Der Situationsansatz – so fördern Sie jedes Kind individuell


21.08.2017
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In Ihrer Kita finden Kleinkinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen. Jedes Kind kommt aus einer anderen Lebenswelt, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Herkunft, Religion, Sprache, Familienkonstellationen und berufliche Situation sind von Familie zu Familie sehr verschieden.

 

 

Als Erzieherin möchten Sie individuell auf die Kinder und ihre Familien eingehen. Je komplexer und unterschiedlicher die Lebenswelt der Kinder ist, umso größer ist die Herausforderung für Sie. Wie schaffen Sie es, Kinder mit diesen unterschiedlichen Hintergründen gleichzeitig anzusprechen und zu fördern? Mit dem Situationsansatz kann es Ihnen gelingen.

Er setzt bei diesen Unterschiedlichkeiten an. In Abgrenzung zu anderen pädagogischen Ansätzen ist er auch durch die enge Erziehungspartnerschaft zu den Eltern in der aktuellen Situation eine Möglichkeit, die verschiedenen Bedürfnisse von Flüchtlingsfamilien aufzugreifen.

So sehen Sie das Kind im Situationsansatz

Das Kind ist Akteur seiner Entwicklung. Jedes Kind entdeckt individuell seine Umwelt. Wenn Sie das Kind in seinem All- tag intensiv beobachten, erkennen Sie, womit das Kind sich gerade beschäftigt.

Beispielsweise krabbelt ein Kleinkind während der Freispielzeit im Garten immer wieder eine Treppe hinauf und hinunter. Es sieht mühsam aus, dennoch verfolgt das Kind beharrlich sein Ziel. Sie unterstützen die Entwicklung des Kleinkindes: Ermöglichen Sie ihm so oft wie möglich, draußen zu sein und das Treppensteigen weiterzuüben.

Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, in alltäglichen Situationen zu lernen

Im Krippenalltag mit den Kleinkindern nehmen Sie sich Zeit für die Verrichtungen im Alltag. So lernen die Kinder beispielsweise, sich Stück für Stück allein anzukleiden, den Tisch zu decken, zu essen oder allein etwas aufzuräumen. Außerdem erfahren die Kinder Wertschätzung, wenn Sie sie beim Spiel beobachten und sich dann mit ihnen darüber austauschen, mitspielen oder neue Impulse setzen.

Für Ihre Praxis: Erstellen Sie Fotokarten, auf denen die Kleinkinder in Alltagssituationen abgebildet sind. Zur Information für die Eltern schreiben Sie die Fähigkeiten dazu, die die Kleinkinder dabei lernen.

Essenszeit bedeutet Zeit für Genuss

In Absprache mit den Eltern und im Alltag mit den Kindern erfahren Sie die individuellen Vorlieben des einzelnen Kindes beim Essen und können diese berücksichtigen. Die Essenssituation sollte dabei so gestaltet sein, dass die Kinder möglichst selbstständig essen können und über ausreichend Zeit verfügen, um genussvoll zu essen.

Mit Ritualen erleichtern Sie Kleinkindern das Lernen

Gemeinsam mit den Kleinkindern und in Absprache mit den Eltern entwickeln Sie Rituale für verschiedene Alltagsverrichtungen: das Einnehmen von Mahlzeiten, den Mittagsschlaf und die Körperpflege. Diese alltäglichen Wiederholungen geben den Kindern Sicherheit – auch wenn Sie noch kein Deutsch verstehen: Sie machen Erfahrungen mit den Situationen, sie sind ihnen vertraut. Das hilft den Kleinkindern, selbstbestimmt zu agieren.

Schaffen Sie Möglichkeiten, damit die Kinder selbst aktiv sind
Damit die Kleinkinder sich im Gruppenalltag wahrgenommen fühlen, ist es wichtig, dass sie bestimmte Handlungen selbst tun und erledigen. Ein Beispiel: Schaffen Sie die Möglichkeit, dass die ganz Kleinen für das Wickeln selbstständig über eine Treppe auf die Wickelkommode gelangen. Oder: Schaffen Sie einen Erzählkreis, in welchem sich die Älteren verbal äußern und somit vor der Gruppe mitteilen können.

Schaffen Sie Raum für Erlebnisse

Organisieren Sie Möglichkeiten für vielseitige Erlebnisse und Begegnungen inner- und außerhalb der Kita. Das kann die unterschiedlichsten Lebensbereiche betreffen. Beispielsweise einen Ausflug auf die Baustelle gleich um die Ecke, in den Streichelzoo oder in die Traktorwerkstatt von Finns Opa.

Lassen Sie die Kinder etwas von zu Hause mitbringen

Mit Unterstützung der Eltern kann jedes Kind einen Spiel- oder Alltagsgegenstand von zu Hause mitbringen, mit dem es sich gerade besonders gern beschäftigt. Im Morgenkreis können die Kinder diesen präsentieren, indem er von Hand zu Hand gereicht und/oder in der Kreismitte bestaunt wird. Auf diese Weise teilt jedes Kind nonverbal etwas über sich und seine Persönlichkeit mit. Die an- deren Kinder erfahren etwas über das andere Kind, seine Interessen, aber auch über seine Kultur oder wie es zu Hause aufwächst.

Unterstützen Sie eigenständiges Erkunden

Bereiten Sie den Raum und das Außengelände so für die Kleinkinder vor, dass sie möglichst selbstständig erkunden, experimentieren und gestalten können. Beispielsweise können die Kleinkinder die Farben im Kreativbereich selbst aus dem Regal nehmen, um damit zu malen.

Seien Sie sensibel in Pflegesituationen

Nehmen Sie sich beim Wickeln Zeit, auf die spezifischen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen einzugehen. Achten Sie darauf, dass die Kinder entsprechend ihrem Alter und Können möglichst viele Schritte selbst erledigen. Beispielsweise zieht das Kleinkind Feuchttücher aus einer Box und reicht sie Ihnen. Es legt sich selbst auf den Rücken und nicht Sie legen es dort hin. Begleiten Sie Ihre Tätigkeit sprachlich mit Kommentaren, Ansprachen und Fragen an das Kind. Dann wird die Pflegesituation zu einem individuellen Gespräch, aus dem das Kind lernen kann.

Zeit für die Toilette

Wann der richtige Zeitpunkt ist, um auf die Toilette zu gehen, zeigen Ihnen die Kleinkinder. Wenn das Kind Interesse daran hat, die Toilette zu erkunden, unterstützen Sie dieses Interesse beispielsweise so: Gemeinsam schauen Sie sich die Klobrille an, drücken die Spülung, wickeln etwas Toilettenpapier ab und unternehmen vielleicht einen 1. Versuch, dass sich das Kind auf die Toilette setzt. Schritt für Schritt werden die Kinder so windelfrei.

Pflegen Sie einen intensiven Kontakt zu den Eltern

Sie tauschen sich regelmäßig mit den Eltern über die Erlebnisse des Kindes zu Hause und in der Kita aus.

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