zwei kinder in kita-atelier mit bastelmaterialien

U3-Ideen aus der Reggio-Pädagogik

© KI generiert mit Midjourney
Inhaltsverzeichnis

Auch wenn Sie nicht nach der Reggio-Pädagogik arbeiten, können Sie sich Ideen aus diesem Konzept abschauen, um sie im Alltag einzubauen. Vieles lässt sich einfach umsetzen.

Die Reggio-Pädagogik, die ihren Namen der Stadt Reggio Emilia in Italien verdankt, in der sie vor etwa 60 Jahren entstanden ist, kann man mehr als Philosophie oder Haltung verstehen und weniger als Erziehungsstil. Die freie Entfaltung der Kinder in ihrem eigenen Tempo steht im Mittelpunkt. Diese Elemente der Reggio-Pädagogik sind unter ande­rem von Bedeutung:

  • Ordnen und Sortieren: Feste Struk­turen im Tagesablauf haben weniger Bedeutung, eine räumliche Ordnung ist allerdings wichtig, damit die Kin­der sich orientieren können. In diese Ordnung werden die Kinder mitein­bezogen.
  • Entwicklungs- und Bildungsbeglei­ter: Die Fachkräfte begreifen sich selbst zum einen als Begleitende der Kinder, zum anderen sind auch sie Lernende und Forschende, die sich mit den Kindern zusammen auf eine spannende Reise begeben. Dadurch sind die Hierarchien innerhalb der Gruppe sehr flach.
  • Vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten: Die Kinder erhalten viel Raum und Zeit, um sich auf ihre Weise aus­drücken zu können. Bekannt ist der Spruch „Das Kind hat 100 Spra­chen“, der aus der Reggio-Pädagogik stammt. Alle diese Sprachen, also alle Ausdrucksmöglichkeiten, wer­den ernstgenommen und gefördert.
  • Die Raumgestaltung: Eine sehr hohe Bedeutung hat in der Reggio-Pädago­gik auch die räumliche Gestaltung, wobei der Raum als „Dritter Erzie­her“ beschrieben wird. Auch in der Raumgestaltung erhalten die Kinder viel Freiraum und dürfen selbst Ge­stalter sein. Räume sollen gleichzei­tig ästhetisch ansprechend, Gebor­genheit spendend und anregend auf die Kinder wirken.

Weitere wichtige Bestandteile der Reg­gio-Pädagogik sind die offen sichtbare Dokumentation (und die dazugehö­rige Beobachtung), die Projektarbeit, die Vernetzung im Sozialraum sowie der Inklusionsgedanke – alles gehört dazu!

Reggio für Krippenkinder

Reggio-Pädagogik in der Krippe bedeu­tet vor allem, den Kindern einen Raum zu geben, in dem sie „einfach mal ma­chen“ können. Kinder unter 3 Jahren sind noch sehr auf sich selbst und ihren eigenen Körper bezogen. Daher macht es Sinn, ihnen möglichst viele Materia­lien zur Verfügung zu stellen, die ihre Sinne ansprechen, sowie Alltags- und Naturgegenstände zum Ausprobieren und zur Auseinandersetzung mit ihrer unmittelbaren Umgebung.

6 Ideen für Ihren Alltag

Im Folgenden finden Sie einige Ide­en, wie sich die Haltung in der Reg­gio-Pädagogik im Kita-Alltag konkret umsetzen lässt. Auch Kitas, die nicht nach diesem Konzept arbeiten, kön­nen von einzelnen Elementen profi­tieren. Die 5 Alltagsideen, die Sie hier nachlesen können, stammen alle aus unterschiedlichen Reggio-Einrichtun­gen und sind für Kinder unter 3 Jahren geeignet.

Idee 1: Freie Wandflächen im Grup­penraum und im Flur zur Dokumen­tation nutzen

Diese Methode nennt sich in der Reggio-Pädagogik auch „sprechende Wände“. Unter Beteili­gung der Kinder können gemalte Bil­der oder Gebasteltes nach ihren Wün­schen aufgehängt werden. Dabei kann auf Fotos des Entstehungsprozesses zurückgegriffen werden und auch ein wenig Text hinzukommen, der erklärt, was hier passiert ist. Diese Dokumenta­tion soll Kinder und Eltern ansprechen und zum Betrachten einladen. Für die Kunstwerke gilt: Nicht das Ergebnis zählt, sondern der Prozess ist wichtig!

