So setzen Sie Medien sinnvoll in Ihrer Krippe ein


27.11.2017

Medien und Kleinkinder – diese Kombination ist immer noch ein pädagogisches Reizthema. Sicherlich gehen auch in Ihrem Team die Meinungen zur Mediennutzung der Kleinen weit auseinander. Fest steht: Die Kleinkinder können nicht ganz von dem überbordenden Medienangebot ferngehalten werden, auch wenn viele von Ihnen eine medienfreie Kindheit als pädagogisches Ideal ansehen. Die Realität sieht anders aus. Das beeinflusst auch Ihre Arbeit. Zum einen ist es wichtig, dass Sie die Medien pädagogisch wertvoll nutzen. Zum anderen müssen Sie mit den Auswirkungen der Medien auf Ihre tägliche Arbeit richtig umgehen lernen. Wie Ihnen das in Ihrer täglichen Praxis gelingt, erfahren Sie hier.

 

 

Den Medien kann keiner ausweichen

Tagtäglich nutzen selbst Ihre Jüngsten die Medien, die in Ihrer Kita vorhanden sind – bewusst oder unbewusst. Sei es auch nur dadurch, dass die Erzieher Radio hören und die Kleinkinder währenddessen spielen. Die Kleinkinder konsumieren die Inhalte so einfach nebenbei. Sicherlich schauen Sie sich mit den Kindern des Öfteren auch Bilder an, die Sie auf Ihrem Smartphone haben. Und manche Kleinkinder bringen morgens einen Lerncomputer, eine Hörspiel-CD oder Bilderbücher mit Soundsystem mit in die Kita.

Umso wichtiger ist es, die Kinder einen vernünftigen Umgang mit Medien zu lehren. Dafür sollten Sie wissen, wie oft und welche Medien die Kinder in Ihrer Einrichtung konsumieren. Denn oftmals nutzen die Kleinkinder viel mehr Medien, als Ihnen bewusst ist. Mit dem nachfolgenden Test überprüfen Sie die Mediennutzung der Kleinkinder.

Überprüfen Sie die Mediennutzung Ihrer Kleinkinder (täglich / mehrfach in der Woche / ein paar mal im Monat / zu besonderen Anlässen / nie):

  • Radio
  • Kasseten und CDs
Fotos
  • Bücher
  • Zeitungen und Zeitschriften
  • Fernseher
  • DVDs & Blu-rays
  • PC
  • Tablet
Internet
  • Smartphone
  • Telefon

Nun haben Sie einen Überblick, wie häufig und welche Medien Ihre Kleinkinder nutzen. Betrachten Sie die Situation kritisch. Denn das Radio sollte nicht den ganzen Tag im Hintergrund dudeln, auch wenn Sie als Erzieherin das Nachrichtenhören und die musikalische Untermalung lieben. Beides hat nichts im Gruppenalltag zu suchen. Denn zum einen sind die Nachrichten nicht kleinkindgerecht. Zum anderen bewirkt eine Hintergrundmusik, dass lauter gesprochen wird. Schnell entsteht eine hohe Geräuschkulisse, die stresst.

Nutzen Sie in erster Linie Bücher und Fotos. Alle anderen Medien sollten nur gelegentlich und dann ganz bewusst genutzt werden.

Achten Sie bei der Nutzung von auditiven Medien wie Kassetten und CDs darauf, dass diese nicht zu laut sind. Denn das erhöht schnell die allgemeine Lautstärke im Gruppenraum.

Leben Sie einen bewussten Umgang vor

Einen sinnvollen Umgang mit Medien erlernen Kleinkinder vor allem auch durch Vorbilder. Dazu gehören die Eltern, aber auch Sie als Erzieher. Machen Sie sich diese Vorbildrolle immer wieder bewusst, und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Verzichten Sie darauf:

  • regelmäßig in Ihr Smartphone zu blicken und Nachrichten zu lesen.
  • im Internet zu surfen, während die Kleinkinder spielen.
zzsich mit Ihren Kolleginnen gegenseitig Inhalte aus den sozialen Netzwerken zu zeigen.
  • zu telefonieren, während Sie gerade mit einem Kleinkind beschäftigt sind.

Wenn es keine Regelung zur Mediennutzung durch Ihren Arbeitgeber gibt, dann reduzieren Sie Ihre Medienzeiten von sich aus auf ein Minimum.

Beachten Sie 5 Regeln, wenn Sie digitale Medien nutzen

Sich in der Kita den digitalen Medien ganz zu verschließen ist nicht machbar. Aber viel ist gewonnen, wenn Sie sie sinnvoll einsetzen. Dann bereichern und ergänzen Sie Ihre pädagogische Arbeit positiv. Die 5 Regeln in der Übersicht sind ein Wegweiser.

  1. Regel: das Alter der Nutzenden. Je jünger die Kleinkinder sind, desto weniger digitale Medien sollten sie nutzen.
  2. Regel: die Dauer der Nutzung. Je jünger die Kleinkinder sind, desto kürzer sollten die Nutzungszeiten sein.
  3. Regel: die Möglichkeit zur Verarbeitung. Bieten Sie den Kleinkindern die Möglichkeit, das Gesehene oder Gehörte zu verarbeiten.
  4. Regel: die Nutzung sinnvoll begleiten. Kleinkinder sollten digitale Medien nie allein nutzen.
  5. Regel: Auf den Inhalt kommt es an. Der Inhalt sollte dem Alter der Kinder entsprechen.

