Einschulung: Wie Elterngespräche gelingen


08.01.2018
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Die Einschulung ist für Eltern wie Kinder ein sehr wichtiger Übergang. Den Eltern ist es immens wichtig, dass ihr Kind „normal“ eingeschult wird. „Normal“ bedeutet in diesem Zusammenhang: Das Kind kommt ohne Zurückstellung im regulären Alter in die Grundschule. Leider können Sie und Ihr Team das aber nicht bei jedem Kind empfehlen. Der Konflikt mit manchen Eltern ist dann vorhersehbar, denn Eltern wollen nicht hören, dass es mit der Einschulung nichts wird.

 

 

Für die meisten Erzieher und Leitungen sind das sehr heikle Gespräche. Deswegen berate ich Sie, wie Sie diese Gespräche so führen, dass das Konfliktpotenzial möglichst gering bleibt und das Wohl des Kindes im Fokus steht.

Nehmen Sie die Eltern mit

Das Allerwichtigste in Bezug auf die Einschulungsfrage ist der Zeitfaktor. Die Eltern sind ab Beginn des vermeintlich letzten Kita-Jahres gespannt und neugierig, was auf sie zukommen wird. Lassen Sie die Vorfreude und die Anspannung der Eltern und auch des Kindes nicht zu groß werden. Je länger Sie mit dem Gespräch warten, desto schwieriger und konfliktreicher wird es. Gehen Sie deswegen nach dem folgenden Zeitplan vor:

1. Beginn des vermeintlich letzten Kita-Jahres:

Setzen Sie gleich zu Beginn dieses Kita-Jahres ein erneutes Elterngespräch an. Beurteilen Sie gemeinsam die aktuelle Situation, und besprechen Sie, ob sich in der Zwischenzeit bei Max etwas Wesentliches verändert hat und ob eine reguläre Einschulung eventuell doch möglich wäre. Falls dies nicht der Fall ist, legen Sie schon zu diesem frühen Zeitpunkt fest, ob Max dennoch an den Vorschulaktivitäten teilnehmen soll oder nicht.

Manchmal kann es sinnvoll sein, das Kind trotzdem teilnehmen zu lassen, vor allem dann, wenn das seine Fähigkeiten stärkt und unterstützt.

2. Frühjahr vor der Einschulung:

Besprechen Sie mit den Eltern bereits frühzeitig die möglichen Hürden in Bezug auf eine reguläre Einschulung. Damit dämpfen Sie zwar die Vorfreude der Eltern, dafür freunden sich diese aber frühzeitig mit der Situation an.

Lassen Sie die Eltern selbst die Lösung finden

Für beide der eben genannten Gespräche gilt: Versuchen Sie, die Eltern dahin zu bringen, dass sie selbst einsehen, dass ihr Kind noch nicht schulfähig ist. Das macht die Situation für alle Beteiligten wesentlich einfacher.

Wenn Sie im Elterngespräch einfach sagen: „Max ist nicht schulfähig“, wird diese Aussage wie eine Wand zwischen Ihnen und den Eltern stehen. Sie wird zum unüberwindlichen Hindernis.

Wenn Sie es hingegen schaffen, dass die Eltern selbst zu dem Schluss kommen: „Wir als Eltern glauben, Max ist noch nicht reif für die Grundschule, wir würden für ihn gern eine andere Lösung finden“, dann haben alle gewonnen − vor allem Max.

Unten finden Sie 3 Fallkonstellationen, die vor einer geplanten Einschulung auftreten können. Passend zu jeder Situation finden Sie Fragen, die Sie in Ihrem Elterngespräch stellen können. Diese Fragen zielen darauf ab, dass die Eltern sich öffnen und im Laufe des Gespräches selbst zu der besten Lösung für ihr Kind kommen.

So beraten Sie Eltern und begleiten sie zur Selbsterkenntnis Situationen und geeignete Fragestellungen an die Eltern:

Max soll zurückgestellt werden.

  • „Was wünschen Sie sich für Ihren Sohn?“
  • „Was braucht ein Kind aus Ihrer Sicht vor allem zu Beginn in der Schule?“
  • „Wie würde es Max Ihrer Einschätzung nach zum jetzigen Zeitpunkt in der Schule gehen?“
  • „Welche Wünsche haben Sie für Ihren Sohn in Bezug auf die Schule?“

Max kann eingeschult werden, aber nur mit Unterstützungseistungen.

  • „Wie würden Sie Max mit seinen Stärken und Schwächen beschreiben?“
  • „Mit welchen Fähigkeiten wäre Max jetzt schon gut aufgehoben in der Schule und in welchen Bereichen bräuchte er noch Unterstützung?“
  • „Wie können Sie Ihren Sohn gerade in der Anfangszeit unterstützen?“

Max kann keine Regelschule besuchen.

  • „Warum ist Max für Sie so ein besonderes Kind?“
„Wie sieht der ideale Lebensweg für Ihren Sohn aus Ihrer Sicht aus?“
  • „Was würden Sie sich von Ihren Eltern wünschen, wenn Sie selbst in Max‘ Haut steckten?“
  • „Wie müsste aus Ihrer Sicht die ideale Schule für Max aussehen, welche Möglichkeiten sollte ihm die Schule bieten?“
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