Idee 2: Ein frei zugängliches Atelier einrichten

Die Kinder sollten immer die Möglichkeit haben, sich frei künstle­risch ausdrücken zu können. Dazu eig­net sich eine Kreativecke in Form eines Tisches oder einer Raumecke mit abge­decktem Boden, von dem aus ungefährli­che Materialien für die Kinder erreichbar sind. Lagern Sie diese am besten in durch­sichtigen Behältern und regen Sie die Kin­der an, sie nach Benutzung wieder richtig einzusortieren. Gegenstände, die die Kin­der nur unter direkter Aufsicht benutzen sollten, müssen gesondert aufbewahrt werden.

Idee 3: Große Spiegel einbauen

Spiegel sind ein interessantes Hilfsmittel für die Selbstwahrnehmung der Kinder. Mit Spie­geln können sie sich mit Perspektiven aus­einandersetzen und künstlerische Effekte erzeugen und beobachten. Ein Spiegel sollte z. B. neben einer Verkleidungskiste nicht fehlen. Auch in kleinen abgetrenn­ten Bereichen des Gruppenraums sind Spiegel für Kinder oft faszinierend. Hier können sie sich ungestört mit ihnen be­schäftigen. Ein großer Spiegel, den man auf den Boden legen kann, eignet sich auch gut für Ganzkörper-Experimente mit farbigen Cremes, Rasierschaum oder ge­färbter Sahne.

Idee 4: Alltagsmaterialien zur Verfügung stellen

Das freie Spiel und das eigenstän­dige Forschen spielen eine große Rolle in der Reggio-Pädagogik. Hierzu eignen sich klassische Spielzeuge viel weniger als Alltagsgegenstände aus dem Haushalt oder Naturmaterialien. Die Kinder sind herzlich eingeladen, Gegenstände ihrem Zweck zu entfremden und herauszufin­den, was man beispielsweise alles mit ei­ner Spülbürste und einer Schüssel anstel­len kann, außer Spülen zu spielen. Stellen Sie den Kindern solche Gegenstände in großen durchsichtigen Behältern zur Ver­fügung. Auch hier können Sie das Ordnen und Sortieren einbauen: Alle bürstenar­tigen Gegenstände kommen in eine Box, alle Schüsseln in eine andere.

Idee 5: Einen Leuchttisch zum Einsatz bringen

Ein Leuchttisch hat einen gro­ßen ästhetischen Reiz und damit auch einen hohen Aufforderungscharakter, um sich mit ihm zu beschäftigen. In vielen Reggio-Einrichtungen kommt ein Leucht­tisch zum Einsatz oder andere Möglichkei­ten, künstlerisch mit Licht umzugehen. Leider scheitert die Anschaffung eines Leuchttisches manchmal am Budget. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, einen solchen Tisch unkompliziert und kostengünstig selbst herzustellen. Dazu brauchen Sie:

  • den quadratischen Beistelltisch „Lack“ von Ikea,
  • 1 durchsichtige Plastik- oder Acrylplatte im selben Durchmesser wie die Tisch­platte – oder etwas kleiner,
  • 1 Cuttermesser,
  • 1 batteriebetriebene Lichterkette,
  • Alufolie,
  • Akkuschrauber und 4 Schrauben,
  • Klebeband,
  • buntes Transparentpapier,
  • Laminiergerät und Folien.

