Erzieherausbildung: Voraussetzungen, Inhalt, Chancen & Co.


19.09.2022

Als Erzieher hat man gute Berufsaussichten, da pädagogische Fachkräfte an vielen Stellen gesucht werden. Wer gerne mit Kindern arbeiten möchte und sich im pädagogischen Bereich sieht, der kann eine Erzieherausbildung machen. Jedoch ist die Arbeit mit Kindern nicht das Einzige, was den Alltag von Erziehern prägt. 

Eine Erzieherausbildung kann auf verschiedenen Wegen absolviert werden. Die Voraussetzungen dafür sind je nach Bundesland unterschiedlich. Nicht nur in Kitas, sondern auch in vielen anderen Einrichtungen werden Erzieher gebraucht. 

Erzieherausbildung: Was macht ein Erzieher eigentlich genau?

Das Berufsbild des Erziehers ist durch die Arbeit mit Kindern geprägt. Die Arbeitsstätten, an denen Erzieher gesucht und gebraucht werden, sind dabei ganz verschieden:

Erzieher betreuen und erziehen in erster Linie Kinder. Doch sie müssen auch mit den Eltern der Kinder zusammenarbeiten und dürfen den Kontakt mit Behörden und anderen Institutionen nicht scheuen. 

Welche persönlichen Eigenschaften sollte man für den Beruf des Erziehers mitbringen?

Der Beruf des Erziehers ist herausfordernd und anspruchsvoll. Nicht jeder ist für ihn gemacht. Um Erzieher zu werden, sollten daher verschiedene charakterliche Voraussetzungen gegeben sein:

  • Soziale Kompetenz
  • Einfühlungsvermögen
  • Geduld
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Teamfähigkeit
  • Organisationstalent
  • Reflexionsfähigkeit
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Lernbereitschaft
  • Keine Berührungsängste
  • Kommunikationsstärke

Wer sich für eine Erzieherausbildung interessiert, muss sich darüber bewusst sein, dass es sich um einen verantwortungsvollen Beruf handelt. Schließlich geben Eltern ihre Kinder in die Hände von Erziehern, die auf diese nicht nur aufpassen müssen, sondern mit ihnen auch noch lernen, sprechen, spielen und eine Bindung aufbauen. Diese Aufgabe ist groß – kommt im Gegenzug aber mit viel Zufriedenheit und einem sinnstiftenden Gefühl daher, wenn Kinder auf ihrem Weg in und durch das Leben begleitet werden.

contrastwerkstatt – Adobe Stock

Welche fachlichen Voraussetzungen müssen Anwärter für eine Erzieherausbildung mitbringen?

Die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Erzieher sind je nach Bundesland unterschiedlich und sogar die einzelnen Fachschulen für Pädagogik haben verschiedene Aufnahmekriterien. Der Bildungsserver ist eine Möglichkeit, sich über die Voraussetzungen je nach Bundesland zu informieren, weiterführende Informationen gibt es außerdem auf den jeweiligen Webseiten der Fachschulen und -akademien für Pädagogik. Gemein sind den Bundesländern diese Voraussetzungen:

  • Angehende Erzieher sollten über einen mittleren Schulabschluss verfügen. 
  • Auch haben sie im besten Fall bereits eine Ausbildung zum Kinderpfleger oder zum sozialpädagogischen Assistenten abgeschlossen. 
  • Praktische Vorerfahrungen sind ebenfalls von Vorteil.

Einzelne Berufsfachschulen legen weitere Kriterien fest, um die Ausbildung absolvieren zu können, wie zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis oder einen Nachweis über die gesundheitliche Eignung für den Beruf. Viele Fachschulen verlangen außerdem neben einer Bewerbung mit Anschreiben ein Motivationsschreiben und/oder Empfehlungsschreiben. Auch Bewerbungsgespräche sind üblich.

Wie sieht eine klassische Erzieherausbildung aus?

