5 Tipps, um linkshändige Kinder effektiv zu fördern


13.05.2019

Vor Kurzem beobachtete ich ein Mädchen, das schon gut Rad fahren kann. Doch beim Absteigen, Schieben und Abstellen des Rades wirkte es seltsam ungeschickt.

Ich war kurz irritiert, dann fiel mir ein: Das Mädchen ist Linkshänderin. Es schiebt das Fahrrad dementsprechend lieber auf der linken Seite. Das Abstellen wird dadurch schwieriger, denn der Ständer ist auf der anderen Seite.

Ein anderer Junge aus der Gruppe jammerte immer wieder, dass das Wasser zum Händewaschen zu heiß sei. Denn als Linkshänder bedient er gewohnheitsmäßig mit der linken Hand den Hebel und zieht ihn automatisch nach links – zum Heißwasser.

Das sind nur wenige Beispiele dafür, wie „rechtshändig“ unsere Alltagswelt gestaltet ist. Deshalb brauchen linkshändige Kinder Ihre Unterstützung und Achtsamkeit. Die folgenden 5 Tipps helfen Ihnen dabei.

1. Tipp: Beobachten Sie die Händigkeit aller Kinder

Die Bevorzugung einer Hand ist etwa ab dem 8. Lebensmonat zu beobachten, mit dem 2. Lebensjahr ist die Rechtsoder Linkshändigkeit manifestiert.

Doch um die bevorzugte Hand zu erkennen, müssen Sie auch bei den KitaKindern genau hinsehen, denn durch Nachahmung oder unbewusste Bevorzugung der rechten Hand sind Linkshänder nicht immer sofort zu erkennen. Möglicherweise essen sie z. B. trotz Linkshändigkeit mit der rechten Hand.

Dieses Wissen um die Händigkeit des Kindes ist für Sie von entscheidender Bedeutung, um das Kind individuell unterstützen zu können und so seine gesunde Entwicklung sicherzustellen.

Denn die Ausprägung einer dominanten Hand ist in der Entwicklung wichtig: Nur durch die Ausprägung einer „Haupthand“ und einer zuarbeitenden Hand können Fertigkeiten deutlich schneller und präziser gelernt und automatisiert werden.

Beobachten Sie die Kinder also nicht bei Kulturtechniken wie Essen mit Besteck oder Malen, sondern vielmehr beim spontanen Handgebrauch und bei der Ausübung feinmotorischer Bewegungen, die großes Geschick erfordern. Denn diese deuten deutlicher auf die angeborene Händigkeit hin, z. B.: Mit welcher Hand

  • gießt das Kind Blumen?
  • putzt es seine Zähne?
  • nutzt es einen Kreisel?
  • nimmt es kleine Gegenstände auf?
  • baut es einen Turm aus Bausteinen?

Versuchen Sie dabei, das Kind möglichst unauffällig zu beobachten, um eine Beeinflussung auszuschließen. Denn möglicherweise führt das Kind dann die Tätigkeiten mit der „richtigen“, also rechten Hand aus.

Haben Sie die Händigkeit herausgefunden, notieren Sie diese gut sichtbar in der Kinderakte und auf jedem Beobachtungsbogen. So verlieren Sie kein linkshändiges Kind mit seinen speziellen Bedürfnissen aus den Augen und bieten z. B. ganz selbstverständlich das entsprechend richtige Werkzeug und Arbeitsmaterial an.

2. Tipp: Ergründen Sie scheinbare Beidhändigkeit

Während der Beobachtung ist Ihnen möglicherweise ein Kind aufgefallen, das seine Hände scheinbar gleichmäßig, also beidhändig einsetzt.

Das kann ganz verschiedene Gründe haben: Häufig will das linkshändige Kind so sein wie seine Eltern und Freunde und probiert deshalb vermehrt die rechte Hand aus. Es können auch Entwicklungsverzögerungen oder -störungen zugrunde liegen: Das Kind hat beispielsweise nicht oder nur kurz gekrabbelt.

Ist noch keine Händigkeit ausgeprägt, sollten Sie dies keinesfalls beeinflussen. Achten Sie vielmehr darauf,

  • Gegenstände nicht in die rechte oder linke Hand zu geben, sondern in Körpermitte zu reichen.
  • beim Tischdecken das Besteck oberhalb des Tellers oder in Besteckkästen abzulegen.
  • die Stifte mittig am Arbeitsplatz zu platzieren.

Denn Kinder, die ihren Handgebrauch noch wechseln, vermeiden es, über die Körpermitte zu greifen. Sie nutzen dann die „naheliegende“ Hand. Achten Sie zudem darauf, die Händigkeit nicht zu werten, z. B.: „Nimm die gute Hand!“, oder: „Probiere es noch mal richtig.

Wie lange sollten Sie abwarten, um dem Kind Zeit zu lassen, seine Händigkeit auszuprägen? Werden Sie spätestens mit Beginn des 5. Lebensjahres tätig. Dann bleibt den Eltern genug Zeit, mit dem Kinderarzt die Ursachen für den instabilen Handgebrauch zu klären und eventuell eine entsprechende Behandlung zu beginnen.

In aller Ruhe kann dann das Kind noch vor der Einschulung die Feinmotorik seiner dominanten Hand schulen.

3. Tipp: Unterstützen Sie linkshändige Kinder im Alltag

Linkshändige Kinder sind im Alltag mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehört es, dass Vorschulkindern deutlich wird, dass Linkshändigkeit irgendwie „anders“ ist. Das Kind spürt, dass es sich von seinen Freunden oder Eltern unterscheidet, z. B. andere Werkzeuge braucht. Doch in dieser sensiblen Phase ist es für die Kinder nicht leicht zu akzeptieren, durch eine „Sonderrolle“ aufzufallen.

