Optimismus bei Kindern – 5 Tipps, wie Sie Lebensfreude schaffen


20.03.2018

Kinder werden nicht als Optimisten geboren, sondern erst durch ihre Erfahrungen und durch gelungene Beziehungen zu Glückskindern – also zu Menschen, die auch trotz kleiner und großer Unglücke glücklich sein können. Als Erzieherin haben Sie einen entscheidenden Anteil daran, ob die Kinder Krisen emotional und kompetent meistern können und dabei nicht die Fähigkeit verlieren, das Schöne und Gute in der jeweiligen Situation zu erkennen. Optimismus bei Kindern ist also förderbar.

Der amerikanische Psychologe Martin Seligman meint, dass „die Natur die Kinder seelisch schützt, indem sie ihnen ein verschwenderisches Maß an Hoffnung mitgegeben hat“. An schöne Erlebnisse erinnern sich die Kinder sehr intensiv, schlechte können sie viel schneller vergessen als wir Erwachsenen.

Die Anlagen der Kinder zum Glücklichsein sind also bestens. Und doch wird nicht jedes Kind ein Optimist, der an das Gute in der Welt und in sich glaubt.

Was brauchen Kinder zum Glücklichsein?

Beispiele dafür kennen Sie viele: Lena stellt sich auch dann wieder auf die Stelzen, wenn sie gerade das 3. Mal gestolpert ist. Ihre Freundin Mia beginnt in der gleichen Situation zu weinen und geht frustriert weg. Dabei ist Lena auf den Stelzen keineswegs geschickter. Doch sie ist Optimistin. Sie glaubt daran, das Stelzenlaufen zu lernen. Sie konnte genug Erfahrungen sammeln, dass es sich lohnt, sich anzustrengen. Die Gründe für Lenas Optimismus liegen bereits in ihren frühesten Erfahrungen:

  • Gefühle
  • der Geborgenheit,
  • der Sicherheit,
  • des Zutrauens und
  • erlebter positiver Erfahrungen

konnte sie unterbewusst in ihrem Gehirn abspeichern, und diese zeigen sich jetzt in ihrer positiven Grundeinstellung zum Leben. Der Optimismus bei Kindern ist also nicht nur angeboren, sondern wird auch durch das Erlernte verstärkt.

Wie stark dieser Optimismus bei Kindern sein kann, zeigte die amerikanische Psychologin Susan Vaughan in Tierversuchen. Dabei wurden junge Ratten ins Wasser gesetzt. In 2 Gruppen mussten sie eine Weile schwimmen. Dabei konnte die eine Gruppe immer wieder eine rettende Insel erreichen, währenddessen die andere Gruppe ohne diese Inseln schwimmen musste. Abschließend zeigte sich, dass die „Insel-Gruppe“ mehr als doppelt so lange durchhielt wie die andere Gruppe, die nicht die Erfahrung einer rettenden Insel hatte.

Für die Forscherin ist klar: Der Optimismus half ihnen dabei. Sie lernten, dass es sich lohnt durchzuhalten, weil sie die Erinnerung an die Insel abspeichern konnten. Die Ratten, die diese positive Erfahrung nicht hatten, gaben auf.

Gibt es also ein „Glücksrezept“ für die Erziehung? Ganz so einfach ist es nicht. Doch Sie können viel dafür tun, den Optimismus bei Kindern anzuerziehen. Schenken Sie den Kindern möglichst oft die Erfahrung einer „Rettungsinsel“ und sie werden sich dieses „Inselgefühl“ immer wieder ins Gedächtnis rufen können, wenn es schwierig für sie wird, weil z. B. etwas sehr schwer zu erreichen ist oder sie traurig sind.

Erziehen Sie Kinder zum Glücklichsein

Die Aufgabe, Kindern eine Atmosphäre der Lebensfreude und der Geborgenheit zu schenken, lohnt sich, denn optimistische Kinder

  • sind gesünder und glücklicher,
  • besitzen eine positivere Ausstrahlung, haben mehr Freunde, sind beliebter und
  • lernen leichter, zeigen bessere Leistungen in der Schule und später im Beruf.

Mit den folgenden 5 Tipps tragen Sie entscheidend dazu bei, dass die Kinder ihre natürlichen Anlagen zum Optimismus voll entfalten können.