Eine Erzieherausbildung kann entweder in Vollzeit, in Teilzeit oder als Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) absolviert werden. Dafür zuständig sind Fachschulen oder -akademien für Pädagogik oder Sonderpädagogik. Eine klassische Erzieherausbildung in Voll- oder Teilzeit kennzeichnet folgendes:

  • Es handelt sich um eine schulische Ausbildung.
  • Sie dauert in der Regel drei Jahre, je nach Vorbildung. In Teilzeit dauert eine Erzieherausbildung in der Regel vier Jahre.
  • Die Vollzeitausbildung hat einen hohen Praxisanteil (rund 80 Prozent), der durch Praktika ergänzt wird.
  • In Teilzeit sind der Theorie- und Praxisanteil recht ähnlich, allerdings nicht so eng verzahnt wie bei der PiA.
  • Sie wird nach zwei Jahren mit einer Prüfung zum staatlich anerkannten Erzieher abgeschlossen.
  • Es gibt keine Ausbildungsvergütung.
  • Förderungen durch BAföG sind möglich und betragen je nach Familienstand zwischen 892 Euro pro Monat und 1.662 Euro pro Monat.
  • Üblich bei einer Erzieherausbildung in Vollzeit ist ein Jahrespraktikum im dritten Ausbildungsjahr, im Anschluss an zwei Jahre Theorie. Dieses Praktikum gilt auch als Anerkennungsjahr und kann nur absolviert werden, wenn die theoretische Prüfung bestanden wurde. Mindestens 30 Stunden pro Woche müssen dann in einer pädagogischen Einrichtung gearbeitet werden. Diese Zeit wird vom Arbeitgeber vergütet. Trotz des Praxisfokus in diesem Jahr finden auch weiterhin theoretische Unterrichtseinheiten statt.

Theoretisches Wissen aus der Fachschule und praktische Erfahrungen kennzeichnen die Erzieherausbildung und sorgen dafür, dass die angehenden Erzieher nach ihrer Ausbildung mit einem guten theoretischen und praktischen Erfahrungsschatz in den Beruf starten können.

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung dürfen Erzieher in Deutschland den Titel „Staatlich anerkannter Erzieher“ führen. Dabei ist die Besonderheit, dass zwar jedes Bundesland und zum Teil sogar jede Fachschule unterschiedliche Voraussetzungen für die Aufnahme an der Schule hat. Ist der Titel aber erst einmal erworben, darf mit ihm in ganz Deutschland gearbeitet werden und nicht nur in dem Bundesland, indem die Ausbildung absolviert wurde.

Hinweis: Nicht nur Berufsfachschulen, sondern auch private Einrichtungen bieten eine Ausbildung zum Erzieher an. Solche Angebote richten sich weniger an Einsteiger im pädagogischen Bereich sondern eher an Menschen mit Berufserfahrung, die schon im Bereich der Kinderbetreuung arbeiten und ihren Berufsabschluss nachträglich erlangen möchten.

Was macht die Praxisintegrierte Ausbildung aus?

Die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) ist auf drei Jahre ausgelegt. Ein mittlerer Schulabschluss sowie eine Erstausbildung oder Praxiserfahrung sind die Voraussetzungen für die PiA. Theorie und Praxis gehen bei der PiA Hand in Hand und die angehenden Erzieher arbeiten zusätzlich zum schulischen Unterricht bereits 20 Stunden pro Woche in einer Einrichtung. Dafür erhalten sie eine Vergütung, die je nach Ausbildungsjahr zwischen rund 1.140 Euro und rund 1.300 Euro beträgt. 

Insbesondere für Quereinsteiger ist die PiA gut geeignet, doch auch wer auf ein gewisses Einkommen angewiesen ist, kann sich für diese Variante entscheiden. Sie wurde ursprünglich in Baden-Württemberg aus dem Mangel an Fachkräften heraus gegründet, um die Ausbildung zum Erzieher attraktiver zu machen. Mittlerweile kann sie aber in jedem Bundesland absolviert werden.

Welche Inhalte werden während der Erzieherausbildung vermittelt?

Während der Ausbildung zum Erzieher geht es darum, pädagogisches Fachwissen sowie pädagogische Handlungskompetenz zu vermitteln. Konkrete Inhalte sind:

  • Lerntheorie
  • Entwicklungspsychologische Grundlagen des Menschen
  • Theoretische Grundlagen von Entwicklungsstörungen und Sprachstörungen
  • Kennenlernen pädagogischer Strömungen
  • Kennenlernen von Bildungsprozessen
  • Theoretische Grundlagen der Sprachentwicklung
  • Kennenlernen von Kinderliteratur
  • Kommunikationstheorien
  • Erarbeiten von Medienkompetenz
  • Bewegungserziehung
  • Impulse zur kreativen Gestaltung
  • Erlernen musikalischer Grundlagen
  • Anleitung zur Ausarbeitung pädagogischer Angebote
  • Impulse zur Integration sowie Inklusion
  • Naturwissenschaftliche Bildung
  • Grundlagen zur Gestaltung von Gruppenarbeit
  • Theoretische Grundlagen der Behördenarbeit, Organisation, Einführung in Dokumentationsprozesse und rechtliche Themen
  • Impulse zur Elternarbeit

Die genauen Inhalte, die in den Berufsschulen vermittelt werden, werden von den Kultusministerien der verschiedenen Länder festgelegt. Das Lernen erfolgt häufig praxisorientiert und orientiert sich an modernen Konzepten. Dabei wird der Frontalunterricht um Projektarbeit und Gruppenarbeit sowie weitere dynamische Prozesse ergänzt.

