So gelingt die Eingewöhnung von Flüchtlingskindern


02.08.2017
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Die Eingewöhnung von Flüchtlingskindern ist eine sehr fordernde Zeit, die von allen Beteiligten als anstrengend und belastend empfunden wird. Besonders schwierig gestaltet sie sich, wenn die Sprachbarriere hoch und eine Verständigung mit Eltern und Kind daher kaum möglich ist.

 

 

Praxisbeispiel

Die 3-jährige Hibah Tezera steht an der Tür des Gruppenraumes und weint leise in sich hinein. Ihre Mutter hat das Mädchen in die Kita gebracht und sich davongeschlichen, als das Kind in der Puppenecke spielte. Während dem Mädchen Tränen über das Gesicht laufen, versucht eine Erzieherin sie zu beruhigen. Doch Hibah versteht die Sprache der Erzieherin nicht und weint stärker.

So gehen Sie vor

Verringern Sie den Stress für die Kinder. Das Erzieherverhalten ist ein wichtiger und beruhigender Faktor für die Kinder.
Die Produktion von Stresshormonen kann bei der Eingewöhnungszeit so zwar nicht unterbunden, aber deutlich reduziert werden.

Besonders wichtig ist für die Kinder eine hohe Qualität der Erzieher-Kind-Bindung. Sie ist gegeben, wenn der Pädagoge Ihrer Kita

  • sofort und unmittelbar auf die Signale des Kindes reagiert,
  • sich dem Kind direkt zuwendet,
  • es tröstet oder
  • ihm immer wieder Impulse zum Spielen bietet.

Damit Ihre Erzieher diese Bindungsqualität bei der Eingewöhnung herstellen, sollten Sie während der Eingewöhnung einen guten Betreuungsschlüssel gewährleisten.

Zudem sollten alle Erzieher Ihrer Kita darin unterwiesen sein, wie sie auf die Flüchtlingskinder sofort und unmittelbar reagieren und eingehen können.

Tipp: Besonders gut gelingt die Eingewöhnung, wenn ein Erzieher als Bezugserzieher ausschließlich für die Eingewöhnung des Flüchtlingskindes zur Verfügung steht. Sorgen Sie dafür, dass zeitgleich nicht zu viele Flüchtlingskinder eingewöhnt werden.

5 Tage Eingewöhnung sichern das Wohlergehen des Flüchtlingskindes

Bei einer sanften Eingewöhnung ist die Mutter, der Vater oder diejenige Bezugsperson, die die Eingewöhnung des Kindes übernimmt, mindestens 5 Tage in der Kita anwesend. Eine phasenweise Trennung erfolgt frühestens ab dem 3. Tag.

Die Phasen der Trennung dauern anfänglich nur kurze Zeit und sie werden schritt- weise verlängert. Dabei sollten Sie die Reaktion des Kindes im Auge behalten. Zeigt es Angst oder starken Trennungsschmerz, sollte die Bezugsperson zurückkommen.

Geben Sie den Eltern einige Tage vor dem 1. Kita-Tag einen Brief mit Verhaltensempfehlungen.

Die Eltern nehmen diese Empfehlungen in der Regel dankbar an, befolgen sie und empfinden sie als Hilfe.

Die 5 Tage gemeinsame Eingewöhnungszeit für Bezugsperson und Kind sind der Mindeststandard, wenn Sie von einem sanften Eingewöhnungskonzept ausgehen. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind eine sichere Bindung zu Ihnen als Erzieher aufgebaut hat.

Eine Übersicht über die von den Eltern begleiteten Zeiten während der Eingewöhnung sehen Sie auf dieser Seite.

Das Kind hat eine sichere Bindung zum Erzieher aufgebaut, wenn

  • es sich freut, den Erzieher zu sehen,
  • es Spielvorschläge von ihm annimmt und
 sich von ihm trösten lässt.

Fazit

Für Flüchtlingseltern ist die 5-Tage-Eingewöhnung sehr ungewohnt, denn in ihrem Kulturkreis wird Kindern kein dementsprechend hoher Stellenwert und daher auch keine so große Rücksichtnahme zugebilligt. In manchen Herkunftsländern spielen Kinder eine eher untergeordnete Rolle. Informieren Sie die Eltern der Flüchtlingskinder darüber, wie Sie sich in der Eingewöhnungsphase und besonders während der 5-tägigen Anwesenheitszeit verhalten sollen

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