1. Tipp: Helfen Sie, Gefühle zu verstehen

Kinder, die ihre eigenen Gefühle einordnen und verstehen können, sind auch negativen Gefühlen gegenüber nicht hilflos ausgeliefert. Wenn Kinder z. B. das Gefühl „Traurigkeit“ kennen und die Erfahrung gemacht haben, was ihnen dagegen hilft, dann sind sie bald selbst in der Lage, dieses negative Gefühl abzuwenden.

Dafür sind Gespräche über Gefühle wichtig. Zum einen sollten Sie möglichst oft über Ihre eigenen Gefühle sprechen und sie erklären, z. B.: „Ich freue mich, dass ihr so gute Ideen hattet. Das wird ein tolles Fest werden!“ oder „Ich bin traurig, dass du Jonas so weh getan hast.“

Zum anderen sollten Sie im Gruppenalltag möglichst viele Situationen aufgreifen, in denen die Gefühle der Kinder deutlich werden: „Jetzt kannst du dich richtig freuen, dass du es geschafft hast, eine ganze Runde mit dem Roller zu fahren“ oder „Ich sehe, dass du traurig bist. Willst du mir erzählen, was passiert ist?“

Indem Sie möglichst oft Gefühle der Kinder benennen und klären, verdeutlichen Sie die Ursache und die Folge, z. B. von Wut. Das Kind lernt, seine Gefühle und Bedürfnisse immer differenzierter wahrzunehmen und auszudrücken. Das Gefühl der Freude kann sich so intensivieren und negativen Gefühlen, wie z. B. Ärger, kann klarer Abhilfe geschaffen werden, wenn die Kinder wissen, warum sie ärgerlich sind.

In mehreren Schritten können Sie dazu auch ein eigenes Memoryspiel herstellen. Besprechen Sie mit den Kindern möglichst viele Gefühle, z. B. Angst, Freude, Wut, Spannung usw. Überlegen Sie mit den Kindern, wann sie diese Gefühle bei sich selbst erleben. Dann denken die Kinder darüber nach, wie sie diese Gefühle bei anderen wahrnehmen können, nämlich im Gesichtsausdruck. Bieten Sie den Kindern Spiegel an, um sich mit verschiedenen Gesichtsausdrücken bewusst wahrzunehmen. Nun stellen die Kinder zum Erraten für die anderen nacheinander einzelne Gefühle mimisch dar.

Im nächsten Schritt fotografieren Sie die Kinder dabei, sodass immer 2 Kinder auf den Fotos das gleiche Gefühl zeigen. Diese werden zu Memorykarten auf Pappe geklebt. Jetzt müssen die Kinder Paare finden, indem sie das gleiche Gefühl bei 2 verschiedenen Kindern finden.

2. Schaffen Sie „Flows“

„Flow“ wird in der Glückforschung der seelische Zustand von höchster innerer Zufriedenheit genannt. Optimistischen Menschen gelingt es leichter und häufiger, „Flows“ zu erreichen. Sie können den Kindern dabei helfen, indem Sie sie vor echte Herausforderungen stellen. Beispiele dafür sind:

  • Sie schrauben die Stelzen höher, wenn das Kind sicher darauf laufen kann.
  • Sie fordern es zu einem Wettbewerb heraus, z. B. mit einem beliebten Spiel.
  • Sie stellen das Kind vor eine kreative Aufgabe, z. B. die Kreismitte für die Gesprächsrunde selbstständig und ohne Vorgaben zu schmücken.
  • Sie fordern das Kind zu höheren Leistungen heraus, z. B. indem Sie eine Leiter holen, damit das Kind seinen Turm noch höher bauen kann.

Das stellt auch Sie vor eine echte Herausforderung: Die Aufgaben dürfen nicht zu leicht sein, sonst langweilt sich das Kind, aber auch nicht zu schwer, um es nicht zu frustrieren. Das setzt eine gute Beziehung zum Kind und eine aufmerksame Beobachtungsgabe voraus.