Und so geht es:

  1. Zeichnen Sie ein Quadrat auf die Tisch­platte, sodass ein etwa 5 cm breiter Rand darum herum entsteht.
  2. Schneiden Sie das Quadrat mit dem Cut­termesser aus.
  3. Nehmen Sie die Pappe unter der Tisch­platte heraus.
  4. Kleiden Sie den Hohlraum mit Alufolie aus und kleben Sie diese eventuell mit Klebeband fest.
  5. Legen Sie Ihre Lichterkette in den Hohl­raum, lassen Sie den Teil mit den Bat­terien und dem Schalter aber draußen. Dazu können Sie mit dem Cuttermesser eine kleine Aussparung oder ein Loch in den Rand des Tisches schneiden. Sie können das Kabel möglicherweise mit Klebeband an einem Tischbein befesti­gen.
  6. Legen Sie die Plastikplatte auf den Tisch und bohren Sie in jede Ecke ein Loch durch Platte und Tisch.
  7. Schrauben Sie mit einem Akkuschrau­ber in jedes Loch eine Schraube.

Die Formen, die die Kinder auf den Leuchttisch legen und mit denen sie ex­perimentieren können, stellen Sie ganz einfach aus buntem Transparentpapier her. Schneiden Sie sich unterschiedliche Formen zurecht und verwenden Sie mög­lichst viele verschiedene Farben. Diese laminieren Sie anschließend und schnei­den Sie noch einmal zurecht. Stellen Sie sie den Kindern dann in einem Behälter neben Ihrem Leuchttisch zur Verfügung.

Idee 6: Ausdrucksmöglichkeiten mit Far­be und Schlagsahne

Sicherlich kennen Sie Farb- und Matsch-Experimente mit Rasierschaum und (Finger-)Farben. Bei dieser Variante des Angebots wird Schlag­sahne verwendet, um die Kinder nicht andauernd davon abhalten zu müssen, die Masse auch einmal in den Mund zu ste­cken und zu probieren.

Für das Angebot benötigen Sie:

  • 2–3 Becher Schlagsahne,
  • Lebensmittelfarben,
  • 1 großen Spiegel

Und so geht es:

  1. Schlagen Sie die Sahne mit einem Rühr­gerät steif. Am besten kühlen Sie sie vorher, dann klappt es besser. Süßen Sie die Sahne nicht – die Kinder sollen kei­ne Zuckerbombe zu sich nehmen, son­dern lediglich mit vollem Körpereinsatz arbeiten können.
  2. Je nach Platz und Größe Ihres Spiegels kann eine unterschiedlich große Klein­gruppe von Kindern gleichzeitig an dem Angebot teilnehmen. Die Kinder sollten in einem gut beheizten Raum, am bes­ten dem Badezimmer, nur in Windeln daran teilnehmen.
  3. Verteilen Sie die Sahne auf dem am Bo­den liegenden Spiegel und lassen Sie die Kinder damit experimentieren.
  4. Geben Sie nach einer Weile etwas von den Lebensmittelfarben dazu.
  5. Begleiten Sie die Kinder, indem Sie ver­balisieren, was sie da tun. Stellen Sie ihnen auch Fragen danach, wie sich die Sahne anfühlt und ob die Kinder sie mö­gen.
  6. Säubern Sie die Kinder und ziehen Sie sie um. Den Spiegel bekommen Sie unter fließendem Wasser ganz einfach wieder sauber.

Das Angebot eignet sich gut für eine Fo­to-Dokumentation. Anhand der Fotos können Sie zusammen mit den Kindern später noch einmal anschauen und be­sprechen, was stattgefunden hat, und sie erzählen lassen, was sie gemacht haben. Hängen Sie die Fotos auf Kinderhöhe gut sichtbar im Gruppenraum auf.

Neue Ideen finden

Durch die Haltung, in der Kinder mit ih­ren Ideen ernstgenommen werden, lassen sich zusammen mit ihnen immer wieder neue Ideen finden. Beobachten Sie sie und gehen Sie auf das ein, was sie gerade fasziniert. So kommen Ihnen gemeinsam immer wieder neue Einfälle zum For­schen und zum kreativen Ausdruck. Da das Ergebnis nicht im Mittelpunkt steht, entsteht hier auch kein Druck, etwas Per­fektes präsentieren zu müssen.

Wenn Sie den Eltern Ihre Herangehens­weise erklären, erwarten auch diese keine perfekten Bastelergebnisse, sondern freu­en sich im Idealfall über die Fortschritte ihrer Kinder.