Mathe für Kleinstkinder? So entdecken die Jüngsten Zahlen, Formen und Größen


20.07.2015
Tobias ist 1,5 Jahre alt. Er sitzt auf dem Teppich in der Bauecke. Auf dem Boden vor ihm liegt ein viereckiger Holzbaustein. In seiner Hand hält Tobias eine runde Holzkugel. Diese setzt er immer wieder auf den viereckigen Holzbaustein. Der runde Holzbaustein kullert jedes Mal hinunter, und Tobias versucht immer wieder aufs Neue, den runden Stein auf den eckigen zu setzen. Als erfahrene Erwachsene wissen wir, dass die Kugel nicht auf dem eckigen Halt finden wird. Tobias sammelt gerade seine ersten Erfahrungen mit den geometrischen Formen der Bauklötze. Er kann die runden und eckigen Holzbausteine noch nicht voneinander unterscheiden und ist sich noch nicht über deren Eigenschaften bewusst. Nur durch die stetige Wiederholung wird die Erfahrung mit dem Material gespeichert. Voraussetzung dazu ist das neugierige Ausprobieren von Tobias. Dieses Verhalten ist angeboren.
Indem sich das Kind intensiv mit seiner Umwelt auseinandersetzt, kann sich diese Fähigkeit schnell weiterentwickeln. In Ihrer Arbeit beobachten Sie Kinder wie Tobias und wissen, dass sie schon früh Objekte zueinander in Beziehung setzen. Schon mit 6 Monaten greifen Kinder nach Spielgegenständen / Objekten. Die Orientierung im Raum erfolgt durch Krabbeln oder Robben, bis das Kind den angestrebten Spielgegenstand erreicht hat. Wir müssen uns hierbei bewusst machen: All das sind erste mathematische Erfahrungen. Nach und nach kann das Kind sie verinnerlichen und selbstverständlich damit umgehen bzw. diese gezielt nutzen.

 

Was beinhaltet die frühe mathematische Bildung von Kleinkindern?

  • Das Erfassen von unterschiedlichen Mengen (z. B. „viel“ und „wenig“)
  • Das Erfassen von unterschiedlichen Größen (z. B. „groß“ und „klein“)
  • Das Erfassen von unterschiedlichen Gewichten (z. B. „leicht“ und „schwer“)
  • Das Erkennen von Mustern
  • Das Verändern von Mustern
  • Das Sortieren und Ordnen von Gegenständen und Materialien (Kategorisieren)
  • Die Unterscheidung von verschiedenen Formen und Räumen
  • Logisches Denken
  • Erste Berührungen mit Zahlen
Kinder sammeln mathematische Fähigkeiten z. B. über:
  • Wiederkehrende Situationen / Muster im Alltag
  • Umgang mit immer wechselnden verschiedenen Materialien (siehe Tabelle unten)
  • Muster und Strukturen in der Umgebung
  • Umfüllen verschiedener Stoffe wie Wasser, Erde und Sand
Sie als Erzieherin sind eine aufmerksame Begleiterin der Kinder. Es ist wichtig, die Erfahrungen der Kleinstkinder zu verbalisieren. So lernen die Kinder beispielswiese die Bezeichnungen für ihre Tätigkeiten oder die Namen von Ziffern. Im Alltag gibt es zahlreiche Situationen, in denen die mathematischen Grunderfahrungen gefördert werden.

 

Dies geschieht beispielsweise über:

  • Fingerspiele,
  • Abzählreime,
  • Rhythmen klatschen,
  • im Morgenkreis die anwesenden Kinder zählen,
  • Wiederholungen und Rituale im Tagesablauf,
  • Lieder
  • oder verbale Begleitung, beispielsweise Benennen von groß, klein, eckig oder rund.
Auch wenn die Allerjüngsten zunächst noch nicht alles in ihrer Bedeutung verstehen können, so sind diese ersten Erfahrungen prägend für das spätere mathematische Denken. Besonders über das kindliche Spiel kann das Kind einen Zugang zur Mathematik erlangen. Gezielte Förderung abseits von Spaß und Spiel erzielt das Gegenteil und schränkt das Kind in seiner Vielfältigkeit zu lernen ein. Mit dem richtigen Materialangebot und Ihrer Beobachtung für die aktuellen Interessen des Kindes steht der Entdeckung von Zahlen, Formen und Größen nichts im Wege!

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