3. Tipp: Seien Sie gemeinsam fröhlich

Schaffen Sie möglichst täglich Momente der Ausgelassenheit. Lachen Sie herzlich mit den Kindern – auch über sich! Denn die Kinder finden es besonders komisch, wenn Ihnen etwas schiefgeht. Das zeigt ihnen zudem, dass nicht jedes Missgeschick eine Katastrophe darstellt.

Nehmen Sie möglichst viel mit Humor und schimpfen Sie auch mal ab und zu zum Spaß, indem Sie ein übertrieben böses Gesicht machen und mit tiefer Stimme und erhobenem Zeigefinger „drohen“.

Musik ist ein weiterer „Gute-Laune- Macher“. Deshalb sollten Sie möglichst oft mit den Kindern – auch spontan! – singen und Musik hören. Weitere Anregungen zur Musik mit Kindern finden Sie in der Dezember-Ausgabe von „Praxisgestaltung in Kindergarten und Hort“. Denn Musik hebt die Stimmung und ist Balsam für die Seele.

4. Tipp: Erklären Sie die Welt positiv

Ihre Weltsicht ist Vorbild für das Kind. Deshalb sollten Sie eine möglichst positive Sicht weitergeben. Neigen Sie selbst zum Pessimismus? Dann arbeiten Sie zunächst an sich. Versuchen Sie z. B., in jeder Situation das Positive zu erkennen – auch wenn Sie zunächst etwas darüber nachdenken müssen.

Zudem sollten Sie sich nicht mit Menschen vergleichen, die es – wenn auch nur vermeintlich – besser haben. Ziehen Sie so genannte Abwärtsvergleiche, also Vergleiche mit Menschen, die es weniger gut haben. Das hilft Ihnen, sich glücklich zu schätzen, und fördert nachweislich eine optimistische Lebenseinstellung.

Oft kommt es dabei nur auf die Formulierung an:

  • „Du darfst heute aber lange bei uns im Kindergarten bleiben!“ statt „Heute hast du aber einen langen Tag vor dir!“
  • „Das kannst du heute schon viel besser als gestern!“ statt „Da müssen wir noch viel üben!“
  • „Wenn du den Knoten schon kannst, hilfst du mir dabei, den Kleinen die Schuhe anzuziehen, oder?“ statt „Schau dir Sarah an, die kann schon längst die Schleife!“

Macht sich beim Kind echter Frust über einen Misserfolg breit, dann erinnern Sie es an frühere Erfolge: „So gut, wie du Roller fahren kannst, wirst du auch das Fahrradfahren lernen!“

Ein freundliches Gesicht und ein Lächeln lassen die Welt positiver erscheinen. Denn Glück lässt sich erfinden! Sie können also vortäuschen, was Sie empfinden, und fühlen es dann tatsächlich. Sagen Sie deshalb das nächste Mal zu einem Kind, das „finster schaut“, mit einem Augenzwinkern: „Schau nicht so finster, sonst wird es gleich zu gewittern anfangen!“

5. Tipp: Geben Sie Raum zum Träumen und Denken

Tagträumer und Kinder mit Fantasie haben es leichter, optimistisch zu sein. Ihre inneren Bilder helfen ihnen, positiv zu denken. Geben Sie deshalb Raum für eigene und kreative Lösungen der Kinder. Und schenken Sie ihnen Zeit für Träume. Denn in einem straff organisierten Tagesablauf sind sie nur schwer möglich. Lassen Sie die Kinder ihre Fantasien und Visionen erzählen oder aufmalen.

„Im Zweifelsfall ist die Illusion eines Optimisten gesünder als der Realismus eines Pessimisten!“, meint Susan Vaughan, die Optimismusforscherin. Denn wer nur die harte Realität vor Augen hat, tut sich schwer, den Moment und die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

Wenn Ihnen also nach mühevollem Backen der Kuchen zerbricht, als Sie ihn aus der Form nehmen wollen, dann sollten Sie mit den Kindern einfach den „1. Gebirgskuchen der Welt“ gestalten, statt sich über das Missgeschick zu ärgern.

Optimistisch und glücklich zu sein können Sie mit den Kindern gemeinsam lernen und vertiefen: Lassen Sie sich anstecken von ihrer Fähigkeit, unbeschwert genießen zu können, und schenken Sie den Kindern das Vorbild Ihrer eigenen positiven Lebenseinstellung!


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