die schützt, aber nicht isoliert

„Es gibt kein falsches Wetter, nur die falsche Kleidung.“ Dieser Spruch gilt auch für die sinnlichen Erlebnisse. Sicherlich sind Regenkleidung und Matschhosen an regnerischen Tagen sinnvoll. Wenn es nur noch ein wenig feucht oder windig ist, sind sie aber übertrieben. Wie sollen die Kleinkinder sinnliche Erfahrungen in der Natur sammeln, wenn sie komplett in Plastik gehüllt sind und dadurch vieles nicht fühlen können?

Sprechen Sie mit den Eltern darüber, dass Matschhosen zwar die Kleidung der Kleinkinder vor Gras- und Erdflecken schützen, aber den Kindern auch grundlegende Sinneserfahrungen rauben. Bitten Sie die Eltern, den Kleinkindern lieber Kleidung anzuziehen, die auch einen Grasfleck haben darf: eine Hose, die es verträgt, wenn das Kleinkind über den Boden krabbelt, und eine Baumwolljacke, bei der das Kind den Wind spüren kann.

Lassen Sie den Kindern Zeit für sinnliche Erlebnisse

Kleinkinder sind von Natur aus interessiert an sinnlichen Erfahrungen. Aus eigenem Antrieb erkunden sie fast alles mit ihren Fingern. Sie riechen an Pflanzen und probieren vieles. Sie suchen auf unebenem Boden oder an umgefallenen Baumstämmen und Steinen Reize für ihr Gleichgewichtssystem, indem sie darauf klettern, balancieren und herunterspringen.

Begleiten Sie die Kleinkinder bei ihren Erkundungsgängen und geben Sie ihnen ausreichend Zeit, um den Zauber der erwachenden Natur wahrzunehmen. Nehmen Sie sich selbst zurück und beobachten Sie die Erlebnisse und Erfahrungen, die das jeweilige Kleinkind macht.

Die Beobachtungen, die Sie in dem Moment manchen, eignen sich sehr gut für die Dokumentation im Portfolio oder für Lerngeschichten. Lassen Sie die sinnlichen Eindrücke auf die Kleinkinder wirken und sich ins kindliche Bewusstsein verankern. Sobald Sie merken, dass das Kleinkind sich nicht mehr konzentriert den sinnlichen Erlebnissen widmet, beginnen Sie, Fragen zu stellen oder Dinge zu erklären.

Entdecken Sie den Frühling bei Spaziergängen

Machen Sie sich gemeinsam mit den Kleinkindern auf den Weg. Gehen Sie auf eine Wiese, in den Wald oder in einen Park. Dort gibt es allerhand für Kleinkinder zu entdecken. Fördern Sie die visuelle Wahrnehmung, indem Sie die Kleinkinder zum bewussten Hinsehen einladen.

Betrachten Sie beispielsweise den Boden genau und fragen Sie nach einer Weile die Kinder, was dort zum Vorschein kommt. Laden Sie die Kleinkinder ein, mit den Fingern durch die Erde zu graben. So lässt sich noch viel mehr entdecken. Riechen Sie gemeinsam an der Erde.

Gestalten Sie Einladungen so, dass sie auch von berufstätigen Eltern wahrgenommen werden können. Legen Sie beispielsweise Elterngespräche morgens in die Bringzeit oder auf den späten Nachmittag. Da auch Sie auf Ihre Freizeit und Ihren Feierabend achten sollten, reservieren Sie die Termine vorrangig für Eltern, die diese wirklich benötigen.

Tipp für Ihre Praxis:

Halten Sie Ihre Bildungsangebote mit der Kamera fest. Drucken Sie die Bilder aus und schreiben Sie dazu, welche Bereiche Sie gefördert haben. So wissen die Eltern den Wert Ihrer Arbeit noch mehr zu schätzen.

Nutzen Sie die nachfolgenden Angebote. Damit fördern Sie neben dem Naturbewusstsein vielfältige weitere Fähigkeiten der Kleinkinder, wie Sie der Übersicht entnehmen können.

Wichtiger Hinweis:

Informieren Sie sich im Vorfeld darüber, welche Pflanzen giftig sind. Diese dürfen die Kleinkinder nicht berühren und schon gar nicht in den Mund nehmen. Nehmen Sie ein Pflanzenbestimmungsbuch mit. Das bietet Ihnen vor Ort eine Hilfestellung.