Dann lehnt es seine Händigkeit ab: „Ich bin gar kein Linkshänder, das kann ich alles mit rechts auch!“ Wenn es beginnt, mit rechts zu malen, könnte das eine Selbstumschulung zur Folge haben.

Sprechen Sie offen und in den Worten des Kindes über die natürlichen Ursachen der Händigkeit: „Ob du mit der linken oder der rechten Hand arbeitest, war bei deiner Geburt schon festgelegt. Es gehört zu dir wie deine blonden Haare oder deine Größe.“

Machen Sie die Händigkeit mit allen Kindern zum Thema: Wer ist Linkshänder, wer ist Rechtshänder? Wie sieht es bei den Erwachsenen aus?

Hadert das Kind immer noch mit seiner Linkshändigkeit, können Sie ihm berühmte Persönlichkeiten als Vorbild geben: Denn wenn ein berühmter Fußballstar oder ein US-amerikanischer Präsident auch Linkshänder sind, trägt das sicher weiter zur Akzeptanz bei. Unter www.uni-protokolle.de/Lexikon/Liste_berühmter_Linkshänder. html finden Sie sicher eine Persönlichkeit, die das Kind besonders anspricht.

4. Tipp: Kaufen Sie Spielzeug und Material für beide Hände

Je selbstverständlicher Material und Werkzeug auch für Linkshänder in Ihrer Kita vorhanden sind, desto besser entwickeln Linkshänder ihre motorischen Fähigkeiten und desto seltener macht sich Frust breit, wenn es mit dem falschen Werkzeug nicht klappen mag.

In der Übersicht oben finden Sie eine Liste, in der Gegenstände aufgeführt sind, die es auch extra für Linkshänder gibt.

5. Tipp: Leiten Sie Linkshänder richtig an – als Rechtshänder

Ganz einfach, aber ganz wichtig: Achten Sie auf genügend Bewegungsfreiheit des linken Arms, vor allem beim Malen, Schneiden und Werken. Hier sollte immer ausreichend Platz am Tisch vorhanden sein. Arbeitet z. B. ein linkshändiges Kind rechts vom Rechtshänder, werden sich ihre Arme schnell in die Quere kommen.

Als Rechtshänderin haben Sie möglicherweise Schwierigkeiten, einem linkshändigen Kind bei einer neuen Tätigkeit die Hand zu führen. Dann setzen Sie sich ihm gegenüber, und das Kind kann korrekt abschauen. So erklären Sie z. B. ganz einfach Papierfaltarbeiten oder auch die Schleife.

Arbeiten Sie bei komplexeren Tätigkeiten mit Beispielbildern oder Anleitungsstreifen, sollten diese für Linkshänder gespiegelt werden. Z. B., indem Sie diese mit einem Bildbearbeitungsprogramm spiegeln. Verwenden Sie „analoge“ Blätter, kopieren Sie sie auf Folie, drehen Sie sie um und fertigen Sie davon eine weitere Kopie. So entsteht eine Vorlage für Linkshänder.

Das mache ich mit links!“ werden die Kinder mit Linksdominanz in Ihrer Kita wie selbstverständlich sagen. Denn mit Ihrer kompetenten Unterstützung sorgen Sie für echte Chancengleichheit.

Wichtige Gebrauchsgegenstände für Linkshänder
GegenstandSo funktioniert es mit links
Linkshänderschere
  • Spiegelbild zur Rechtshänderschere.

  • Das obere Schneidblatt liegt links außen, damit der Blick auf die Schnittlinie möglich ist.

  • Wichtig: Es gibt keine Schere für beide Hände, auch wenn manche Kinderscheren so bezeichnet werden!
    Linkshänderspitzer
  • Der Stift wird mit links gehalten und in einer drehenden Bewegung nach außen angespitzt. So kann die meiste Kraft entwickelt werden.

  • Linkshänder können einen normalen Spitzer nicht ergonomisch günstig benutzen, die Stifte brechen leichter ab.
  • Linkshänderlineal
  • Es wird von rechts mit Null beginnend nach links aufsteigend gezählt.

  • Der Strich kann locker ausgeführt werden, muss nicht in die Gegenrichtung geschoben werden.

  • Die Zahlen können gut abgelesen werden.
    Nachteil: In den ersten Schulklassen wird der von links nach rechts zählende Zahlenstrahl vermittelt, um den Zahlenraum aufzubauen.
  • Linkshändermesser
  • Linksseitig angeschliffen

  • So kann mit der linken Hand genau geschnitten werden

  • Keine Gefahr abzurutschen
  • Sparschäler, beidseitig geschliffen
  • Die Hand kann beim Schälen zum Körper hinbewegt werden.
  • Symmetrisch gebaute Computermaus
  • Kann von Rechts- und Linkshändern gleich benutzt werden.

  • Entweder schnurlos oder mit ausreichend Kabel, damit diese rechts oder links am Computer platziert werden kann.
  • Wenn das Kind zusätzliche Unterstützung braucht

    Wird durch Ihre Beobachtung und das Alter des Kindes deutlich, dass eine Händigkeitsuntersuchung notwendig ist, raten Sie den Eltern, sich an einen entsprechenden Fachmann zu wenden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn mit Beginn des 5. Lebensjahres die Händigkeit noch nicht eindeutig ist. Händigkeitsexperten gibt es unter den Berufsgruppen von Psychologen, Pädagogen und Therapeuten, die sich mit motorischen Erkrankungen befassen. Hier können die Eltern die Spezialisierung auf dem Gebiet der Händigkeitstestung erfragen. Auch unter www.linkshaender-beratung.de finden Sie eine Adressenliste für Spezialisten. Mit der Überweisung des Kinderarztes kommt die Krankenkasse des Kindes für die Kosten auf.


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