Mitarbeitergespräch zwischen Praktikantin und Praxisanleiterin mit Brille

Motivierend kritisieren: So verbessern Sie Leistungen Ihrer PraktikantInnen

© KI generiert mit Midjourney
Inhaltsverzeichnis

Kritikgespräche gehören mit zu Ihrem Aufgaben­feld als Praxisanleitung. Auch wenn es sicher an­genehmere Aufgaben gibt, ist es wichtig, dass Sie als Anleitung die Kunst des motivierenden Kritisierens beherrschen. Führen Sie von Anfang an solche reflektie­renden Gespräche, denn damit schaffen Sie eine gute Grundlage für Bewertungen und Beurteilungen.

Beispiel

Berufspraktikantin Jana fasst zum wiederholten Mal verschiedene Kinder an den Schultern oder am Kopf an und schiebt sie in die Richtung, wo sie aufräumen sollen. Im Anleitungs­gespräch schildert die Anleitung ihrer Praktikantin dieses Verhalten. Sie bespricht mit Jana, dass dies von den Kindern als übergriffig erlebt werden kann. Jana erschrickt, denn das hat sie nicht beabsichtigt. Die Praxisanleitung und Jana überlegen gemeinsam, wie sich Jana mit Worten die Aufmerksamkeit aller Kinder verschaffen und sie zum Aufräumen motivieren kann.

1. Kritisieren Sie gerecht

Wenn Sie solch ein Verhalten bei Ihren PraktikantInnen feststellen, handeln Sie entschlossen und rasch. Denn wenn Sie als Anleitung einen Missstand lange unkom­mentiert lassen, wirkt dies auf alle Kolle­gInnen so, als würden Sie ihn tolerieren. Ihr Ziel sollte es dabei sein, mit Ihren Prak­tikantInnen ein Kritikgespräch zu führen, das ihnen die Möglichkeit gibt, das eigene Verhalten zu reflektieren, zu korrigieren und zu verbessern.

2. Reagieren sie schnell

Lassen Sie nicht zu viel Zeit verstreichen, bis Sie mit den PraktikantInnen ein Ge­spräch führen, in dem Sie das Verhalten durch motivierende Kritik korrigieren möchten. Warten Sie jedoch so lange, bis Sie sichergehen können, dass Sie ein sach­liches Gespräch über das Fehlverhalten führen können. Zögern Sie zu lange, be­steht die Gefahr, dass sich das Verhalten bei den PraktikantInnen bereits verfestigt hat und schwerer zu korrigieren ist.

3. Kritisieren Sie im Anleitungsgespräch

Beim Kritikgespräch mit Ihren Praktikan­tInnen gilt das 4-Augen-Prinzip. Sprechen Sie eine persönliche Kritik niemals vor an­deren aus. Dies gilt sowohl für die Anwe­senheit von Kindern und Eltern als auch von anderen MitarbeiterInnen. Ein Kriti­sieren vor anderen kommt immer einem Bloßstellen gleich. Es gibt kein Verhalten, das ein Kritisieren vor anderen rechtferti­gen würde. Starten Sie besser ein zeitna­hes Anleitungsgespräch und sprechen Sie das Verhalten an, das Sie kritisieren möch­ten. Schildern Sie die Folgen und überle­gen Sie immer gemeinsam, wie eine Ver­besserung des Verhaltens erreicht werden kann.

4. Fordern Sie zur Verhaltensänderung auf

Bitten Sie die betroffenen PraktikantIn­nen, ihre eigene Sichtweise zu schildern. Auch wenn Sie anderer Meinung sind, ist die Schilderung der PraktikantInnen wich­tig. Manchmal wird dadurch klar, dass sie schneller Ihren Erwartungen entsprechen wollen oder auf eine bestimmte Art und Weise unter Druck stehen. Fragen Sie, wie die PraktikantInnen sich ihr künftiges Ver­halten vorstellen. Bitten Sie sie, eigene Lö­sungsvorschläge für eine Verhaltensände­rung zu entwickeln.

Legen Sie einen Kontrolltermin fest, bei dem Sie erneut über die Verbesserung sprechen und, wenn nötig, weitere Hilfen geben.

5. Bieten Sie einen positiven Ausblick

Wählen Sie ein positives Ende des Ge­sprächs, damit die PraktikantInnen mer­ken, dass Sie ihnen Chancen einräumen und nicht nachtragend sind. Vereinbaren Sie, Ihren PraktikantInnen sofort eine Rückmeldung zu geben, wenn Sie eine positive Verhaltensänderung wahrneh­men. So zeigt Ihr Kritikgespräch Wirkung

Übersicht: Wirksame Regeln für motivierende Rückmeldungen

Halten Sie sich bei Kritikgesprächen an die folgenden Regeln:

• Kritisieren Sie nicht vor Kindern, dem Team oder Eltern.

• Bleiben Sie im Gespräch sachlich und ruhig.

• Zeigen Sie das Verhalten, das Ihnen nicht gefällt, anhand von Beispielen und konkreten Situationen auf.

• Räumen Sie Gelegenheit zum Nachfragen ein und geben Sie sich nicht mit Ausreden zufrieden.

• Überlegen Sie gemeinsam, wie eine Verbesserung des Verhaltens erreicht werden kann. • Beobachten Sie, ob Verbesserungen eintreten, und geben Sie sofort darüber Rückmeldung.