Einige Ausbildungszentren bieten nicht nur die pädagogischen Inhalte der Erzieherausbildung an, sondern ermöglichen das Erwerben weiterer Qualifikationen. Somit kann eine Fachschule zum Teil nicht nur mit der Prüfung zum staatlich anerkannten Erzieher abgeschlossen werden, sondern auch mit der Fachhochschulreife oder sogar der allgemeinen Hochschulreife, also dem Abitur. Dafür sieht der Unterricht an den Berufsschulen auch einen allgemeinbildenden Teil vor, der Fächer umfasst wie:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Religion
  • Politik
  • Eine Fremdsprache

Wie stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nach der Erzieherausbildung?

Die Chancen für ausgebildete Erzieher stehen auf dem Arbeitsmarkt sehr gut. Insbesondere in vielen Kindertagesstätten und -krippen werden Erzieher händeringend gesucht. Seit 2013 besteht ein bundesweiter Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab einem Jahr, der in der Praxis aber nicht durchgesetzt werden kann, da es an vielen Stellen an Personal mangelt. 

Auch geht in den nächsten Jahren die sogenannte Babyboomer-Generation in Rente und es kommen zu wenig pädagogische Fachkräfte nach. Dadurch ist von einer weiteren Verknappung des pädagogischen Personals auszugehen, was auch weiterhin zu rosigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt führen wird.

Wer aufsteigen will und zum Beispiel einen Job in der Verwaltung oder eine Führungsposition in einer Einrichtung anstrebt, der kann entsprechende Weiterbildungen machen. Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen oder im Erziehungswesen sind Weiterbildungsstränge, die es ausgebildeten Erziehern auf Wunsch ermöglichen, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Wie viel verdient man als Erzieher?

Die Vergütung ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und hängt zudem davon ab, ob es sich um eine private Einrichtung oder einen Job im öffentlichen Dienst handelt.

Im öffentlichen Dienst liegt das durchschnittliche Gehalt als Erzieher in einer Kita in Deutschland bei 3.305 Euro pro Monat brutto. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Gehalt mit 2.689 Euro am geringsten, in Rheinland-Pfalz mit durchschnittlich 3.458 Euro am höchsten. 

Im Bereich Sonderpädagogik liegt das Durchschnittsgehalt als Erzieher zwischen 2.986 Euro in Sachsen und 3.747 Euro in Baden-Württemberg.

Fazit: Die Erzieherausbildung ist abwechslungsreich und unterliegt einigen Voraussetzungen

Um in Deutschland staatlich anerkannter Erzieher zu sein, muss eine mindestens dreijährige Ausbildung absolviert werden. Diese sieht einen theoretischen und einen praktischen Teil vor und vermittelt pädagogische, entwicklungspsychologische sowie verwaltungsrechtliche Grundlagen. Die Voraussetzungen für eine solche Ausbildung sind je nach Bundesland verschieden und auch die jeweiligen Einrichtungen haben zum Teil nochmal unterschiedliche Anforderungen. Die Ausbildung in Vollzeit wird in den ersten zwei Jahren nicht vergütet, erst im dritten, praktischen Anerkennungsjahr, in dem in einer Einrichtung gearbeitet wird, wird die Arbeit bezahlt.

Wer sich für eine praxisintegrierte Ausbildung entscheidet, arbeitet von Beginn an sowohl theoretisch als auch praktisch und wird auch schon während der Ausbildungszeit entlohnt. Nicht nur fachliche, sondern auch menschliche Voraussetzungen müssen für eine Erzieherausbildung gegeben sein, darunter Kommunikationsstärke, Geduld und Einfühlungsvermögen. Wer die Ausbildung erfolgreich absolviert, dem winkt eine sinnstiftende und abwechslungsreiche Tätigkeit mit der nahezu freien Wahl des Arbeitsplatzes – denn Erzieher werden in vielen Einrichtungen in Deutschland händeringend gesucht.


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