Nutzen Sie die gefundenen Schätze

Nehmen Sie Fundstücke und die gepflückten Blumen mit in die Kita. Folgende Nutzungsvarianten bieten sich an:

  • Stöcke eignen sich zum Spielen und Basteln.
  • Alle gefundenen Schätze können auf einem Tisch präsentiert werden.
  • Geben Sie die Blumen in eine Vase oder Schale mit Wasser.

Nehmen Sie Tiere unter die Lupe

Im Frühling erwachen viele Tiere aus ihrem Winterschlaf oder kommen aus dem warmen Süden zurück in unsere heimischen Gefilde. Kleinstlebewesen tummeln sich zwischen Gräsern und Blumen. Entdecken Sie mit den Kleinkindern die Käfer, Schmetterlinge, Regenwürmer, Raupen und Ameisen.

Nehmen Sie sich Lupen und gehen Sie in Ihren Kita-Garten oder unternehmen Sie wiederum mit den Kleinkindern einen Spaziergang. Je nachdem, ob Sie eine Wiese, einen Park oder einen Wald ansteuern, werden die Kleinkinder andere – auch größere – Lebewesen entdecken können. Nehmen Sie sich auch hier wieder die Zeit, um die einzelnen Tiere mit den Kleinkindern zu beobachten und zu belauschen. Anschließend nutzen Sie die Beobachtungen für weitere Aktivitäten, bei denen die Kinder die Bewegungen oder Geräusche der Tiere nachahmen. Welche Förderbereiche Sie damit ansprechen, entnehmen Sie der Übersicht rechts.

Beobachten Sie die Veränderungen im Kita-Garten

Besonders der Garten Ihrer Kita bietet sich an, um mit den Kleinkindern das Frühlingserwachen und die Veränderungen der Natur zu erleben. Gehen Sie mit den Kleinkindern in den Garten und suchen Sie gemeinsam einen Baum oder Strauch aus, dessen Veränderungen Sie in den nächsten Wochen beobachten.

Betrachten Sie mit den Kleinkindern den Baum intensiv. Schauen Sie sich die Knospen der bald wachsenden Blätter an. Zeigen Sie den Kleinkindern, wie Sie die jungen Blätter den Knospen entrollen. Streichen Sie den Kleinkindern mit den zarten Blättern über die Hände und über die Wangen. Dabei machen die Kleinkinder spannende Entdeckungen: So weich und zart sind die neuen Blätter! Lassen Sie die Kinder selbst ausprobieren, wie aus der festen Knospe das zarte Blatt zum Vorschein kommt, und sich selbst mit den Blättern streicheln.

Laden Sie die Kleinkinder auch ein, an den neuen Blättern, den Blüten, am Stamm zu riechen und alles zu betasten. So erleben die Kinder die Natur ganzheitlich. Sprechen Sie über diese Sinneserfahrungen. Nutzen Sie dabei Wörter wie: „Der Stamm ist glatt/rau. Der Stamm riecht holzig. Die Knospen riechen frisch.“ Dadurch festigen Sie die sinnlichen Erfahrungen und fördern die Sprachentwicklung der Kleinkinder.

Dokumentieren Sie die Veränderungen in Fotos

Machen Sie ein Foto von dem Baum oder Strauch. Dies wiederholen Sie mindestens einmal in der Woche. Sprechen Sie über die Veränderungen. Sicherlich werden die Kleinkinder von selbst auch den Baum oder Strauch bei ihrem Aufenthalt im Garten genau beobachten. Nutzen Sie dazu Wörter wie „kahl – Blätter, Knospen – Blüten und Früchte“. So fördern Sie die Sprachentwicklung, die visuelle Wahrnehmung und das Naturbewusstsein.

Entwickeln Sie die Fotos und betrachten Sie diese in einem Morgenkreis mit den Kleinkindern: Welche Unterschiede können die Kleinkinder entdecken? Wie verändert sich das Gewächs? Kleben Sie mit den Kleinkindern die einzelnen Fotos nacheinander auf ein Plakat. So dokumentieren Sie die Veränderungen. Hängen Sie das Plakat an eine für die Kleinkinder gut sichtbare Stelle. Die Kinder werden die Dokumentation immer wieder intensiv betrachten.


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