Nutzen Sie Medien immer gemeinsam

Wenn Kleinkinder digitale Medien allein nutzen, dann wirkt sich das negativ auf ihre Entwicklung aus. Die Kleinkinder machen dabei oft nur auditive und visuelle Erfahrungen. Die Sprache der Kleinkinder entwickelt sich jedoch in der Interaktion mit anderen Menschen. Das Sprachvermögen bildet sich über das Gehörte, die Gestik und Mimik und das selbst Gesprochene. Daher ist es notwendig, dass Sie folgende Punkte beachten.

  • Nutzen Sie digitale Medien gemeinsam mit den Kleinkindern, lassen Sie sie nicht allein damit.
  • Sprechen Sie mit den Kindern über die Inhalte, damit sie sie begreifen und verarbeiten können.
  • Bieten Sie den Kleinkindern nach Bedarf auch körperliche Nähe während der Nutzung, z. B. indem Sie miteinander kuscheln.
  • Achten Sie auf begrenzte Nutzungszeiten.

Berücksichtigen Sie diese Punkte bei der Wahl der Medien

Nicht zu vergessen: Wenn Sie Medien pädagogisch sinnvoll einsetzen, dann machen die Kleinkinder auf diese Weise viele nützliche Erfahrungen.

  • Der Inhalt und die Gestaltung des Mediums müssen dem Entwicklungsstand und den Interessen der Kinder entsprechen.
  • Die Bilder sollten übersichtlich und klar gestaltet sein.
  • Die Texte sollten für die Kleinkinder in der Wortwahl verständlich sein und die Textlänge darf sie nicht überfordern.
  • Der Sound sollte in Lautstärke und Tonhöhe angenehm sein.

Kleinkinder müssen die Inhalte verarbeiten

Medien beeinflussen das Spielverhalten Ihrer Kleinkinder. Denn sie müssen das Gesehene und Gehörte anschließend verarbeiten. Dieses geschieht in der Regel spielerisch und durch Bewegung.

Bieten Sie den Kleinkindern nach einem Medienkonsum, bei dem sie in der Regel ruhig sitzen, die Möglichkeit, sich zu bewegen und auszutoben.

Wenn Sie wahrnehmen, dass viele Kleinkinder durch eine Kinderserie sehr bewegt sind, greifen Sie das auf: Sprechen Sie mit den Kindern über die Inhalte. Gestalten Sie gemeinsam die Rollenspielecke um, indem Sie ihnen Verkleidungsmaterialien anbieten, die zu der Serie passen. Sie können den Spielbereich auch entsprechend umgestalten. Ein Beispiel: Passend zur beliebten Serie „Arielle“ gestalten Sie Ihre Puppenecke wie eine Unterwasserwelt. Beziehen Sie die Kleinkinder mit ein, indem Sie gemeinsam mit Muscheln basteln und diese als Deko aufhängen. Befestigen Sie Algen in Form von Krepppapierstreifen an der Decke. Hängen Sie ein blaues Tuch direkt unter die Zimmerdecke, das die Oberfläche des Meeres darstellt.

Greifen Sie die Inhalte ganzheitlich auf

Bieten Sie den Kindern die Möglichkeit, die Inhalte der Medien ganzheitlich zu erleben. Denn Medien bieten meist nur visuelle und auditive Erfahrungen. Wenn sich in Ihrer Gruppe z. B. gerade viele Jungen für die Serie „Cars“ interessieren, bringen Sie einige diese Spielzeugautos mit in die Kita. Greifen Sie das Interesse der Kinder auf, indem Sie Angebote rund um Autos gestalten. Z. B. so:

  • Sie bauen eine Autorampe mit den Kleinkindern auf und lassen die Autos dort herunterfahren.
  • Sie kreieren im Sandkasten Straßen, Brücken und Tunnel für die Autos.
  • Sie lassen die Autos durch Fingerfarbe und dann übers Papier fahren, sodass sie Fahrspuren auf dem Papier hinterlassen.
  • Sie bauen einen Autoparcours auf, durch den die Autos durchfahren.
  • Sie gestalten ein Bewegungsangebot mit Autos.

So greifen Sie die Medieninhalte sinnvoll auf und bieten den Kleinkindern viele Anregungen, um sie in allen Bildungsbereichen zu fördern.

Wenn Kleinkinder die Inhalte nachspielen, geht es nicht unbedingt ruhig zu. Oftmals gibt es auch Streit um die Rollen. Denn alle Kinder möchten die Hauptfigur darstellen. Akzeptieren und begleiten Sie dieses pädagogisch.

Der Medieneinfluss bestimmt auch tägliche (Konsum-)Artikel
Ohne selbst Kinderserien zu schauen, werden Sie mitbekommen, welche Figuren und Serien bei den Kleinkindern gerade „in“ sind. Die Helden und Logos sind überall zu sehen: auf den Kita-Taschen, auf T-Shirts, auf Brotdosen oder sogar auf Lebensmittelverpackungen.

Beobachten Sie dieses Konsumverhalten. Sprechen Sie mit den Kleinkindern immer wieder über die Figuren. Was finden sie toll an den Stars? Lassen Sie sich von den Erlebnissen der Helden berichten. So bieten Sie den Kleinkindern die Möglichkeit, die Inhalte zu verarbeiten. Achten Sie im Gruppenalltag darauf, dass Kinder, die keine Fanartikel besitzen, nicht ausgegrenzt werden.

Fazit

Eine umfassende Mediennutzung von Kleinkindern ist heute gang und gäbe. Es ist also sinnvoll, bereits bei kleinen Kindern das Thema „Medienerziehung“ anzugehen, um frühzeitig eine Grundlage für die kompetente Mediennutzung des Kindes zu schaffen. Hierzu gehört auch, dass Sie sich mit Ihrer eigenen Mediennutzung während der Arbeitszeit kritisch auseinandersetzen.


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