Zu viel Lärm macht krank – das Geheimrezept für Ruhe in der Kita


15.04.2019

Lärm ist der gesundheitlich stärkste Belastungsfaktor in einer Kita. Das gilt nicht nur für Sie, sondern auch für die Kinder. Mit ein paar einfachen Hilfsmitteln haben wir es bei uns in der Krippe geschafft, die Lärmspirale zu durchbrechen. Wie auch Sie für eine wohltuende Ruhe sorgen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

1. Organisatorische Veränderungen

Sie erreichen eine merkliche Senkung des Lärmpegels, wenn Sie die Anzahl der Kinder in den einzelnen Gruppen und Räumen reduzieren. Hierzu ist nicht unbedingt mehr Personal notwendig. Es erfordert aber eine andere Struktur und Organisation.

Erledigen Sie nicht alles gemeinsam, sondern in Kleingruppen. Sprechen Sie im Team darüber, wie Sie Ihre pädagogische Arbeit lärmfreundlicher gestalten können.

  • Nutzen Sie alle räumlichen Möglichkeiten aus (Turnraum, Flure). Dadurch entzerren Sie die Gruppe und verringern die Lärmbelastung.
  • Gestalten Sie ungenutzte Ecken als Bereich für lautere Aktivitäten.
  • Schaffen Sie Spielmöglichkeiten für lebhafte Kinder, z. B. in der Halle, im Garten, im Turnraum. Bieten Sie möglichst eine ganztägige Nutzung an.
  • Schaffen Sie Ruheinseln, wie Vorleseecken, Flüster- oder Ruhezonen.
  • Entzerren Sie unruhige Mahlzeiten dadurch, dass Sie in 2 Gruppen essen oder an Tischen mit 5–6 Kindern.
  • Lassen Sie die Kinder sich in 2 Gruppen anziehen. Während die einen noch spielen, geht die andere Kollegin bereits mit 6 Kindern in die Garderobe. Wenn diese fertig sind, gehen Sie in den Garten, und die nächste Kollegin zieht die nächsten 6 Kinder an.

2.Pädagogisches Handeln

Kleinkinder lernen durch Bewegung. Gehen Sie unbedingt raus, wenn die Kinder sehr unruhig sind. Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, sich auf dem Außengelände zu bewegen. Sie werden sehen, dass sich dann viele lärmintensive Aktivitäten nicht mehr in der Kita abspielen. Mit den nachfolgenden Tipps haben wir bei uns in der Krippe mit ganz einfachen Mitteln für mehr Ruhe gesorgt:

  • Lautes oder zu Unruhe anregendes Spielmaterial wurde aussortiert.
  • Neues Kinderspielzeug wird vor dem Kauf auf die Lautstärke geprüft. Halten Sie es hierzu direkt an Ihr Ohr.
  • Wir haben viel Material oder Alltagsmaterial zum Selbstentdecken und Ausprobieren bereitgestellt. Damit beschäftigen sich Kleinkinder oft sehr lange und sehr konzentriert.
  • Wir sorgen für ausreichend Möglichkeiten zum Austoben und Aktivitäten, die für Ruhe sorgen.
  • Wir haben unsere Gruppenregeln hinsichtlich der Lärmentwicklung überprüft. z Eine Lärmampel zeigt den Kindern an, wenn es zu laut ist.
  • Eine Dauerberieselung durch einen CD-Player o. Ä. wird vermieden.
  • Gedämpftes Licht dämpft auch die Lautstärke: Ein gedämpftes Licht oder Kerzenlicht bei den Mahlzeiten, beim Morgenkreis u. Ä. schafft eine Wohlfühlatmosphäre.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erzieherverhalten. Strahlen Sie selbst Ruhe aus, und vermeiden Sie es, hektisch hin- und herzulaufen bzw. mit dem Erzieherstuhl hektisch hin- und herzufahren.

3. Räume optimieren

Viele Kitas werden heute aus architektonischen Gründen, um Energie zu sparen und den Pflegeaufwand zu minimieren, mit großen Glasflächen, Parkettböden und vielen harten Materialien wie Stein oder Fliesen gebaut. Eine offene Bauweise lässt die Einrichtungen „luftiger“ aussehen. Aus Gründen des Brandschutzes und der Hygiene muss oftmals auf Teppiche oder Vorhänge verzichtet werden.

Auch in unserer sehr neuen, hellen und freundlichen Kita gab es kaum schallschluckende Materialien. Im Gegenteil: Die luftige Bauweise führt zu einer häufigen Reflexion des Schalls, damit zu langen Nachhallzeiten und zu einer Verschlechterung der Raumakustik. Viele weitere Schallquellen kommen hinzu. Diesen Lärmquellen sind wir konsequent zu Leibe gerückt. Dies geht, indem Sie

  • in und unter Spielzeugkisten Filz oder Teppichboden einkleben.
  • unter Tisch- und Stuhlbeine entsprechende Filzpads kleben.
  • schalldämpfende Unterlagen für Würfelspiele und Flüsterwürfel aus Moosgummi verwenden.
  • gummierte Tischdecken verwenden.
  • die Räume mit schallschluckendem Material dekorieren (Kissen, Stoffdecken, Stoffhimmel, Gardinen). Achten Sie dabei unbedingt auf die gängige Brandschutzverordnung.
  • offene Regale verwenden. Sie schlucken den Schall besser als geschlossene Elemente.
  • möglichst auf glatte und glänzende Oberflächen an Wänden und Möbeln verzichten. Sie reflektieren den Schall besser.
  • Lärm absorbierende Raumelemente einbauen lassen. Dies hat auch in unserer großzügigen Eingangshalle für eine merklich bessere Akustik gesorgt. Viele Wolken an unserem Kita-Himmel sind optisch sehr ansprechend, gestalten den Raum und sorgen zudem für eine bessere Akustik. Weiterhin haben wir uns für Absorber-Sitzwürfel schlucken den Schall und bieten gleichzeitig den Kleinkindern viele Bewegungs- und Spielanregungen. Das schont die Ohren aller Anwesenden und gleichzeitig den Geldbeutel des Trägers.

Tipps für Ihre Praxis:

Lärmschutz ist Arbeitsschutz! Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Träger über bauliche Veränderungen und schallabsorbierende Raumelemente. Er ist gesetzlich dazu verpflichtet, für einen ausreichenden Schallschutz zu sorgen!


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